Ehre / Elif Shafak



„Man konnte sein Kind ’Ehre’ nennen, sofern es ein Junge war. Männer besaßen Ehre. Greise, Männer mittleren Alters, ja selbst kleine Schuljungen, die noch nach der Milch ihrer Mutter rochen. Frauen besaßen keine Ehre, sie besaßen Scham. Und ’Scham’, das wusste jeder, wäre ein ziemlich schlechter Name.“

Es ist schon eine Weile her, dass ich diesen Roman gelesen habe, der in gleicher Weise wundervoll und doch bedrückend ist. Der mich mit Worten berührt, belastet und verzaubert. Worte, die sich in Gedanken verformen, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen, denn Autorin Elif Shafak spricht Themen an, die angesprochen werden sollten, und lässt ihre Charaktere eine Härte spüren, die sich dem Stil ihrer Sprache so sehr widersetzt, wie einige ihrer Protagonisten es gegenüber ihrem Schicksal versuchen.

„Niemand wusste es, doch tief in ihrem Herzen war Jamila bereits verheiratet – mit ihrem Schicksal.“

Schicksal ist eins der gewichtigen Themen im Roman. Ist der Lebensweg von vornherein bestimmt? Ist es einfacher diesen so hinzunehmen und zu ertragen oder versucht man besser dagegen anzukämpfen? Sein Glück selbst in die Hand nehmen, um nach Anstrengung und Not dann doch auf eben diesem vorgezeichneten Weg zu landen? Oder eben nicht? Wie weit wird dies beeinflusst von Familie, Kultur, Glauben?

„Er warf Gegenstände an die Wand vor lauter Hass auf die ganze Welt, die ihn in die Enge trieb und in der die Angst vor dem Schatten seines missbrauchenden Vaters nur darauf lauerte, ihm zu sagen, dass er ja letztlich nicht so anders sei als dieser.“

Es ist nicht nur ein Roman über Schicksal, sondern – wie der Name schon sagt – über Ehre und auch über Schuld und Vergebung. Alles Themen, die darauf basieren, dass sie für verschiedene Menschen, verschiedene Bedeutung haben. Ehre ist Auslegungssache. Was dem einen wichtig ist, ist für den anderen vielleicht unwichtig. Wieder eine Frage von Familie, Kultur, Glauben. Eine Frage, die zu Konflikten führen kann und die den Lebensweg einer Person so zeichnen kann, dass sie erst dadurch zu einer individuellen Persönlichkeit werden kann. Und letztendlich geht es allen doch gar nicht um so ganz große Dinge, sondern um Anerkennung und Zuneigung.

„Die Liebe war eine Krankheit, belebend und erhebend, aber eine Krankheit.“


„Ehre“, der neuste Roman der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak ist ein besonderer Roman, der nicht nur berührt, sondern zugleich spannend und mitreißend ist. Die dunkle Seite im Menschen kommt zum Vorschein in dieser Geschichte, die sich über mehrere Generationen einer Familie hinzieht. Ein Buch, das sehr achtsam gelesen werden sollte, denn die Worte der Autorin sind sehr weise und gewichtig und finden fast alle im späteren Verlauf der Geschichte noch einmal Bedeutung. Man sieht sich immer zweimal im Leben. So hoffentlich auch ein weiterer Roman dieser sprachgewaltigen Autorin, deren Sätze ich regelrecht aufgesogen habe, und ich.

Buchinfo:

528 Seiten
22,90 €
Originaltitel: Honour
Übersetzerin: Michaela Grabinger

Drei auf Reisen / David Nicholls



"'Wer redet denn von Einbrechern? Ich sagte, ich habe das Gefühl, unsere Ehe ist am Ende, Douglas. Ich glaube, ich will dich verlassen.'
Eine Weile saß ich stumm auf der Bettkante.
'Na ja, wenigstens sinds keine Einbrecher', sagte ich schließlich, doch keiner von uns lächelte, und beide machten wir in dieser Nacht kein Auge mehr zu."

Connie und Douglas sind über zwanzig Jahre verheiratet, als Connie ihre Befürchtung äußert, sich von Douglas trennen zu wollen. Ihr Sohn Albie wird demnächst ausziehen, seine eigenen Wege gehen. Was hält sie da noch zusammen? Was nützt es an Ereignissen aus der Vergangenheit festzuhalten, wenn eine gemeinsame Zukunft doch so trostlos aussieht?

Vor Albies Auszug will man erst noch mal gemeinsam reisen. Eine "Grand Tour" quer durch Europa. Paris, Madrid, Venedig, Amsterdam und so weiter. Eine Reise, die alle näher bringen soll. Connie und Douglas, aber auch Douglas und Albie, denn Vater und Sohn sind sehr unterschiedlich und nahe waren sie sich noch nie, obwohl Douglas sich doch wirklich um ihn sorgt. Was als Kultur- und Wohlfühltrip geplant war, entwickelt sich schnell zu Party, Tragödie, Missverständnissen, aber auch ganz neuen Erkenntnissen, die am Ende jeder für sich und sein kommendes Leben mitnehmen kann.


"Drei auf Reisen" ist nach "Zwei an einem Tag" das zweite Buch, das ich vom sympathischen britischen Autor David Nicholls gelesen habe. "Zwei an einem Tag" war so erfolgreich, dass es sogar verfilmt wurde. Vergleichbar sind die Bücher auf keinen Fall und doch ist "Drei auf Reisen" wieder ganz wunderbar, noch charismatischer als sein Vorgänger und definitiv ein Garant für schlaflose Nächte, denn einmal begonnen mag man diesen Roman, der sich im Genre "Dramedy" - das man bisher nur aus der Filmbranche kannte (ich zumindest)-, ansiedelt, nicht mehr aus der Hand legen kann.

Was ist das Geheimnis am Erfolg dieses Buches? Es ist wohl der wunderbare Erzählton des Autors, die abenteuerlichen teils witzigen, teils dramatischen Geschichten, die Douglas, Connie und Albie erleben und ganz besonders die Charaktere.

"Tja, ich habe noch genau dieselben Gefühle für sie wie damals, will heißen: sehr starke. Wir hatten so wenig gemeinsam , trotzdem schien sie mehr Esprit, Anmut und Leben in sich zu haben, als alle anderen im dem überfüllten Raum oder überhaupt in meiner damaligen Welt."

Protagonist Douglas, Wissenschaftler, mit solidem, aber auch staubigem Grunddenken ausgestattet, Gefühlsarm und wenn dann finden diese zwar in seinem inneren statt, finden aber selten den Weg nach außen. Genauso wie die richtigen Worte, die ihm nie im passenden Moment einfallen wollen, seiner Frau Connie aber so leicht über die Lippen kommen. Connie war einmal das genaue Gegenteil von ihm. Rebellisch, chaotisch, künstlerisch. Und dennoch hat sie sich damals für ihn entschieden. Eine ganze Weile sind sie gemeinsam ihren Weg gegangen, haben Höhen und Tiefen überstanden, den Tod des ersten Kindes, das sehnsüchtige Warten auf Albie, dessen Pubertät und alle damit zusammenhängenden Einfälle und Eskapaden. Connie ist diejenige die die Familie zusammenhält, sie ist die Brücke zwischen Vater und Sohn, das Verbindungsstück zwischen Douglas' Labor und der realen Welt. Was passiert, wenn sie weggeht?



Mit sehr viel Charme, Herz und Witz hat David Nicholls einen Roman geschrieben über den ich zu sagen wage, dass er den Zeitgeist der Midlife Generation wiederspiegelt: Ein gemeinsamer Lebensweg ist bestritten, die Sorge um die Kinder wird weniger, man hat es geschafft sie einigermaßen oder doch ganz gut aufzuziehen, so dass sie ihren eigenen Weg gehen können. Nun ist man selbst wieder an der Reihe glücklich zu sein, eigene Wünsche und Ziele zu verfolgen, nachdem man jahrelang alles für die Kinder zurückgestellt hat. Eine neu gewonnene Freiheit, die man vielleicht lieber allein bestreiten will. Menschen entwickeln sich in eine gemeinsame Richtung oder eben in verschiedene. Ich glaube kein Paar versucht dies auf so sympathische, witzige, aber doch auch irgendwie traurige Art zu lösen wie Douglas und Connie.

