21.07.17

Ich packe meinen Koffer. Urlaubslesespaß für die ganze Familie

Immer wieder höre ich:"Bald fahren wir in den Sommerurlaub. Dann habe ich endlich wieder Zeit zu lesen." Umso wichtiger die richtige Begleitung dabei zu haben. Deshalb stelle ich hier 4 Bücher vor, die deinen Sommerurlaub bereichern könnten. 





"Strandfliederblüten" | Gabriella Engelmann | Droemer Knaur

Inhalt: In ihrem neuen Urlaubs-Roman entführt Gabriella Engelmann ihre Leserinnen und Leser erneut an die Nordsee-Küste. Vor der atmosphärischen Kulisse einer Hallig, geprägt von Wellen, Sonne und Wind, lässt die Spiegel-Bestseller-Autorin ihre aus Hamburg stammende Heldin Juliane nicht nur ihr eigenes Leben neu definieren, sondern auch ein Familien-Geheimnis aufdecken und Wege finden, achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen.
Denn in Julianes Leben überstürzen sich gerade die Ereignisse. Neben einer großen Enttäuschung in Sachen Liebe und dem Verlust ihres Jobs erhält sie überraschend die Nachricht, dass ihre Großmutter Ada, mit der sie nie Kontakt hatte, ihr ein Haus samt zugehörigem Leuchtturm auf der Hallig Fliederoog hinterlassen hat. Einmal dort angekommen, ist Juliane wie verzaubert – von Adas liebevoll eingerichtetem Zuhause, das das ihre werden könnte, von den besonderen Menschen auf der Hallig, von der unvergleichlichen Natur der Nordsee-Küste und von den Ausblicken und Einsichten, die man nur auf einem Leuchtturm erleben kann und von denen Juliane schon als Kind träumte.
Vor allem aber ist sie fasziniert von ihrer Großmutter selbst, die in Briefen, Büchern und in den Erinnerungen ihrer Freunde und Bekannten lebendig wird. Und die für eine Art zu leben stand, die Juliane zunächst ein wenig fremd ist, sie dann aber immer mehr begeistert und dazu animiert, ein achtsames Leben im Einklang mit sich und der Natur zu führen. (Quelle: Droemer Knaur)

Gabriellas Romane sind Urlaubsfeeling pur! Immer, wenn ich eins ihrer Bücher lese, möchte ich sofort dorthin reisen, wo die Geschichte spielt. Im Fall von "Strandfliederblüten" ist das eine kleine einsame Hallig in der Nordsee. Dort hat die sehr sympathische Protagonistin Juliane einen Leuchtturm sowie einen Bauernhof geerbt und sie dorthin zu begleiten war einfach traumhaft schön und erholsam.

Gabriella Engelmann schreibt Romane über starke Frauen und obwohl die wunderhübschen Cover zu der Annahme verleiten könnten, dass es sich um leichte, blumige Geschichten handelt, ist dem nicht so. Gabriella schafft es immer wieder mich zum Nachdenken zu bringen, mein eigenes Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu überdenken. In "Strandfliederblüten" widmet sie sich sehr ausgiebig und tiefgründig dem Thema Achtsamkeit. Ich bin mir sehr sicher, dass wir alle etwas von dem Roman mitnehmen können und zeitgleich unterhält Gabriella auf sehr liebevolle und atmosphärische Art und Weise.

Ein Buch der Autorin ist dir zu wenig? Dann schau dir meine Rezension zu "Wildrosensommer" an. Vielleicht möchtest du auch diesen Roman mit in deinen Koffer packen.

Droemer Knaur | 384 Seiten | 9,99 € | hier kaufen




"Wédora. Staub und Blut" | Markus Heitz | Droemer Knaur

Inhalt: Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen - Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz' neuem Dark-Fantasy-Roman "Wédōra - Staub und Blut.Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.(Quelle: Droemer Knaur)

"Wédora" ist rasant, spannend und Actiongeladen. Klingt nach typischen Klischees - aber halt! Die sind im aktuellen Werk von Fantasygroßmeister Heitz keinesfalls zu finden. Eine gänzlich neue Welt, eine imposante Atmosphäre und überraschende Gedanken- und Handlungsstränge haben mich richtig gut unterhalten.

Bisher war ich von Heitz sehr komplexe Werke gewohnt, die viel Aufmerksamkeit fordern. "Wédora" ist anders. Nicht von minderer Qualität, aber eben viel leichter und lockerer. Die beiden Protagnisten sind lässig, zum Teil witzig und mutig. Sie haben Ecken und Kanten und eigentlich läuft für keinen der Beiden auch nur irgendetwas rund, seit sie in Wédora, der seltsamen Wüstenstadt angekommen sind. 

Setting und Handlung sind extrem gut durchdacht. An Stellen, an denen sich manch anderer AutorIn auf die Freiheit des Schreibens berufen würde und Elemente im Unklaren lässt, geht Heitz bis ins Details. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass das Rechtssystem in Wédora sehr streng ist und einen engen Bezug zu gewissen Systemen aus der Realität hat. Dadurch entgehen den Protagonisten so einige Schlupfwinkel, die sie in manch anderem Roman finden würden. Das macht es für den Autor sicher anstrengender, für mich als Leser aber deutlich glaubwürdiger und spannender. 