Buchinfo:

KEIN & ABER (Oktober 2014)
544 Seiten
22,90 €
Originaltitel: Us
Übersetzerin: Simone Jakob



[Kurz gesagt] Cassandras Zorn / Joanna Kavenna



"Vielmehr läse sich ein Bestandsverzeichnis von Cassandra Whites Küche etwa so:
Drei angeschlagene Teetassen und eine fleckige Kaffeekane, Überbleibsel eines uralten Teeservice
ein Haufen Schutt
etwas Schimmel
eine doppelläufige Schrotflinte
200 Mäuse
drei Ratten"

Cassandra White, wild, rothaarig, eine Rebellin jenseits der beste Jahre, aber mit ungealtertem Kampfgeist, lebt auf einer Farm im Nordwesten Englands. Ihr Leben ist ökologisch-dynamisch, gegessen wird, was im Garten und im Wald wächst, dazu zählt kein Getreide, denn das ist das Essen der Unterdrücker. Unterdrücker sind Banker und diejenigen, die mit ihren Häusern und ihrer rücksichtslosen Macht die Umwelt zerstören und keinen Blick mehr für Menschlichkeit haben. An Cassandras Seite eine namenlose Assistentin, von Unfruchtbarkeit und Trauer übers Verlassenwerden, in die Einsamkeit getrieben.

Joanna Kavenna schreibt in einem sehr lockeren, fast frechen Umgangston, redet "frei Schnauze", denkt was sie sagt und hat mit ihrem Roman "Cassandras Zorn" scheinbar ihre eigene Fantasie im Kampf gegen Umweltzerstörung und Machtplänkeleien, in einer literarischen Form umgesetzt. Ich kann ihr bei ihren Gedankengängen nicht immer ganz folgen, finde Cassandra skurril, aber irgendwie auch sympathisch, finde aber alles - Schreibe und Inhalt - zu überzogen. Ich finde es gut, wenn man sich für die Umwelt einsetzt, wenn man bewusst lebt und Rücksicht nimmt, aber ich mag es eben nicht wenn es in eine radikale Richtung verläuft. Vielleicht findet der ein oder andere Gefallen an Cassandra und ihrem Kampfgeist, übernimmt etwas von ihrer Lebensweise und fühlt sich von der Autorin verstanden. Mich jedoch konnte sie leider nicht überzeugen.

Buchinfo:


dtv (Mai 2014)
240 Seiten
14,90 €
Übersetzerin: Kathrin Razum

Deutscher Meister / Stephanie Bart



" Und jetzt riss der künftige Führer die geballte Faust aus der Tasche und drohte den Gipfeln: Und eben daher wehrlos gegen das Brecheisen! Der Anhänger erschrak. Das Wort Brecheisen musste ins Buch. Das Buch musste ein geistiges Brecheisen werden. Gleich würde er es diktieren. Die gesamte männliche Jugend des Reichs musste Boxen lernen. Daran führte kein Weg vorbei."

Es ist das Jahr 1933. Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt, bildet das Kabinett Hitler, in dem er Nationalsozialisten und die Deutsche Volkspartei vereint. Faschismus greift um sich, nimmt das deutsche Volk mehr und mehr ein, erlässt neue Gesetze, sortiert, was es zu sortieren gilt. Boxen soll zum Volkssport gemacht werden, klaren Regeln folgen, nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb. Besonders die Auswahl der Boxer ist sehr prekär, denn Zigeuner und Neger vertreiben sich gern die Zeit mit Faustkampf. Einer von ihnen ist Trollmann. Ein Mann aus dem Volk. Ein Mann, der mit Charme, Kampfgeist und Talent das Volk zum Sport hinzieht.

"Koch vertrat die Ansicht, das Zigeunerblut sei zwar wankelmütig, schauspielerhaft und disziplinlos, aber es habe den Urwaldinstinkt des Negers, mit dem man im Ring natürlich besser dastehe als mit der Asphaltkultur der Zivilisation, und es habe eine Zähigkeit, die das natürliche Maß übersteige."

Das Volk wird vom Nationalsozialismus infiltriert. Die Gedankengänge der Nazis, die nur selten nachvollziehbar und oft in sich widersprüchlich sind, breiten sich beharrlich und drängend aus. Wie ein Virus befallen sie die, die für eigene Gedanken nicht fähig sind, sich vom Strom derer mitreißen lassen, die oftmals willkürlich und nach eigenem Interesse entscheiden. Persönliche Fehden und vor allem Stolz spielen dabei eine große Rolle. Perfekt und eindringlich von der Autorin Stepahnie Bart dargestellt durch eine gewisse Ironie, die nicht immer offensichtlich gekennzeichnet, aber doch so deutlich wie die ganze Farce des Nationalsozialismus ist. Sie schreibt mit dem nötigen Ernst und stellt gerade so die Ironie des Nationalsozialismus dar, der für arische Reinheit und Regeln plädiert. Arische Reinheit reine Auslegungssache zugunsten der Nationalsozialistischen Fadenzieher.


"Und ihm war klar, dass sie ihn nur hatten niederschlagen können, weil sie in ihrer Instinkthaftigkeit so kämpften, wie es ihrer Rasse am besten entsprach. Dagegen war eine deutsche, eine arische Kampfesweise noch gar nicht bekannt, und das Buch war ein flammendes Pamphlet, sie zu finden, zu entwickeln und zeigte zugleich den Weg."

Stepanie Bart, die mit "Deutscher Meister" ihr Debüt ablieferte, das bereits den Rheingau Literaturpreis erhielt, benutzt kühle, klare Sätze, häufig so als würde ein Sportreporter berichten, und hebt damit Brutalität, Empörung, Erschöpfung und Ungerechtigkeit gegenüber Trollmann, dem Volk, seinen Fans, deutlich hervor. Diesen nicht bewusst, was der Nationalsozialismus jetzt und in Zukunft bedeuten wird. Wie gefährlich es ist, wenn abstruse Denkweisen zu perfiden Handlungen führen und ein ganzes Volk dazu gezwungen wird dem zu folgen oder noch schlimmer: aus freien Stücken hinterherläuft.

"Trollmann lachte. Dann teilte er seine Stirn durch eine scharfe Senkrechtfalte und drohte mit rollendem R und schnarrender Stimme: 'Wir wärdn Adolf onnnärrrbättlich austanzännn! Wir wärdn rröcksächtslos Gebrauch machn von onsäräm nääägärhaftn Zägeunärinstinkt!' "

Mit kleinen Details und Charakterigenschaften der Figuren, macht sie Haupt- und Nebendarsteller zu realistischen. lebendigen Personen, die menschlich wirken. Damit stellt Stephanie Bart den Irrsinn dem sie folgen in genau das groteske Licht, das er verdient hat. Ihr Roman "Deutscher Meister" stellt eine mir ganz neue literarische Sicht auf den Nationalsozialismus dar. Noch nie hat mich ein Roman zu diesem Thema gleichfalls so gut unterhalten und eben doch schockiert, denn all das was im Jahr 1933 noch mit einem Lächeln abgetan wurde, noch nicht in vollem Umfang absehbar und einzuschätzen war, nimmt nur kurze Zeit später ein ungeahntes Ausmaß an und kostet über 65 Millionen Menschen das Leben. Eine Tatsache, die einfach nie in Vergessenheit geraten darf und von Stephanie Bart nun noch einmal deutlich, ohne zu Belehren, dargestellt wird.

"Fest stand nur: Trollmann war ein Problem insofern, als der Titel des Deutschen Meisters eine Auszeichnung war, die verpflichtet! Man musste eine gewisse Persönlichkeit mitbringen, um dieser Auszeichnung würdig zu sein. Als Deutscher Meister repräsentierte man das deutsche Boxen als solches. Es ging um die nationale Ehre. Syphilis und Verrat gehörten dazu, nicht dazu gehörte Sinto."

Buchinfo:


Hoffmann und Campe (August 2014)
384 Seiten 
22,00 €






Zebrawald / Adina Rishe Gerwitz



"Und so lauteten meine echten Wünsche:
1. Größer werden
2. Ein Abenteuer erleben
3. Meinem Vater begegnen"

Annie und Rew leben gemeinsam mit ihrer Großmutter zurückgezogen am Rande des Zebrawaldes, einem Wald voller Birken, deren Anblick ein schwarz-weiß Gitter ergibt, das sie somit auch optisch und nicht nur räumlich vom nahe gelegenen Gefängnis trennt. Annie sorgt meistens für die drei, die im Laufe der Zeit eine eingeschworene Gemeinschaft geworden sind, ganz ohne Vater und Mutter, und einer Gran, die mit ihren ganz eigenen Schatten zu kämpfen hat.

"Ich schaute die Treppe hinauf zu Grans geschlossener Schlafzimmertür. Und mir wurde klar, dass Gran uns immer die Wahrheit gesagt hatte. Sie hatte immer behauptet, eine gute Lügnerin zu sein. Aber bis zu dieser Nacht hatte ich keine Ahnung davon gehabt, wie gut sie wirklich war. Wie gut sie wirklich lügen konnte."

Der Zebrawald ist scheinbar nicht Schutz genug, den parallel zu den Geiseln im Irak, werden auch Annie, Rew und Gran zu Geiseln, denn im Gefängnis ist eine Revolte ausgebrochen und mehrere Gefangene sind entflohen. Einer von ihnen ist ganz unverhofft im kleinen Häuschen am Waldrand aufgetaucht. Die Idylle, die Blase aus selbstgebauter Wirklichkeit und aus der Situation heraus entstandener Fähigkeiten das etwas andere Leben so gut wie möglich zu meistern, droht zu zerplatzen. Der Gefangene hat ein dunkles Geheimnis. Und das ist eng mit dem Leben von Annie, Rew und Gran verknüpft.



"Ich stand neben ihm, den Blick dem Zebrawald zugewandt, und fragte mich, wo Gran, die jede Zeitschrift behielt, die sie jemals gekauft hatte, die Bilder ihres Ehemanns vergraben hatte, meines Großvaters, des Mannes, den sie leidenschaftlich geliebt hatte."

Adina Rishe Gerwitz, freischaffende Journalistin und Mutter von fünf Kindern, hat ein sehr starkes Debüt geschaffen, das unglaublich realitätsnah wirkt und den Leser zutiefst berührt. Rew und Annie leben bei ihrer Großmutter, die ihr bestes versucht den Kindern Ersatz ihrer Eltern zu sein. Von der Mutter sind sie abgelehnt und zurückgelassen worden, der Vater ist verstorben, getötet von einem bösen Mann. Nicht nur die Großmutter sondern auch die Kinder bauen sich eine eigene Realität, in der das Leben einfacher ist, in der die Vergangenheit leichter zu ertragen ist. Gran hält das nicht immer aus. Die Last der Lügen ist schwer zu tragen und doch muss sie einfach stark sein. Unter diesen Umständen eine Identität zu entwickeln ist nicht leicht für die beiden Kinder. Zum einen Elternteil gibt es keinerlei Anhaltspunkte, das andere hat sich abgewendet. Wie soll man es als Kind da nur schaffen mit starkem Charakter aufzuwachsen? Alles nicht einfach und doch zeigen uns Annie und Rew, dass es sich lohnt zu kämpfen, dass man der Vergangenheit die Stirn bieten kann und dass man sich seine Schwächen eingestehen muss, um eigene Stärke daraus zu entwickeln.

"Zebrawald" ist ein sehr schlaues, bewegendes Buch mit einem ganz eigenen, wunderbaren Charakter. Autorin Adina Rishe Gerwitz verfügt über eine kraftvolle Schreibe, die sie mit leicht verständlicher Sprache ausdrückt, so dass dieser Roman von Lesern ab 10 Jahre gut verstanden werden, und auch einfach als Abenteuerroman gelesen werden kann. Untergründig versteckt sie noch ganz viel, mit dem die Autorin bewusst auch Leser einer höheren Altersklasse anspricht. Ich finde, dass der Roman unbedingt von Erwachsenen gelesen werden sollte, denn er erweitert den Horizont, hat eine Perspektive, die zum Nachdenken anregt und ist zudem äußerst herzig.

Buchinfo:


cbt (August 2014)
256 Seiten
14,99 €
Originaltitel: Zebra Forest
Übersetzerin: Alexandra Ernst

[Reiseproviant] #2

Ihr Lieben,
zum zweiten Mal möchte ich euch zur neuen Rubrik [Reiseproviant] begrüßen. Wer noch nicht weiß worum es geht, kann das hier nachlesen.

Bücherproviant:




"Deutscher Meister" von Stephanie Bart
spielt im Jahr 1933 und dreht sich um das Leben des Boxers Johann Rukeli Trollmann, der als Sinto eine Boxlegende wurde, dem seine Karriere jedoch unter dem Machtregime der Nationalsozialisten zum Verhängnis wurde.
Ich habe schon so viele begeisterte Stimmen zum Buch gehört, denen ich mich nun einfach nicht mehr entziehen kann. Mara von Buzzaldrins Bücher hat mir den Roman ans Herz gelegt, da er für Bixfans ein absolutes Muss ist, aber auch Leser gefallen wird, die nichts für den Sport übrig haben. 

"Cassandras Zorn" von Joanna Kavenna
hat das denkbar hässlichste Cover, das ich jemals gesehen habe. (Wie gefällt es euch?)
Dennoch lockt mich insbesondere Protagonistin Cassandra, die als "wild, rothaarig und schön" beschrieben wird, an. Ich hoffe auf eine interessante Story mit einer Hauptfigur, die ein bisschen was von Pippi Langstrumpf hat, und mit Mut und eigenen Ideen für Stimmung sorgt.

"Über uns das Meer" von Sabine Giebken
habe ich als Überraschungspost vom Magellan Verlag bekommen. Ein paar Tage später traf dann noch eine mysteriöse Urlaubskarte bei mir ein, die scheinbar von der Protagonistin dieses optisch wirklich schönen Jugendromans, geschrieben wurde. Das Meer ist nicht gerade mein favorisiertes Setting. Wer mich kennt, weiß, dass ich da gewisse Ängste inklusive einer Fischphobie habe (auf dem Teller mag ich sie aber sehr gern). Da aber auch das Buch so viele begeisterte Leser hat und meine liebe Tine so ein schönes Zitat daraus gepostet hat, das auf eine tolle Schreibe hoffen lässt, werde ich meine Scheu überwinden und mich ganz mutig ins Meer stürzen.

Lebensreise:


gegönnt: für mich hat die Woche nicht
so prickelnd begonnen...zuerst hab ich
mir einen Magen- und Darmvirus eingefangen,
dann habe ich eine Kehlkopfentzündung bekommen.
Ganz viel Ruhe hilft am besten. Also habe ich mir (so weit es ging)
Lesezeit und Schlaf gegönnt.

gefreut: eeeeendlich ist mir ein Hefeteig
gelungen. Daraus wollte ich eigentlich
Marzipan Kirsch Schnecken machen, wofür man aber Geduld braucht,
die ich nicht habe ^^ Also ist es ein Marzipan Hefe Kirsch Irgendwas
geworden, das total lecker schmeckt :D

gekocht: Pizzasuppe für die Jungs, die
so fleißig daran arbeiten, das unser Haus
immer wohnlicher wird.