Info: Teil 2 "Schatten und Tod" erscheint am 21.08. 2017

Droemer Knaur | 608 Seiten | 10,99 € | hier kaufen





"Hellwach" | Hilary T. Smith | S. Fischer FJB

Inhalt: Das Leben meiner Eltern ist so strahlend, als wäre es gar nicht echt. Es hat eine klinisch saubere Frische wie Schnittblumen, eingeschweißt in Zellophan. Mir wird schwindelig davon. Seit dem Tod meiner Schwester weiß ich, Leben ist Chaos. Ich schlinge die Arme um die Knie, weine und lache und suche nach meinem iPod, damit ich die passende Musik dabeihabe. Ich bin hellwach, von innen beleuchtet, und begreife, dass das Universum mir heute Nacht einen Einblick schenken will – einen Einblick in etwas Großes. Und ich habe Angst, dass sich diese Tür zu etwas Wunderschönem vielleicht schließt und nie wieder öffnet, wenn ich die Chance jetzt nicht nutze.
Ich könnte in einer Schokoladenfabrik in den Rocky Mountains sein und kandierte Äpfel mit Mashmallows und Erdnussbutter essen. Oder in einem Sushirestaurant mit ein paar alten Männern Guitar Hero spielen. Vielleicht am Hafen ein paar Infos über Schiffsreisen zu den Fiji-Inseln einholen. Oder einfach am Strand sitzen und mit einer Meeresschildkröte angeln. Aber ich bin hier. Jetzt. Und dies ist mein Leben. Und ich habe mich verliebt. Nur nicht in den Jungen, in den ich mich eigentlich verlieben wollte. Dieses aufgedrehte Gefühl ist zu einem summenden, knisternden elektrischen Feld geworden. Ich will die Straße hinuntertanzen.(Quelle: S. Fischer)

Wer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Geschichte ist, der kann getrost zu "Hellwach" greifen, denn Autorin Hilary T. Smith hat eine Schreibe, die knallt, und Mut genug, um eine Protagonistin zu entwickeln, der man zwischenzeitlich gerne mal in den Allerwertesten treten möchte.

Kiri ist "die Gute" der Familie. Brav erfüllt sie die Erwartungen ihrer Eltern, lernt fleißig Klavier, bemüht sich um gute Noten und hinterfragt nichts. Die böse Schwester ist bereits vor einiger Zeit verstorben. Künstlerin ohne Perspektiven, aus dem Kreis der Familie verbannt, um den äußeren Schein nicht zu gefährden. 

Während Kiris Eltern auf einer Kreuzfahrt sind, meldet sich ein Typ und fordert Kiri auf, die Sachen ihrer toten Schwester Sukey abzuholen. Kiri glaubt schöne Erinnerungen an Sukey zu bekommen, doch was ihr tatsächlich geboten wird gleicht einer kalten Dusche und ehe sie sich versieht, landet sie in einem nicht ganz ungefährlichen Strudel.

Im Zusammenhang mit Hilary T. Smith kann man getrost das Wort eigen benutzen. Ihr Erzählton, der Aufbau ihrer Geschichten, ihre sprunghaften Gedanken - all das ist sehr individuell und nicht immer ganz einfach zu verfolgen, weshalb dieser Roman ganz sicher keine Mainstreamgeschichte ist und nicht jedermann gefallen wird. Und doch empfehle ich genau dieses Buch, an dem ich so ein, zwei Punkte zu kritisieren habe, für den Sommerurlaub, denn das ist nicht nur der Zeitpunkt, um zu entspannen, sondern auch um zu hinterfragen, um sich Gedanken zu machen. Und davon gibt es in diesem Buch reichlich. 

S. Fischer FJB | 368 Seiten | 14,99 € | hier kaufen



"Wer pupst denn da?" | Anna Taube & Gunther Jakobs | Coppenrath

Inhalt: Beim großen Bären Don Arne gibt’s heute Chili con Carne und – ups – schon entfährt jedem Tier ein Pups! Hör mal, wie sie knattern und pupsen! Ein Riesenspaß für alle kleinen Betrachter. Papp-Soundbuch mit 6 lustigen Pupsgeräuschen und einer einfachen, gereimten Geschichte, fabelhaft illustriert von Günther Jakobs. (Quelle: Coppenrath)
Ja, wir haben ein neues Lieblingsbuch. Nicht nur die kleine Räubertochter, sondern auch der Herzensmann und ich, sowie alle unsere minderjährigen und volljährigen Freunde. Über kein Buch haben wir uns bisher so kaputt gelacht wie über "Wer pupst denn da?"

Ich muss gestehen, bisher war die Geschichte für alle, denen wir das Buch gezeigt haben, nebensächlich. Dabei ist diese wirklich herzig. Don Arne, der dicke Bär, kocht Chilli und lädt seine tierischen Freunde dazu ein. Wie das nun mal so ist - jedes Böhnchen ergibt ein Tönchen. Ob Bär, Maus, Rotkehlchen, Katze oder Hund - alle müssen pupsen. Und das in sehr unterschiedlichen Intensionen und Tönen. Wer es sogar zum Pupsprofessor schafft, das müsst ihr schon selbst lesen.

Die Texte sind in Reimform verfasst, witzig und kindgerecht, und die Zeichnungen sind lebhaft und ansprechend. Drückt man auf einen Button auf dem Bauch der Tiere, dann ertönt das entsprechende Pupsgeräusch. Keine Angst, alle Pupse sind völlig geruchsneutral.

Coppenrath | 12 Seiten | 9,99 € | hier kaufen







(Quelle Video: Coppenrath Babyglück)

19.07.17

Buchweizen-Himbeerkuchen (ohne raffinierten Zucker)



Meine Oma sagt immer: "Wenn du keinen Zucker in den Kuchen machst, dann kannste auch einfach Mehl essen!" Hah, die wird sich ganz schön umgucken, denn mein Buchweizen-Himbeerkuchen ist so richtig lecker. Und das ganz ohne raffinierten Zucker.

Ist weder Weißmehl, noch Zucker im Kuchen, nimmt man die einzelnen Inhaltsstoffe viel deutlicher wahr. Der Geschmack ist viel intensiver, wenn die Geschmackssinne auf der Zunge nicht von Zucker und Weißmehl verklebt werden.

Der von mir vorgestellte Kuchen ist nicht ganz Zuckerfrei, aber raffinierter, stark behandelter Zucker wird durch natürlichere Zuckerquellen ersetzt. Je weniger Lebensmittel behandelt sind, desto gesünder sind sie und desto mehr Energie können wir aus ihnen ziehen. Es sind Lebensmittel mit Mehrwert, die satt machen und nicht süchtig (naja, ein kleines bisschen schon) und zudem sehr lecker schmecken.




Zutaten:


4 gehäufte EL Kokosöl
5 getrocknete Datteln
120 gr Buchweizenvollkornmehl
80 gr Dinkelvollkorngries
60 gr gemahlene Mandeln
¹/2 Päckchen Backpulver
etwas Zimt
2 Eier
160 gr Milch (wenn du Pflanzenmilch verwendest, etwas mehr Öl zufügen)
60 gr Ahornsirup
5 getrocknete Datteln



Zubereitung:


  1. Den Backofen auf 180° Ober- und Unterhitze vorheizen. Eine Kastenform (26 - 30 cm) fetten, ggf. mit Paniermehl bestreuen.
  2. Kokosöl erhitzen bis es flüssig ist, Datteln darin kleinmixen (wenn du keinen Mixer mit entsprechender Leistung hast, kannst du sie auch per Hand sehr klein schneiden).
  3. Eier und Milch dazugeben und schaumig rühren.
  4. Buchweizenmehl, Dinkelgries, gemahlene Mandeln, Zimt und Backpulver vermischen und zu der flüssigen Mixtur hinzugeben.
  5. Ahornsirup dazugeben. Alles gut verrühren.
  6. Ca. die Hälfte des Teigs in die Form geben. Die gefrorenen Himbeeren darauf verteilen und den Rest des Teigs darüber geben.
  7. Der Kuchen muss nun für etwa 45 Minuten in den Ofen. Mit einem Holzstäbchen testen, ob der Kuchen gar ist.
Falls du gerade erst angefangen hast deinen Zuckerkonsum zurückzuschrauben, ist dir der Kuchen möglicherweise nicht süß genug. Das Empfinden von Süße ist von Mensch zu Mensch und je nach Gewohnheit unterschiedlich. 

Guten Appetit!





17.07.17

Das Spiel des Engels - Carlos Ruiz Zafón



Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Bürgerkrieg: Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät – und in welchen Strudel furchterregender Ereignisse … (Text & Cover: © S. Fischer Verlage; Foto: © N. Eppner)

Ich weiß gar nicht, warum ich mich so lange davor gescheut habe dieses über 700 Seiten starke Buch aus dem Regal zu nehmen und zu lesen. 700 Zafón Seiten sind nicht viel. Es sind genauer gesagt sogar viel zu wenige, wenn man - so wie ich - seinem Zauber verfallen ist.

Es ist schon sehr lange her, dass ich Zafóns Bestseller "Der Schatten des Windes" gelesen habe. Danach habe ich seine Jugendbücher verschlungen, "Der Schatten des Windes" als Hörbuch gehört und alle seine Bücher fürs heimische Regal gekauft. Und trotzdem bin ich erst jetzt auf den Friedhof der Vergessenen Bücher zurückgekehrt.

Zafóns Sog hat mich auch mit diesem Roman wieder gepackt. Inhaliert habe ich die Geschichte von David Martín, dem Jungen ohne Mutter und einem Vater voller Kälte. Dem jungen Zeitungsmitarbeiter, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Schriftsteller zu sein. So sehr, dass er seine Seele verkauft, um seinem Wunsch zur Wirklichkeit zu verhelfen.

Sein Spiel mit dem Feuer wird ihm erst sehr spät bewusst. Erst, als Menschenleben in Mitleidenschaft gezogen werden, bemerkt er, dass man sehr vorsichtig sein muss mit dem, was man sich wünscht. Noch mehr damit, diese Wünsche auszusprechen.

Neben altbekannten Figuren treffen wir hier auf Martín, diesen jungen Mann, dessen Leben nach vielen Tragödien bergauf geht. Durch harte Arbeit, durch etwas Glück und durch gefährliche Verbindungen. Martín ist ganz vortrefflich konzipiert. Ein kluger Mann, dessen Ausdruck immer einen ironischen Unterton trägt und dem Dialoge in den Mund geschrieben werden, die gesalzen und gepfeffert sind. Besonders die zwischen ihm und der vorwitzigen und sturen Isabella, die einen Hang zur verschobenen (Selbst-) Wahrnehmung hat, habe ich mit großer Freude gelesen.

Und obwohl ich während dieser Dialoge häufig lachen musste, konnte mir Zafón Gänsehaut zaubern. Immer wieder lässt er klassische Horrorelemente in seinen Geschichten durchblitzen, erschafft eine beinahe gruselige Atmosphäre. Nicht mit Handlungen, aber mit Worten, die nichts offenlegen, aber so feinfühlig umschreiben, dass ich meine Fantasie zügeln muss, um keine schlaflose Nacht zu verbringen. 

Zafón ist ein Meister der Worte. Ist ein Literat, der sich klassischer Elemente bedient, der Literatur schreibt, die historische Ereignisse einfließen lässt und an diesen Kritik übt, und der ein Autor der Phantastik ist, der sich immer am Grenzgebiet zwischen Realität und Fiktion bewegt und seine Leser wie kein Zweiter dahingehend in der eigenen Wahrnehmung verwirren kann.

Ich bin froh, noch zwei weitere ungelesene Romane des Spaniers im Regal stehen zu haben und hoffe, dass er gerade im Augenblick fleißig am nächsten Buch schreibt.


Buchinfo:

710 Seiten
Taschenbuch
10,99 €
ÜBERSETZUNG: Peter Schwaar
Hier Versandkostenfrei bestellen

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14.07.17

#JdKöKi - Abstimmung des August Titels



Ist es nicht verrückt, dass dies schon die August (!!) Abstimmung des #JdKöKi ist? Das meiste ist schon gelaufen und das Jahr der Königskinder ist fast schon wieder vorüber.