Welche der Bücher von meinem Wochenstapel kennt ihr? Welche möchtet ihr noch lesen? Welche könnt ihr empfehlen / abraten?
Was war euer Highlight der Woche? Worüber habt ihr euch besonders gefreut? Was hat euch besonders lecker geschmeckt?
Ich wünsche euch allen eine ganz wundervolle Woche, in der es ja nun morgens wieder heller ist und abends wieder mehr Lesezeit für uns übrig ist. Lasst es euch gut gehen und genießt jeden einzelnen Tag :)

Wenn das Leben wie Schokolade schmeckt / Jane Elson



"Ich, Grace Wilson, wohnhaft Manderley Road 22, Stadtteil Southgate, Nord London, spüre genau, dass sich mein Leben jetzt wo ich mein Alter mit zwei Zahlen schreiben muss, für immer verändert hat."

Graces Leben steht Kopf. Ihre Mutter hat einen Knoten unterm Arm, ihre Eltern streiten sich viel und der Papa, der eh nie Zeit hat, zieht aus. Zu allem Überfluss muss Mama auch noch ins Krankenhaus, denn so ein Knoten kommt zwar von allein, geht aber nicht von selbst und muss deshalb weggeschnitten werden. Da Grace noch zu jung ist, um für sich selbst zu sorgen und Mama sich wirklich schonen muss, soll Grace zu ihrem Großvater ziehen. Einem alten Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hat.

" 'Dein Opa ist kein schlechter Mensch', flüsterte sie. 'Er ist ein ängstlicher Mensch. Er fürchtet sich vor Freude und Gelächter. [...]' "

Ziemlich griesgrämig ist er, der Großvater. Lacht selten und verbietet Dinge, die Spaß machen. In der neuen Schule ist es auch ziemlich doof, denn dort versteht man nicht ihre Sorge um Mama und die anderen Kinder hänseln Grace. Vor allem, weil sie ihre Zeit immer mit dem Nachbarsmädchen Megan verbringt, das Zuhause ein zahmes Schweinchen namens Claude hat und in roten Gummistiefeln zur Schule kommt. Dabei ist Megan die einzige, die sich Zeit für sie nimmt und immer zu ihr hält. Sie haben sich Blutschwesternschaft geschworen, was bedeutet, dass sie allerbeste Freunde auf Lebenszeit sind. Doch befreundet sein ist gar nicht so leicht, wie man immer denkt.

"Dann stand auch Megan auf, und alles Weitere schien sich in Zeitlupe abzuspielen: Sie machte einen Schritt rückwärts, rutschte aus und fiel in den Schweineeimer, wobei sie aller Welt ihre roten Unterhosen präsentierte. Ich machte mir vor Lachen beinahe in die Hosen.
In diesem Augenblick war mir klar, dass Megan meine beste Freundin auf der ganzen Welt war."

Jane Elson hat mit "Wenn das Leben wie Schokolade schmeckt" einen sehr netten Roman geschrieben, der auf ein Zielpublikum von Kindern ab 9 Jahren ausgelegt ist. Mit sehr sympathischen Figuren, einer besten Freundin, wie sie jeder gebrauchen kann, und witzigen, aber auch berührenden Szenen, ist es Jane Elson gelungen ihre Leser zu den Themen Freundschaft, Familie und Krebs anzusprechen und mitzunehmen. Ohne zu belehren zeigt sie, wie wichtig es ist hinter die Fassade eines Menschen zu blicken. Dass nicht nur die Optik zählt, sondern wie ein Mensch in seinem Herzen ist. Und dass Vergebung bedeutet eine zweite Chance einzuräumen. Ein toller Titel und ein sehr schönes Cover, das den Geist des Romans wunderbar wiederspiegelt, runden das Gesamtpaket an guter Unterhaltung ab. Sicher keine sehr anspruchsvolle, aber definitiv ansprechende und herzliche Lektüre.

Buchinfo:


cbj (September 2014)
Hardcover
240 Seiten
10,99 €
Originaltitel: A Room Full Of Chocolate
Übersetzerin: Bettina Obrecht

Der Club der Traumtänzer / Andreas Izquierdo



" 'Sie unterschätzen ihre Fähigkeiten, Gabor. Sie können etwas bewirken. Seien sie ihr Held, und Sie werden sehen, dass Sie das Schicksal der Kinder verändern können.' "

Gabor, der Tangotänzer, der Verführer, der Mann mit dem badabing! Ehrgeizig und zielstrebig auf seinem Weg nach oben. Das große Geld verdienen, Angesehen sein, Mitstreitern den Rang abspenstig machen. Sollte dies alles gelungen sein, ist Gabor glücklich. Oder etwa nicht? Benötigt man denn noch mehr zum glücklich sein? Und wann hat er überhaupt verlernt wie das geht? Oder ist er einfach noch nie glücklich gewesen? Wie sehr hat man sein Glück selbst in der Hand? Wie abhängig ist man darin von seinen Mitmenschen, seiner Familie?

"Gabor lächelte. Er mochte Vinnie. Eine große Klappe und immer mit dem Kopf voran. Selbstverständlich ohne Helm."

Eine Verkettung unglücklicher oder vielleicht auch glücklicher Umstände führt dazu, dass Gabor in den Fängen von Kathrin Bendig landet. Die resolute Dame ist Leiterin einer Förderschule und außerdem ziemlich fähig im Lesen von menschlichen Auren. Gabors ist düster und so sieht sie sich dazu gezwungen ihm zu seinem Glück zu verhelfen. Gabor hingegen ist völlig entsetzt, als Kathrin ihn dafür engagieren möchte eine Truppe bleicher, bewegungsgehemmter und verstörter Förderschüler im Tanzen zu unterrichten. Freiwillig möchte er dies nicht tun, doch Kathrin erpresst ihn auf unerhörte Weise und so bleibt ihm nichts anderes übrig als sich seinem Schicksal zu ergeben und von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Der Weg zum Glück ist nun mal steinig und beschwerlich.



"Und diesmal würde sie nicht mehr darauf vertrauen, das Richtige zu tun. Sie würde gar nichts tun. Denn es war besser, niemandem zu vertrauen. Nicht mal sich selbst."

Wie ein Blitz bin ich durch "Der Club der Traumtänzer", den neusten Roman des sympathischen Autors Andreas Izquierdo, geschossen. Kaum in der Lage das Buch überhaupt aus den Händen zu legen, emotional völlig aufgewühlt, die Augen mit Tränen gefüllt, die sich nicht mehr unterteilen lassen in Tränen der Trauer oder des Lachens. Ist es nicht wundervoll, wenn ein Buch den Leser durch ein Emotionskarussell aus Freude, Rührung, Mitleid und Glück schickt? Wenn es sich so den Weg zum Leserherz bahnt und sich dort ganz fest einzunisten mit all seiner Schläue, schönen Worten, Witz und Tiefgründigkeit?


"Diese Angst, die ihre Fühler überallhin ausstreckte, vor der du dich nicht verstecken konntest, weil sie jedes Versteck kannte."

Andreas Izquierdo hat einen ganz wundervollen Roman gezaubert. Einen Roman, der nicht nur vom Glück handelt, sondern mich trotz vieler, vieler Tränen der Rührung auch sehr glücklich gemacht hat. Der zeigt wie gut es ist, wenn man sich die Zeit nimmt hinter eine Fassade zu blicken, wie wichtig es ist zuzuhören und wie viel wir von Kindern lernen können. Ein Roman der entzückt und begeistert mit Charakteren, die wirklich keine einfache Vergangenheit haben, die jedoch lernen mutig und stark der Gegenwart ins Auge zu blicken und die Zukunft mit all ihren Facetten auf sich zukommen zu lassen. Gabor der Frauenheld hat es geschafft auch mich zu verführen, mit all seinem Charme, seiner Authentizität, seinem Witz und seinem Herz, das zunächst unter viel Schutt begraben liegt und für so viel Gänsehaut sorgt. Für mich ist "Der Club der Traumtänzer" definitiv nicht nur optisch eins der schönsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe und ich kann es nur jedem, wirklich jedem, ans Herz legen!