Wie gut, dass in diesem Monat wieder so unglaublich tolle Bücher zur Wahl stehen. Na, wer ist denn dein Favorit?

Hier geht's zur Abstimmung, die am 14. Juli beginnt und am 18. Juli 2017 um 23:59 Uhr endet. Wie immer müsst ihr euch nirgendwo anmelden und nur zweimal klicken, um eurem Favoriten zu einer Stimme zu verhelfen.



"Die Anarchie der Buchstaben" | Kate de Goldi | Sandy von Nightingale's Blog

Jeden Donnerstag besucht Perry ihre Oma im Heim Santa Lucia. Oma weiß nicht immer, wer Perry eigentlich ist, und außerdem findet sie, Perry sei ein Jungenname. Aber Perry macht das nichts aus. Und dann hat sie diese gute Idee mit dem Abc! Ein Buch über alle und alles in Santa Lucia, bei dem Oma und die anderen mitmachen sollen. Es geht zwar etwas durcheinander, und das Ganze wird eher ein Acb oder ein Abv. Aber ein bisschen Anarchie hat noch niemandem geschadet. (Quelle: carlsen.de)

Der Titel klingt sehr zauberhaft und ich habe mich gerade etwas mehr in den Klappentext verliebt. Klingt nach einer quirliegen, verrückten Geschichte. Und ich finde, davon können wir doch mal eine gebrauchen. Oder?! :)


"Eine Geschichte der Zitrone" | Jo Cotterill | Nanni von Fantasie und Träumerei

Inhalt: „Ein Hymne auf das Lesen und die Freundschaft! Wie gern hätte Calypso eine richtige Freundin! Vielleicht wird es ja Mae, die Neue in der Klasse? Die ist genauso ein Bücherwurm wie sie. Auch wenn für Mae ein Buch nur gut ist, wenn sie am Ende richtig heulen muss. Aber Calypsos Dad findet, man soll sich nicht auf andere einlassen. Er hat ohnehin keine Zeit für so was – er schreibt sein Meisterwerk über die Geschichte der Zitrone. Und scheint darüber oft zu vergessen, dass er eine Tochter hat. Je mehr Zeit Calypso bei Mae und ihrer herzlichen Familie verbringt, desto klarer wird ihr, wie seltsam, staubig und leer ihr eigenes Zuhause ist. Damit sich das endlich ändert, müssen alle zusammenhelfen.“ (Quelle: carlsen.de)

Ich nominiere "Eine Geschichte der Zitrone", weil ich glaube, dass der Roman sehr gut in den Sommer passt und ich die Leseprobe gelesen habe und mir ziemlich sicher bin, dass es der Autorin gelingen wird, mich in eine Wohlfühlatmosphäre zu entführen.


"Der Himmel über Appleton House" | S.E. Durrant | Nils von Bunteschwarzweisswelt

Inhalt: "Ira und Zac müssen schon wieder umziehen – diesmal von einer Pflegefamilie ins Kinderheim. Es wird der erste Ort, an dem sie glücklich sind. Trotzdem: Ira sehnt sich nach dem Unmöglichen, nach einer richtigen Familie. Mit Mutter und Vater und einer eigenen Haustür. Aber die Geschwister sind nicht mehr klein und sie wollen zusammenbleiben. Keine guten Voraussetzungen. Am Ende finden sie dennoch ein Zuhause: in Martha, in Appleton House und in ihrem Garten. Und wenn der Abschied vom Kinderheim, von den Menschen dort, auch schwerfällt: Sie haben endlich ihr kleines Stück von Himmel gefunden. Für immer." (Quelle: carlsen.de)

Das Buch hört sich sehr tiefgründig an, was nicht zuletzt daran liegt, dass es um Waisenkinder geht.
Gleichzeitig hört es sich aber auch sehr schön und hoffnungsvoll an, da die Geschwister ein Zuhause finden!
Für mich eine grandiose Mischung! Ich bin mir sicher, dass es ebenso grandios ist, wie es klingt!


Samuel ist bei Gott. Seltsam nur, dass es im Himmel stockdunkel ist, die Vögel trotzdem singen und dass er gefesselt ist. Als er vor Gottes Angesicht tritt, sieht der eher aus wie Der Teufel. Und Der Teufel nennt ihn Freitag und verkauft ihn als Sklaven an einen weißen Jungen, der gerade mal so alt ist wie Samuel. Für 600 Dollar. Er kommt auf eine Plantage in Mississippi, wo es keinen interessiert, wer er ist, dass er lesen kann, dass er zu seinem kleinen Bruder muss. Aber der Bürgerkrieg rückt immer näher – und damit auch die Hoffnung auf Freiheit. (Quelle: Carlsen)

Ich bleibe, wie letzten Monat, bei MEIN NAME IST NICHT FREITAG von Jon Walter, weil mich das Buch im Programm Zweisamkeit mit am meisten ansprach und ich mir eine tiefgründige, emotional aufwühlende Geschichte erhoffe und die Thematik die dieses Buch behandelt einfach wahnsinnig interessant und wichtig finde.


"Im Jahr des Affen" | Que du Luu | Anja von Bücherblog

Inhalt: Mini ist eine Banane: außen gelb und innen weiß. Ihr Vater hingegen bleibt durch und durch gelb: Er spricht nur gebrochen Deutsch und betreibt ein Chinarestaurant.Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt, muss Mini im Restaurant schuften, sich mit dem trotzigen Koch streiten – und sie kann Bela nicht wiedertreffen, bei dem sie so viel Ruhe gefunden hat. Dann reist auch noch Onkel Wu an. Der traditionsbewusste Chinese holt die Vergangenheit wieder hoch: das frühere Leben, die gefährliche Flucht als Boatpeople aus Vietnam.Poetisch, klug, unterhaltsam: Der ungewöhnliche Roman erzählt von der Tragik des Andersseins, der Suche nach Heimat – und der Suche nach Glück. (Quelle: Carlsen)


Ich nominiere diesen Monat "Im Jahr des Affen". Da ich sowieso gerne alle Jugendbuch-Nominierten des Jugendliteraturpreises lesen würde, kommt mir der Titel gerade recht. Von und über eine Deutsch-Chinesin habe ich außerdem bisher noch nichts lesen dürfen und bin sehr gespannt auf diesen Kulturmix.


"Winger" | Andrew Smith | Dani von Brösels Bücherregal

Wenn man Ryan Dean West heißt, Klassenbester und dazu noch zwei Jahre jünger als alle anderen ist, wird einem der Kopf manchmal ins Klo gehängt. Aber Ryan Dean hat größere Sorgen: Wie soll er verhindern, dass sein neuer Zimmergenosse im Internat ihn nachts erwürgt? Noch wichtiger: Wie soll er Annie, die er wahnsinnig liebt, davon überzeugen, dass er nicht zu jung für sie ist? Ohne seinen Freund Joey aus dem Rugby-Team wäre dieses Schuljahr die Hölle. Dass Joey schwul ist, ist Ryan Dean völlig egal. Schließlich liebt er Joey. Auf total unschwule Art, versteht sich. Dann passiert das Undenkbare. Und Ryan Dean West begreift, was wirklich wichtig ist. (Quelle: Carlsen)

Es geht unter den Königskindern ja nicht immer nur bewegend und traurig zu. Dieser Titel verspricht lustig zu werden, erzählt die Geschichte von zwei Jungs, die sich gegenseitig lieben – der eine ist schwul, der andere… nicht so. Mal wieder so richtig schmunzeln, mitfiebern bei einem besonderen Jugendroman über Freundschaft und … ja, vielleicht auch mehr.


"Die wirkliche Wahrheit" | Dan Gmeinhart | Anni von Bücherstapel

Mark ist ein ganz normaler Junge. Eigentlich. Er hat einen Hund namens Beau und eine beste Freundin namens Jessie. Er fotografiert gerne und träumt davon eines Tages einen Berg zu besteigen.
Aber in einer Hinsicht ist er anders. Mark ist krank. Krankenhaus krank. So krank, dass er vielleicht nicht wieder gesund wird.
Mark haut ab – Beau immer an seiner Seite. Im Gepäck seine Kamera, sein Notizbuch und einen Plan, wie der den Gipfel von Mount Rainier erreichen kann. Und wenn es das Letzte ist, was er tut.
Eine Geschichte über einen Jungen, der einen Berg besteigt und über ein Mädchen, das zurückbleibt. Eine Geschichte über große Fragen und kleine Augenblicke. Und über stillen Mut, Entschlossenheit und den treusten Hund der Welt.(Quelle: carlsen.de)

Der Protagonist Mark und ich haben einiges gemeinsam: Ich habe (quasi) einen Hund, ich fotografiere gerne und ich will auch mal einen Berg besteigen. Eine Geschichte, in der Mark über seine Grenzen hinausgeht, mit seinem Hund an seiner Seite. Ich bin gespannt und jetzt schon voller Hoffnung, dass es nicht allzu tragisch wird. Vielleicht lieber abenteuerlich? Wer weiß. Im neuen Programm der Königskinder soll zudem ein neues Buch des Autors erscheinen und so könnte ich schon Mal einen Vorgeschmack auf seinen Stil bekommen. Außerdem ist das Buch nicht besonders dick und das mag sehr gerne.


Bisher gelesene Bücher:


JANUAR | "Salz für die See" von R. Sepetys


Ich habe viele Tränen geweint. Tränen der Trauer, der Wut und Tränen der Hoffnung in Hoffnungslosen Situationen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals ein Buch gelesen habe, das mich so bewegt hat.

"Salz für die See" ist ein außergewöhnliches Buch. Nicht in seiner Thematik, aber in seiner Umsetzung. Gefühlt geht jedes einzelne Wort tief unter die Haut. Brennt in den Kopf was einmal war und nie mehr so sein soll. Es ist ein Buch, das absolut jeder lesen sollte.

FEBRUAR | "Alles, was ich sehe" von M.L. Curtis


"Alles, was ich sehe" lebt von seinen Protagonisten. Ob Maggie mit all ihrer Wut und Verzweiflung, der stille Mason oder die extrem optimistische Clarissa - sie alle tragen dazu bei, dass dieser Roman eine wundervolle Erzählung wird.

Ein ganz besonderer Protagonist ist Ben. Er ist Autorin Marci Lyn Curtis wirklich gut gelungen. Ein Mensch, den ich gerne einmal treffen würde.


MÄRZ | "Das Schloss in den Wolken" von L. M. Montgomery


"Das Schloss in den Wolken" ist ein zeitloser Roman über Träume und den Mut diese in die Tat umzusetzen. Ich selbst trage die Verantwortung für mein Glück. Protagonistin Valancy geht mit gutem Beispiel voran und zeigt mir, dass nichts unmöglich ist, scheint es auch noch so schwierig.




APRIL | "Der Koffer" von R. Roe


Bevor ich mit "Der Koffer" begonnen habe, wusste ich, dass eine sehr bewegende und bedrückende
Geschichte auf mich zukommt. Dass der Roman solche Ausmaße annimmt, dass es diesen Verlauf gibt, der weit ab von dem ist, was man einen normalen Umgang mit Kindern und Jugendlichen nennt, damit habe ich nicht gerechnet. Robin Roe hat mich zutiefst erschüttert. Es macht mich traurig daran erinnert zu werden, dass es Menschen gibt, die so mit anderen umgeht. Und trotzdem gibt es ganz viele Momente, die mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Einfach, weil es nicht nur böse Menschen gibt, sondern auch ganz nette, die Anteil nehmen am Schicksal ihrer Mitmenschen, die sich interessieren und ihr Herz für Andere öffnen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder sozialer Schicht sie entstammen.