Buchinfo:


Dumont (Oktober 2014)
448 Seiten
9,99 €





Anders / Andreas Steinhöfel



" 'Aber es tut gut, mal wieder mit einem Kind zu tun zu haben. Ich hatte ganz vergessen, wie hell ihr seid. Das Licht im Dunkel der Welt.Wirklich, so ist es, ihr strebt der Zukunft als Flammen entgegen: voller Hoffnung, mit dem Glauben an Veränderung.[...]' "

ANDERS heißt eigentlich gar nicht ANDERS, sondern Felix Winter. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist es dazu gekommen, dass Felix ins Koma fiel. 263 Tage lang. Genau so lange, wie seine Mutter mit ihm schwanger war. Aus solch einem langen Koma zu erwachen ist ja auch eine Art Geburt. Felix kann sich an nichts mehr aus der Zeit vor seiner Kopfverletzung erinnern. Und  irgendwie verhält er sich seitdem sonderbar. ANDERS eben.

"Fast jeder Mensch, da machte sie selber bestimmt keine Ausnahme, war in irgendwelche Zwänge eingebunden, wurde von inneren und äußeren Einflüssen bestimmt, die sich seinem Willen und seinem Zutun entzogen. Aber wer zwischen vollmundig und malzig lebte, der lebte unmöglich wirklich."

Er ist sehr viel sensibler geworden. Kann scheinbar in seine Mitmenschen hineinblicken, ihre Gefühle viel feiner wahrnehmen. Eine Sensibilität, die man Kindern nicht zwangsläufig abspricht und die auf dem Weg zum Erwachsen werden oftmals verloren geht. Autor Andreas Steinhöfel spielt in seinem neusten Roman "ANDERS" mit diesem Thema, gibt ihm einen Hauch sagenhaftes, mystisches, lässt den Gedanken, dass ein Kind aufgrund seiner Betrachtungsweise der Dinge, Menschen und Gefühle oftmals eine ganz andere Wahrnehmung hat, aber auch sehr real erscheinen. Eine Gedankenreise, auf der ich ihm nur allzu gerne folge.



"Sie sind nur zwei Jungen in einem Baum, und mal fällt Licht auf ihre Gesichter, mal Schatten."

Licht und Schatten, damit lässt es sich gut spielen. Im Schatten sehen viele Dinge ANDERS aus, als im Licht betrachtet. Jeder Mensch hat eine Schattenseite. Bei manchen ist sie größer als bei anderen, bei manchen tritt sie stärker zum Vorschein als bei anderen. Bestimmt werden diese Schattenseiten durch Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben. Eine Dynamik, die sich durch jedes Leben hindurchzieht und uns mal mehr mal weniger auf die Schattenseiten des Lebens zieht. Auch die Menschen in ANDERS Umgebung erleben gute wie schlechte Dinge. Vergessen dabei die wichtigen Feinheiten des Lebens im Blick zu halten: die Menschen, die man gern hat, Freundschaft, Liebe und Glück. Und manchmal muss erst etwas ANDERS werden, bevor man den Blick wieder auf wirklich Wichtiges richten kann.

" '[...] Klingt Herzschlag anders, wenn man verliebt ist?' "

"ANDERS" ist mein erster Roman des preisgekrönten Autors Andreas Steinhöfel (ganz gewiss nicht mein letzter), der mich begeistern konnte, indem er mich einfach da abgeholt hat, wo ich stehe. Der mit wunderschönen Worten eine Geschichte erschaffen hat, deren Held zwischen Licht und Schatten lebt und dementsprechend wechselhaft auch Sympathien bei mir erringen, mich aber dennoch auf eine besondere Art mitnehmen konnte. "ANDERS" ist ein wunderbarer Roman, der eben ANDERS ist, der oberflächlich gelesen eine spannende Geschichte beinhaltet, die tiefgründig so viel Wahres enthält. Vom Königskinder Verlag so wunderschön schlicht und eindringlich in Szene gesetzt. Passend und verdient, hebt sich der Roman damit aus einer breiten Masse von Kinder- und Jugendbüchern ab.

Buchinfo:


Königskinder Verlag (Oktober 2014)
240 Seiten
16,90 €
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren




[Reiseproviant] Neue Rubrik

Ihr Lieben,

im Frühjahr habe ich ja eigentlich begonnen an der Aktion "SuB am Samstag" (eine Idee von der lieben Petzie und der lieben Frau Hauptsachebunt) teilzunehmen. Diese läuft eigentlich so ab, dass man drei Bücher aus seinem SuB zur Auswahl zeigt und sich dann entscheidet, eins davon zu lesen. Diese Aktion hatte ich so ein bisschen umgemünzt, damit sie zu meinen Vorstellungen passt. Ich suche mir jedes Wochenende drei Bücher raus, die ich vorstelle und in der darauffolgenden Woche lese (zumindest versuche ich es ...). Relativ zeitgleich habe ich mein Geplauder am Sonntag eingestellt. Nun fehlt mir aber doch hin und wieder ein bisschen Geplauder neben den Rezensionen, weshalb ich eine neue Rubrik einführen möchte, die den Lesestapel und private Einblicke, die zum plaudern anregen, vereint. [Reiseproviant] soll sie heißen, denn ich finde der Satz "Lesen ist wie reisen" ist so wahr und drückt das aus, was ich beim Lesen oft empfinde. Auch zu den privaten Dingen, die in den Post mit einfließen werden, passt die Beschreibung "Reiseproviant". Der Lebensweg ist eine Reise mit vielen verschiedenen Stationen. Man lernt neue Menschen kennen, verliert alte Bekannte, entwickelt sich, nimmt neue Erkenntnisse in sich auf. "Wer still steht, steht fest" (Zitat aus einem Buch, das ich irgendwann gelesen habe. Ich versuche noch herauszufinden aus welchem). Der Abschnitt "Lebensreise" ist angelehnt an die Aktion "Positiv gedacht" vom Blog "Willkommen im Bücherkaffee"


 

Bücherproviant:


Auf meinem Stapel seht ihr drei Bücher, auf die ich mich schon sehr freue. "Anders" von Andreas Steinhöfel ist gerade erst im Königskinderverlag, dem neuen Ableger des Carlsen Verlags, erschienen. Der neue Roman des preisgekrönten Autors verspricht die rührende Geschichte eines Jungen, der aus dem Koma erwacht und sich an nichts mehr erinnert. Nicht nur Inhalt, sondern auch Cover finde ich sehr ansprechend und ich gestehe: ich hab schon reingelinst ;)
Buch Nummer zwei ist eigentlich eher ein Kinderbuch. Wird vom Verlag cbj, der auf ein jüngeres Publikum abgestimmt ist, ab einem Alter von 9 Jahren empfohlen. "Wenn das Leben nach Schokolade schmeckt" lautet der schöne Titel dieses Romans von Jane Elson, der auf dem Land spielt und mit schrulligen Charakteren und einem zahmen Schweinchen wie für mich geschaffen zu sein scheint :)
Das dritte Buch im Bunde ist auch eine ganz frische Neuerscheinung. "Der Club der Traumtänzer" vom sympathischen Autor Andreas Izquierdo, dem ich letzte Woche auf der Buchmesse die Hand schütteln durfte, und dessen Bücher so viele gute Kritiken bekommen haben, begeistert mich ja von vornherein mit einem tollen Cover. Zum Inhalt steht auf der Verlagsseite von Dumont "Ein Mistkerl entdeckt sein Herz". Perfekt für den Wochenstart, oder?

Kennt ihr eins der drei Bücher? Welches möchtet ihr auch unbedingt noch lesen? Habt ihr schon andere Bücher der Autoren gelesen? Wie haben sie euch gefallen?



Lebensreise:


gelesen: das aktuelle Büchermagazin

gesehen: neue Staffel
Grey's Anatomy

gehört: extreeeem spannend!!
Die Autorin steigert sich im 3. Band der
"Luna Chroniken" schon wieder!!

gekocht: Herbst in der Pfanne
(Kürbis, Möhre, Pilze, mit Camembert
überbackener Rotbarsch <3)
gefreut: einen 3 stündigen Wanderritt
mit Emma, Lena und El Sombre
(v. links n. rechts)


gegönnt: einen schöner Strauß
dunkelroter Geranien
geschafft: super gute
Trainingsfortschritte mit Emma,
die Kraft und Kondition
verbessert hat, super lieb
und einfach traumhaft zu
reiten ist.