MAI | "Der Geruch von Häusern anderer Leute" von B.-S. Hitchcock



„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ hat sehr viel in mir ausgelöst. Die Schicksale der Jugendlichen sind keine leichte Kost und nur schwer verdaulich. Immer dann, wenn ich am wenigsten damit gerechnet habe, haben sie wieder unter der vollen Härte des Lebens leiden müssen. Das hat mich emotional ziemlich aufgewühlt und immer wieder das Buch aus der Hand legen lassen, obwohl die darin konzipierte Spannung nach weiterlesen verlangte.




JUNI | "Zwillingssterne" von C. Moracho


Im Großen und Ganzen hat mir der Roman ganz gut gefallen. Die Grundidee ist gut und die Schreibe
holt mich dort ab, wo ich es nicht vermutet hatte. Eine kleine Kritik habe ich aber doch. Ab und an habe ich das Gefühl, dass sich die Autorin verzettelt. Weniger ist mehr. Hier und dort ein paar Szenen eingespart und die eigentliche Situation, die Schwierigkeiten, die Althea und Oliver belasten, ihr Leben zu einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch werden lassen, mehr auf den Punkt gebracht. Das hätte ich mir gewünscht.


JULI | "Jane & Miss Tennyson" von E. Mills


„Jane & Miss Tennyson“ ist das mehr als gelungene Debüt der Vloggerin Emma Mills. Zwischen
Devons romantischen Wünschen nach der großen Liebe, offenbart sich ein Roman mit viel Tiefgang. Ein Roman, der zeigt wie wichtig es ist eine eigene Meinung zu bilden und nicht hinter Oberflächlichkeiten herzurennen. Geschrieben von einer Autorin, die offensichtlich weiß wie wichtig wahre Freundschaft ist und was sie bedeutet.








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13.07.17

Der Sohn des Hauptmanns - Nedim Gürsel



Nach vielen Jahren im Ausland, wo er als Journalist tätig war, ist der Ich-Erzähler im Alter in seine Heimat Türkei zurückgekehrt. In der Hoffnung, dass sich jemand eines Tages für seine Erinnerungen interessieren wird, vertraut er seine Gedanken einem Tonbandgerät an. Erst spät in seinem Leben hat er sich auf seine Eltern und seine Herkunft besonnen und erkannt, wie prägend seine Kindheit in einer Garnisonsstadt in der türkischen Provinz war, wie sehr sein Denken und Fühlen bestimmt wurden von den Jahren in einem Istanbuler Internat mit den derben Scherzen und den ersten sexuellen Erfahrungen. Vermisste er damals schon seine früh verstorbene Mutter, oder stellte sich die Sehnsucht nach ihr erst mit zunehmendem Alter ein? Wäre er mit ihr ein anderer geworden? Was empfand er wirklich für seinen Vater, der am Militärputsch von 1960 beteiligt war und dem er die Begnadigung eines Mannes abringen konnte, der der Vater seines besten Freundes und der Ehemann seiner ersten großen Liebe war?
In ›Der Sohn des Hauptmanns‹ stellt Nedim Gürsel Fragen, die uns alle bewegen: Welchen Einfluss hat unsere Herkunft auf unser Leben? Und was ist Heimat: ein Land, die Familie oder die Menschen, die man liebt?
Ein alter Mann blickt zurück auf sein Leben, auf Jahre voller gewaltiger Umbrüche, voller Liebe und Zorn. In seiner Erinnerung lässt er das Istanbul seiner Jugend wieder auferstehen, seinen übermächtigen Vater, seine geliebte Mutter: ein ganzes Panorama und zugleich das persönliche Schicksal eines Einzelnen. (Text & Cover: © DuMont; Foto: © N. Eppner)

Der Einstieg in den Roman ist mir nicht ganz leicht gefallen. Aber meine Erwartung an das Buch war nicht die, einem Roman zu begegnen, der sich einfach so weglesen lässt. Vielmehr erhoffte ich mir vom Klappentext, dass Gürsel die Struktur zwischenmenschlicher Beziehungen offen legt. Am besten Häppchenweise und so, dass mein Geist wach und in Bewegung bleibt.

Als ich vom Verlag die Anfrage bekam, ob ich das Buch lesen wolle, war mein erster Impuls Ablehnung. Türkei - interessiert mich doch gar nicht. Warum? Ich glaube, weil ich kaum etwas über Land, Kultur und die Menschen dort weiß. Und das, obwohl ich so häufig über Toleranz spreche. Ein Blick in die Leseprobe und ich war mir sicher: Gürsel würde mir dabei helfen, meinen Horizont zu erweitern.

Der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans hat ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Auf den Vater sollte er stolz sein, denn die Großmutter ist es auch und die Nachbarn irgendwie auch. Hat er sich doch Ruhm erworben beim Militärputsch 1960, einem Kampf für die Türken und gegen die Kurden. Doch wie soll man stolz sein auf einen Mann, der glaubt die Meinung seines Volkes durchgesetzt zu haben, obwohl das Volk aus verschiedenen, individuellen Perönlichkeiten und Ansichten besteht? Und obwohl er dafür Gewalt und Erpressung anwandte? Obwohl er seine Machtposition ausgenutzt hat, um seine eigene Stellung zu verbessern?