Euch allen einen wunderschönen Sonntag und eine gute, nicht allzu stressige und lesereiche Woche :)



In deinem Licht und Schatten / Louisa Reid

In deinem Licht und Schatten
 
"Alles, was Hephzi wusste, war, dass es schmutzig war. Es war schmutzig, und wir durften es nicht tun, wenn wir nicht in die Hölle kommen wollten. Mit der Periode war es dasselbe. Es war der Teufel in uns, der uns jeden Monat bluten ließ. Das Blut war das Zeichen des Teufels in uns, der uns jeden Monat bluten ließ. Das Blut war das Zeichen des Teufels, dass uns daran erinnern sollte - wie mein Gesicht -, wie verdorben wir waren."

Hephzi und Rebecca sind Zwillinge. Oder besser gesagt sie waren es. Denn nun ist Hephzi gestorben. Hephzi, die Schöne, die Mutige, in deren Schatten sich Rebecca immer verstecken konnte. In deren Schatten sie lebte, obwohl dieses Leben sich eher anfühlte, als sei auch sie schon lange leblos.

"Ich dachte, wir würden endlich frische Luft atmen können, wenn wir nicht länger dem giftigen Pfad aus Mutters Gehässigkeit folgen mussten. Ich sehnte mich nach Freiheit, aber die Vorstellung, auf die Schule zu gehen, machte mich auch nervös. Regelmäßig aus dem Haus herauszukommen wäre wunderbar, aber trotzdem war ich unruhig."

Der Vater Pfarrer. Fanatischer Verfechter seiner Vorstellung von Glauben. Nach außen ganz der feine Mann, der sich für andere aufopfert. Zuhause ein Tyrann, ein Dämon, der seine eigenen Kinder verschluckt. Besonders Rebecca, die wegen des Treacher-Collin-Syndroms verformte Gesichtsknochen hat, die Teufelsbrut, die in den Augen des Vaters so hässlich ist, dass nicht mal Gott in der Lage ist sie zu lieben, bekommt die Härte extremer Glaubensdarstellungen mit voller Wucht zu spüren. Die Mutter schaut zu. Oder weg. Wie man's nimmt. Deckelt das, was hinter verschlossen Türen geschieht, was hinter vorgehaltener Hand vermutet wird.

"Er kniff mich brutal in den Nacken, als er mich ins Haus schob. Aus der Ferne würde es so aussehen wie eine liebevolle Berührung. Niemand würde den Bluterguss unter meinen Haaren sehen."

Louisa Reid hat sich in ihrem Debüt einem Thema angenommen, das aus der Realität gegriffen ist. Kinder, die unter dem Fanatismus ihrer Eltern leiden. Die von ihnen misshandelt werden. Von ihnen unterdrückt, geschlagen und abgelehnt werden. Kinder, deren Bedürfnisse nicht gesehen werden. Hephzi und Rebecca dürfen bis zum 16. Lebensjahr keine Schule besuchen. Sie werden Zuhause unterrichtet, wobei sich die Mühe nur bei einer von beiden lohnt. Die andere taugt nichts, kann nichts, ist nichts. Grundlegende Bedürfnisse in den Bereichen Ernährung, soziale Kontakte und Liebe und Zuneigung von wichtigen Bezugspersonen werden ihnen verwehrt. Solch eine Erziehung führt dazu, dass Kinder nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verkümmern. Im Fall der Zwillinge kommt nocht dazu, dass der Vater gewalttätig ist. Unter Alkoholeinfluss steigen diese impulsgesteuerten Ausbrüche. Die Autorin deutet viel an, beschreibt einige Handlungen und entwirft somit ein brutales Umfeld, dessen wirkliche Härte der Leser nur erahnen kann.

"Sein eigener Dämon verfolgt mich noch immer in meinen Träumen , un dich wehre mich schreiend, während er an mir zieht und zerrt und mich zerreißt."

Mit 16 gehen beide dann endlich in eine Schule. Sie dürfen tatsächlich ihren Abschluss dort machen. Wenn sie es denn schaffen. Wenn man niemanden hat, der einem etwas zutraut, Mut macht, wie soll man dann selbst an sich glauben? Endlich ein anderes Umfeld als Kirche, in der man den Vater als guten Hirten der Gemeinschaft ansieht. Endlich Menschen, denen auffällt, dass irgendetwas mit den Mädchen möglicherweise nicht stimmt. Doch laut belegter Statistik benötigt ein Kind / Jugendlicher sieben Menschen, um gehört zu werden. Es müssen zuerst sieben Menschen angesprochen werden, bis sich etwas bewegt. Bis man hilft, den Mut fasst etwas eingehender zu betrachten, anzusprechen und Hilfe zu organisieren.

"Ich war erst dreizehn und hatte so viel Angst vor ihm. Mein Herz war grün und blau geschlagen."

Louisa Reid hat einen sehr bewegenden Roman geschrieben, der von einem wirklich ernsten Thema handelt. So bedrückend, dass ich das Buch manchmal zur Seite legen musste, um Luft zu holen, wieder Energie zu schöpfen, um durchzuhalten, was zwei Mädchen schon ein ganzen junges Leben lang ertragen müssen. Und eben das ist wichtig. Dass man sich nicht direkt abwendet, dass man ein Auge darauf hat, dass Leid geschieht und dass man in der Lage ist zu helfen und zu unterstützen. Was Louisa Reid in ihrem Buch beschreibt ist so und so ähnlich leider kein Einzelfall. Und auch, wenn nicht alle Wunden heilen können, gibt es die Möglichkeit Narben wachsen zu lassen.

Buchinfo:

Fischer FJB (September 2014)
Hardcover mit Schutzumschlag
320 Seiten
16,99 €
Übersetzerin: Alexandra Ernst
 

 

Film zum Thema:

 
Im Falle eines Verdachts auf Kindesmisshandlung, körperliche oder seelische Verwahrlosung bietet Ihnen jedes Jugendamt (Allgemeiner Sozialer Dienst) die Möglichkeit sich beraten zu lassen. Sie müssen dafür weder Ihren eigenen Namen, noch den der Familie nennen. Sie haben die Möglichkeit sich Tipps zum Umgang mit der Situation oder auch Unterstützung zu holen.
 


Letztendlich sind wir dem Universum egal / David Levithan

Letztendlich sind wir dem Universum egal

"Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich - so viel weiß ich - und zugleich jemand anders. Das war schon immer so."

 A ist ... ja was ist er eigentlich? Er ist anders. Er ist besonders. Er hat keinen eigenen Körper. Aber eine Seele. Die ist männlich. Und verliebt sich.

"Ihre Verletzlichkeit ist mit Händen zu greifen, aber sie fühlt sich sicher darin. Ich sehe, wie ihr Körper sich hebt und senkt, sich rührt und ruht.

A wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf. Warum das so ist weiß er nicht, aber das ist schon immer so. Seit er zurückdenken kann. Dabei hat er sich altersmäßig schon weiterentwickelt. Früher ist er schon mal im Körper eines Kindes aufgewacht. Jetzt ist er im jugendlichen Alter. Das Geschlecht seiner Hülle wechselt. Mal ist er Junge, mal Mädchen. Bisher hat ihn das nicht gestört, denn das einzige was er im Körper gemacht hat ist so unauffällig wie möglich den Tag rumzubringen ohne aufzufallen oder Spuren zu hinterlassen.

"Wenn man nach seiner selbstdefinierten Wahrheit leben will, muss man sie erst mal finden, und das ist ein anfänglich schmerzlicher, letztlich aber wohltuender Prozess."

An Tag 5994 wacht er in Justins Körper auf, der ihm eigentlich ein bisschen unsympathisch ist. Doch auch Justin hat eine gute Seite und die heißt Rhiannon. Wie ein Blitz durchzuckt es A, als er Rhiannon begegnet, nicht gewohnt, eigene Gefühle zu haben, da er diese sonst immer von dem Menschen übernimmt, in dessen Körper er gerade steckt. Nachdem er einen wunderschönen Tag mit Rhinannon - im Körper ihres Freundes - verbracht hat, weiß er genau: Rhiannon ist grandios. Sie ist wunderbar und er muss sie wiedersehen. Nur wie, wenn er nicht weiß wo er am nächsten Tag aufwacht. Ob er Mädchen oder Junge sein wird. Wenn er nicht mal weiß, wer er ist, wie soll er ihr dann erklären wer er ist?

"Die Zärtlichkeit zwischen zwei Menschen lässt manchmal alles zart und sanft erscheinen, die Luft, den Raum, ja selbst die Zeit."

David Levithan, Garant für gute und tiefgründige Jugendliteratur. In "Letztendlich sind wir dem Universum egal" kommt er nun mit einer ganz neuen, wirklich grandiosen Idee. Eine Seele, die wandert. Eine Seele, die ruhelos ist. Eine von vielen. Ein kleiner Fisch im großen Meer. Dem Universum ist egal, was mit ihr geschieht. Wo sie landet. Wo und ob sie ein "Zuhause" findet. Kann man überhaupt in solch einer Ruhelosigkeit leben? Brauchen wir nicht alle etwas, das dafür sorgt, dass wir mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Einen Anker, der uns fest im Leben hält?

"Die Beständigkeit der Liebe betrachten die Menschen als ebenso verständlich wie die Beständigkeit ihres Körpers. Ihnen ist nicht klar, dass die Liebe von der permanenten Gegenwart lebt. Ist das gegeben, hat man ein zusätzliches Fundament im Leben. Wenn man das aber nicht haben kann, bleibt einem immer nur das eine Fundament."

Levithan spielt mit verschiedenen Ideen. Eine Rolle spielt die Idee der Wiederkehr, des immer selben Rhytmus' in einer immer wechselnden, nicht einschätzbaren Raumkonstellation. Es ist eine große Nachdenklichkeit darüber zu erkennen, ob es Seele und Körper gibt, ob der Mensch aus zwei Teilen besteht und wie nah die beiden zusammenhängen, wie sehr sie aneinander gebunden sind. Wie achtsam man sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen umgehen sollte. Und in wie weit wir alle eigenverantwortlich handeln. Verflochten werden alle diese interessanten Gedankengänge in einer ganz besonderen Liebesgeschichte, die mit einer perfekt abgestimmten lockeren Schreibe und spannenden Handlungssträngen zu einem der Lesehighlights des Jahres abgerundet wird. Nicht nur für die Zielgruppe der jugendlichen Leser ansprechende, sondern auch für ein erwachsenes Publikum wirklich interessante und sprachlich wunderbar nachdenkliche, sanft und trotzdem eindringliche Lektüre.

"Das ist die Fallschlinge, wenn man etwas hat, wofür man lebt: Alles andere kommt einem leblos vor."
 

Buchinfo:

Fischer FJB (2014)
Hardcover mit Schutzumschlag
400 Seiten
16,99 €
Übersetzerin: Martina Tichy
 


Levithan auf Fantasie und Träumerei:

"Will & Will" (gemeinsam mit John Green)
"Dash und Lilys Winterwunder" (gemeinsam mit Rachel Cohn)

[Geplauder] Frankfurter Buchmesse 2014

Sicher habt ihr nun schon etliche Messeberichte gelesen und seid eigentlichtich schon genervt davon. Trotzdem möchte auch ich noch ein wenig von meinem tollen Tag berichten. Ich verspreche auch, dass ich mich kurz halte, auch wenn mir das sicher schwer fällt ;)

Wie viele andere auch, bin ich nicht allein zur Messe gefahren, sondern gemeinsam mit buchbegeisterten Freundinnen. Das waren in diesem Fall Tine von Lesemomente und Sarah von Pinkfisch. Während Tine schon seit Freitag bei mir Zuhause war, haben wir Sarah am Messemorgen beim Agora Lesezelt getroffen. Als Buchhändlerin war sie schon mittwohcs dort gewesen und hat uns mit ihrem guten Orientierungssinn durch die Hallen gelotst, hin zu ein paar der interessantesten Stände, bevor wir um 10 ins Agora Lesezelt marschiert sind, um dort die Veranstaltung zur Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises zu besuchen.



Vorab gab es auf hier und bei Lesemomente schon einen Bericht und unsere Meinungen zu den nominierten Büchern. Tine und ich haben uns sehr darüber gefreut, dass unsere Favoriten "Wunder" (Preis Jugendjury) und "Wie ein unsichtbares Band" (Preis Jugendbuch) gewonnen haben. Autorin Inés Garland war extra aus Argentinien angereist, um den Preis entgegen und an der Veranstaltung teilzunehmen, Frau Palacio wurde von ihrem Übersetzer André Mumot würdig vertreten. Weitere Preisträger waren: Claude K. Dubois mit ihrem Buch "Akim rennt" (Preis Bilderbuch), die in Begleitung ihres wundervollen Übersetzers Tobias Scheffel (2011 ausgezeichnet mit dem Sonderpreis), von dem wir uns wünschen, dass er mal ein Hörbuch einliest, Martina Wildner "Königin des Sprungturms" (Preis Kinderbuch), Autorin Heidi Trpak und Illustratorin Laura Momo Aufderhaar mit ihrem gemeinsamen Buch "Gerda Gelse" (Preis Sachbuch). Den Sonderpreis hat Übersetzerin Angelika Kutsch gewonnen, die nicht an der Veranstaltung teilgenommen hat.

Diese Veranstaltung ist mittlerweile schon zur Tradition geworden, da sie spannende und interessante Unterhaltung bietet. Besonders sympathsich waren in diesem Jahr Inés Garland und (wieder einmal) Tobias Scheffel. Die Gespräche zwischen den Preisträgern sollen das interessierte Publikum und Buchliebhaber oder die, die es noch werden wollen, an die preisgekrönte Literatur heranführen. Dies war bei dieser Diskussionsrunde nicht der Fall, denn die Moderation durch die Vorsitzende der Kritikerjury war einfach nur schrecklich. Langweilig und einfach nur dröge, kaum informativ und Lust auf die Bücher hat sie schon gar nicht gemacht. Wirklich schade. Dennoch war es ein Erlebnis all die netten Preisträger einmal zu sehen und ihre Meinungen zu hören. Und im Lesezelt ist es auch einfach so schön. Durch Zufall haben wir vorher noch edem niederländischen Autor Ted van Lieshout zuhören können, der selbst sexuellen Missbrauch erlebt und diesen in seinem Roman "Sehr kleine Liebe" teils fiktional, verarbeitet hat.

Danach sind wir noch ein bisschen rumgeschlendert, haben hier und dort Bücher angeguckt, nette Gespräche geführt und sehr viel gelacht. Ab 12 Uhr reihte sich dann ein Verlagstermin an den anderen. Dort haben wir Einblicke in die Frühlingsvorschauen bekommen und ich kann euch schon so viel verraten: sowohl im belletristischen, als auch im Jugendbuchbereich erwarten uns tolle Geschichten :) Am einem Verlagsstand hatten wir extrem viel Spaß. Ob es an der sehr, sehr sympathischen übernächtigten Pressemitarbeiterin lag oder unserem Messekoller. Man weiß es nicht. Sarah hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ihre Version des Namens eines bekannten Autors nun sicher zum Runnig Gag des Verlags wird :D



Natürlich haben wir auch den ein oder anderen Lovelybooks Lesefuchs entdeckt. Außerdem habe ich leckere Teepröbchen von Meßmer und eine schöne Tasche von GU bekommen. Darin war ein Magazin übers Grillen, so dass sich auch der Mann über ein Präsent von der BM freuen konnte.