In dieser, aber auch vielen anderen Betrachtungen des Autors, finde ich eine Parallele zur heutigen politischen Lage in der Türkei und frage mich, ob die Bevölkerung auf dieser Ebene bewusst stecken geblieben ist oder ob es einem einzelnen immer und immer wieder möglich ist, ein ganzes Volk zu unterwerfen und durch geschickte Psychospielchen die eigene Meinung, als die des Volkes zu verkaufen (siehe auch unsere eigene Historie)?

Das Verhältnis zwischen Ich-Erzähler und Mutter ist schwierig. Gespalten. Er wünscht sich mehr Liebe und Zuneigung zu ihr, der Vater gewährt dies nicht und am Ende stirbt sie bei einem Unfall. Oder ist es Suizid? Gürsel überlässt es dem Leser zu entscheiden, ob das Leben an der Seite eines Mannes, der von seiner Mutter vergöttert wird und dieses Selbstbewusstsein oder falsche Verständnis von zwischenmenschlichem Zusammenleben, in seine kleine, beschränkte Welt hinausträgt und dort den Dicken markiert, überhaupt lebenswert ist.

Die Sehnsucht nach der Mutter begleitet den Protagonisten ein Leben lang. Gestaltet seine eigene Entwicklung als schwierig. Von unerfüllten Wünschen belastet, bleibt er immer auf der Suche. Glaubt mal hier, mal dort angekommen zu sein, und macht sich kurz darauf doch erneut auf den Weg.

Der Ich-Erzähler beschreibt sein Leben aus einer Gegenwart und kehrt immer wieder in die Vergangenheit zurück. Scheinbar beliebig greift er nach einer Geschichte aus seinem Leben. Die Willkür der Reihenfolge geht erst dann verloren, als dem Protagonisten klar wird, worauf alle Fäden hinauslaufen. Der Ursprung all seines Denkens und Handelns liegt in seiner Beziehung zu den Eltern und der Heimat. Wir wollen es oftmals nicht wahrhaben, aber Heimat prägt unser Leben ebenso wie Begegnungen.

Das Buch ist nicht für die LeserInnen geeignet, die Action suchen. Die Spannung versteckt sich hier eher zwischen den Zeilen. In Fragen, die Charakterstruktur des Protagonisten und des Landes mit seiner Politik betreffend. Psychologische wie kritische Gedankengänge voller Tiefe. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, sondern erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen.

Gerade diese Form des Ausdrucks, die Verwendung von Umschreibungen, die Alles und Nichts bedeuten können, sowie die direkte Ansprache von Themen, die nicht immer direkt angesprochen werden (dürfen?), holt mich genau dort ab, wo ich auf diesen Roman gewartet habe.


Buchinfo:

DuMont (März 2017)
318 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
24,00 €
ÜBERSETZUNG: Barbara Yurtdas

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11.07.17

[Kurz gesagt] Die verbotene Zeit - Claire Winter



    1975: Nach einem schweren Autounfall sind Carlas Erinnerungen wie ausgelöscht, und sie setzt alles daran, die verlorene Zeit zu rekonstruieren. Der Journalist David Grant behauptet, sie sei auf der Suche nach ihrer Schwester gewesen, die vor sechzehn Jahren spurlos an der Küste von Cornwall verschwand. Doch kann sie ihm vertrauen? Lügen ihre Eltern sie an? Die Wahrheit führt Carla weit zurück in die Vergangenheit, in das Berlin der Dreißigerjahre, zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer verbotenen Liebe, aber auch einer schrecklichen Schuld ... 

    Berlin, 1922: Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet Edith und Dora von Kindheit an eine so enge und treue Freundschaft, als wären sie Schwestern. Dora ist die Tochter eines einfachen Hausmädchens, Edith die eines reichen Papierfabrikanten. Die beiden wachsen im schillernden Treiben der Großstadt heran, und ihre Verbundenheit bleibt ihnen auch als Erwachsene erhalten. Dora findet ihr Glück mit dem ehemaligen Sportler Paul Behringer, und Edith heiratet den Adeligen Maximilian von Stettenheim. Doch wahre Liebe begegnet Edith erst mit dem charismatischen Violinisten Jules Cohn. In den gefährlichen politischen Zeiten der Dreißigerjahre lässt Edith sich auf ein gewagtes Spiel ein, denn Jules ist Jude und im Widerstand aktiv. Dora bleibt der einzige Mensch, dem sie vertrauen kann. Und Edith wird schließlich gezwungen, die Freundin um etwas zu bitten, das ihrer aller Leben auf dramatische Weise für immer verändern wird ... (Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)

    • Ich habe nun schon einige Romane gelesen, in denen Biografien aus verschiedenen Jahrzehnten miteinander verknüpft werden und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich all diese Geschichten schon kenne. Claire Winter konnte mich jedoch in eine Handlung verwickeln, die sich eher neu anfühlte, obwohl sie ein altbekanntes Schema benutzt.
    • Das liegt vor allem auch daran, dass Claire Winter eine sehr bewegende Atmosphäre geschaffen hat, die von der drückenden Dunkelheit des zweiten Weltkriegs begleitet wurde, und starke weibliche Figuren entwickelt hat, die ich gerne begleitet habe.
    • Durch eine Handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite mit Spannung und Feingefühl glänzt. Trotz all der Gegenströme durch die sie schwimmen müssen, bleiben sie sich treu. Bis es zu einem Problem kommt, das mehr an ihnen zehrt, als der Krieg es getan hat. Am Ende deckt Carla ein Geheimnis auf, mit dem ich so auf gar keinen Fall gerechnet hätte.

    Buchinfo:

    Diana (April 2015)
    576 Seiten
    Hardcover mit Schutzumschlag
    19,99 €
    Taschenbuch
    9,99 €
    Hier Versandkostenfrei bestellen

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09.07.17

[Reiseproviant] #7 | 17


Literarische Reise:


"Das Spiel des Engels" | Carlos Ruiz Zafón | S. Fischerverlage

Ich weiß gar nicht, warum ich so lange vor mir hergeschoben habe, dieses Buch aus dem Regal zu nehmen und zu lesen. Klar, 700 Seiten sind umfangreich, aber wer "Der Schatten des Windes" gemocht hat, der weiß, dass dies kein Problem ist. Ich bin eine von denen, die Zafón Meisterwerk verschlungen haben und so ergeht es mir nun auch mit "Das Spiel des Engels". Ich bin dem Sog des Romans völlig ausgeliefert. Am liebsten würde ich nur lesen und das Buch gar nicht zur Seite legen.

"Wédora 01. Staub und Blut" | Markus Heitz | Knaur

Ich hinke ja meistens ein bisschen hinterher. Deshalb lese ich auch erst jetzt "Wédora", den aktuellen Fantasyroman von Markus Heitz.
Ändert nichts an der Tatsache, dass all die Empfehlungen von euch, dieses Buch vom Stapel ungelesener Bücher zu nehmen, absolut gerechtfertigt ist.
Das Buch ist so richtig spannend geschrieben. Die Kapitel enden immer so, dass ich unbedingt weiter lesen möchte, weil ich dringend wissen muss, was passiert. Ganz schön fies.
"Wédora" passt übrigens prima in den Sommer. Mit dem Wüstensetting bringt es ordentlich Hitze ins Lesezimmer. Außerdem ist es vom Erzählton sehr viel leichter und weniger komplex, als einige seiner anderen Bücher.
Wer hat's schon gelesen? Wer will noch?



Zeitreise:




"Der Trick" | Emmanuel Bergmann | Diogenes
„Der Trick“ ist für mich einer der magischen Romane, die in ihrem Gesamtpaket einen Zauber ausüben, dem sich kein Leser entziehen kann. Die Ausstrahlung dieses Erstlingswerkes, das von der durch Einfachheit der Charaktere geprägten Authentizität lebt, ist so enorm groß, dass schon die ersten Seiten über ungeahnte Anziehungskräfte verfügen und das Buch trotz seiner tragischen Augenblicke zu einem herzerwärmenden Roman voller Hoffnung werden lassen.

"Das letzte Polaroid" | Nina Sahm | Blumenbar
"Das letzte Polaroid" ist für mich ein Sommerbuch der etwas anderen Art. Es hat nichts mit einem leichten Sommerwind, einer feinen Brise, sondern fühlt sich für mich eher nach einer drückenden Schwüle an. Einer Schwere, der häufig ein Gewitter folgt, das damit auch Erleichterung schaffen kann. Nina Sahms ist für mich trotzdem eines DER Sommerbücher, die man gelesen haben sollte, da es sich abhebt und eine wirklich gute Geschichte birgt. Für kleine, wirklich kleine Kritikpunkte entschädigt das Ende, das so beweglich ist, wie die Atmosphäre des Romans.
#JdKöKi Juli Titel: "Jane & Miss Tennyson" | Emma Mills | Königskinder
„Jane & Miss Tennyson“ ist das mehr als gelungene Debüt der Vloggerin Emma Mills. Zwischen Devons romantischen Wünschen nach der großen Liebe, offenbart sich ein Roman mit viel Tiefgang. Ein Roman, der zeigt wie wichtig es ist eine eigene Meinung zu bilden und nicht hinter Oberflächlichkeiten herzurennen. Geschrieben von einer Autorin, die offensichtlich weiß wie wichtig wahre Freundschaft ist und was sie bedeutet.



Netzrundreise:


Lebe deinen Blog

Anna von Ink of Books hat einen fantastischen Beitrag darüber geschrieben, wie du deine Persönlichkeit in deinen Blog einbauen kannst. Sehr lesenswert nicht nur für Neu-Blogger.

6 Buchenpfehlungen für heisse Sommertage

findest du auf Janines Blog Kapri-zioes. Für diesen Beitrag voller Wunschlistenfutter hat sie sich noch weitere BuchbloggerInnen ins Boot geholt und so ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs

So heißt ein Beitrag auf Mikka liest. Dort werden ganz viele tolle Links gesammelt. Zum Beispiel zu Rezensionen, zu Aktionen und lesenswerten Beiträgen.

Warum viele Medien immer noch Fantasy Literatur ignorieren

Auf dem Blog vom Fantasy Verlag Fischer Tor, ist ein interessantes Video verlinkt, in dem verschiedene Personen aus der Buchbranche über den Stellenwert der Fantasy Literatur sprechen. Der Satz "Ich würde mir wünschen, dass Literaturenthusiasten sich mehr miteinander und dadurch auch mit dem Fremden beschäftigen würden. Auch das ist eine bunte Gesellschaft." spricht mir absolut aus der Seele.

10 x 3 Dinge über ... Mich

Ich durfte als Gast im Bücherkaffee Rede und Antwort stehen.


Kulinarische Reise:





Holunderzeit

Ist jetzt eigentlich schon wieder vorbei. Kurz bevor die Blüten abfielen und Beeren an den Sträuchern wachsen, habe ich noch ganz viel Holunder gesammelt. Einen Tee habe ich mir ganz frisch aufgebrüht (sehr lecker), den restlichen Holunder habe ich zwei Tage lang getrocknet und dann in eine Dose gefüllt, so dass ich im Winter einen leckeren Tee habe, der sehr gut bei Erkältung hilft und das Immunsystem schützt. Wenn die Beeren reif sind, dann werde ich wieder sammeln. Dann nicht für Tee, sondern für Likör.

Fenchelsuppe

Vor kurzem habe ich mir das Buch "Goodbye Zucker" von Sarah Wilson besorgt. Darin ist ein tolles Rezept für Fenchelsuppe, das ich direkt mal ausprobieren musste. Sehr, sehr lecker.



Habt einen entspannten Sonntag und kommt gut in die neue Woche.

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