Getroffen haben wir leider nur sehr wenige bekannte Gesichter, was vor allem daran gelegen hat, dass wir zu den Zeiten der Bloggertreffen andere Termine hatten. Ich konnte aber zumindest kurz mit Arndt, Lotta und Anka plaudern. Außerdem saß Kai Meyer kurz in unsere Nähe, was Sarah für einen kleinen Plausch genutzt hat, ich habe mich schüchtern vor Inés Garland blamiert, was sie aber zum Glück nicht bemerkt hat und ich habe erstaunlicherweise den Politiker Norbert Blüm, sowie einen Moderator aus dem Kinderfernsehen erkannt :D

Recht früh haben wir uns schon wieder verdrückt, denn es war mir einfach viel viel zu voll. Fürs nächste Jahr muss ich mir einfach einrichten schon in der Woche hinfahren zu können, so dass ich mehr sehen und auch mehr genießen kann. Trotzdem war es eine der schönsten und witzigsten Buchmessen überhaupt :)

Die Liebe zu so ziemlich allem / Christine Vogeley

9783426653470
 
"Es gibt im Leben besondere Momente. Momente, von denen man im Augenblick des Geschehens denkt, dass man den Klang oder die Farbe, den Geschmack oder das Gefühl für immer festhalten möchte. Aber man vergisst sie trotzdem. Manche Momente allerdings sorgen dafür, dass sie nicht verblassen, auch wenn das Bühnenbild gar nicht aufwendig ist. Warum? Weil sich in ihnene vielleicht die Einfachheit und nur für einen kurzen Moment die ganze Weite des Lebens zeigt."

Christine Vogeley, die Rheinländerin, die Berlin und Brandenburg als Wahlheimat auserkoren hat, war mir bis dato leider völlig unbekannt. Mit ihrem neusten Roman "Die Liebe zu so ziemlich allem" hat sich das zum Glück geändert. Das Buch ist nicht nur optisch einfach so schön anzusehen, dass es ebenfalls einen Platz in einem Setz- oder Schaukasten verdient hätte, sondern ist einfach perfekt für heimelige (herbstliche?) Stunden. Ein Wohlfühlroman, den man am liebsten mit all seinen lieben Menschen teilen möchte.
 
" 'Dann sind sie also restlos glücklich hier?'
'Oh nein. Aber restlos richtig. Am richtigen Platz zu sein ist wichtiger. Vielleicht ist das ja Glück.' "

So wie das Kästchen auf dem Schutzumschlag eine bunte Mischung an gesammelten Werken, - die sicher alle ihre eigene Biografie in Bezug auf ihren Finder haben -, zeigt, so füllt die Autorin auch den Inhalt des Romans. Wir begegnen sehr vielen sehr sympathischen Menschen, mit sehr spannenden und rührenden Geschichten. Zwischenmenschlichkeit wird in diesem Roman ganz groß geschrieben und so lernen wir nicht nur die Protagonisten mit all ihren Stärken und Schwächen, positiven wie negativen Erfahrungen kennen, sondern begegnen auch vielen Nebenfiguren, die voller Leben sind.





"Und dann liefen die Tränen.
Weil es so traurig war.
Traurig, sein Kind zu lieben und keine Sprache zu finden, die es verstand."

Da ist Protagonistin Carlotta, Kuratorin eines kleinen Museums, alleinerziehende Mutter einer sehr pubertären Tochter. Aufgrund eines Auftrags begegnet sie dem schwedischen Professor Gösta Johannsson, der von familiären Problemen belastet, so dringend wie Carlotta eine Auszeit benötigt. Onkel Henri, der Bildhauer, der nur in seiner Arbeit den Tod seiner geliebten Frau vergessen kann und trotzden immer ein offenes Ohr für die Probleme der anderen hat. Emily, die taffe Geschäftsfrau und weltbeste Köchin, die in einer Beziehung mit dem "Zwangsbeglücker" Friedrich lebt, mein ganz besonderer Liebling Leo, der stille Junge, Naturfreund und Beobachter und so viele mehr. Allesamt mit so viel Liebe kreiert, dass man sich gerne zwischen ihnen bewegt, gern zu ihnen zurückkehrt und das Gefühl hat, man würde ebenfalls seit Jahren zu dieser Gemeinschaft dazugehören, auch wenn man plötzlich feststellen muss, dass jeder sein eigenes Geheimnis mit sich herum trägt.
 
"Das ist doch das Wertvollste, was ein kleiner Mensch haben kann, Neugierde!"

"Die Liebe zu so ziemlich allem" wird tatsächlich geprägt vom Wort Liebe. Ohne Kitsch, mit wirklich viel Liebe zum Detail und zu den Charakteren, erzählt die Autorin eine Geschichte, die so real wirkt, dass man sich als Leser ganz mühelos hineinversetzen und vor allem sehr wohlfühlen kann. Ganz vorn steht die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die sicher die wichtigste Bindung des Menschen ist. In diesem Bereich spricht mir die Autorin so häufig aus der Seele, dass ich mich von ihr verstanden und aufgenommen fühle. Aber auch der Liebhaber der klassischen Liebesgeschichte kommt hier nicht zu kurz. Die Autorin öffnet mit "Die Liebe zu so ziemlich allem" Raum zum entdecken, zum Lachen und vor allem zum Wohlfühlen.

Ich freue mich sehr auf Christine Vogeley aufmerksam gemacht worden zu sein und habe ihre vorangegangenen Romane wie "Sternschnuppensommer" und "Dritte Sonnenblume links" direkt mal auf meine Wunschliste gesetzt. Wer sich schon mal einen Roman für die Mutter, beste Freundin, Tante oder liebenswerten alten Onkel als Weihnachstgeschenk vormerken möchte, der ist mit "Die Liebe zu so ziemlich allem" bestens bedient.

Buchinfo:

 
Knaur (September 2014)
Hardcover mit Schutzumschlag
464 Seiten
19,95 €

hier kaufen

Die Achse meiner Welt / Dani Atkins




"Nachdem sich Staub und Schutt gesetzt hatten, konnte ich zumindest schemenhaft erkennen, was ich mit den Fingerspitzen ertastet hatte: Jimmys Unterarm ragte unter den Überresten des Tisches hervor. Mehr war von ihm nicht zu sehen, nur sein Unterarm. Der wirkte immer noch muskulös und gebräunt. Es war erst wenige Momente her, dass er die Kraft aufgebracht hatte, mich aus dem Gefahrenbereich zu zerren. Nun aber bewegte er sich nicht mehr. Lange bevor die Krankenwagen bei uns eintrafen, begriff ich, dass er sich nie wieder bewegen würde."

Rachels Leben wird zu einem Alptraum. Ihr bester Freund Jimmy wird Opfer eines Unfalls. Ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen, denn sie vermisst den Jungen, von dem alle behaupten er habe sie geliebt unfassbar stark. Für seinen Tod gibt sie sich die Schuld, denn Jimmy hat  versucht sie zu retten und ist dabei ums Leben gekommen.

Sie beginnt eine Art Märtyrer Dasein. Glaubt, dass sie es nicht verdient hat glücklich zu sein und versteckt sich mehr und mehr in ihrem Schneckenhaus. Doch dann passiert ihr etwas ganz Seltsames: sie erwacht in einem Krankenhaus und neben ihr sitzt ihr Vater, der eigentlich an Krebs erkrankt ist, doch er sieht ganz gesund aus. Ihr Freund ist angeblich immer noch Matt, dabei hat sie sich nach dem Unfall von ihm getrennt und er hat längst eine neue Beziehung mit der arroganten Cathy. Und zu allem Überfluss steht plötzlich auch noch Jimmy vor ihr. Unfassbar lebendig. Rachel weiß nicht wie ihr geschieht. Träumt sie oder ist sie verrückt geworden? Erinnern kann sie sich zumindest an gar nichts ...


"Die Achse meiner Welt" ist der Debütroman der Londoner Autorin Dani Atkins, die damit so erfolgreich war, das er bereits in dreizehn Sprachen übersetzt wurde. Meine Meinung zum Roman ist sehr gemischt. Die positiven Gedanken an die Geschichte überwiegen jedoch und ich kann ihn jedem, der nach einer ungewöhnlichen und berührenden Story sucht, wärmstens empfehlen. Dani Atkins ist es gelungen einen Teil ihrer eigene Liebesgeschichte, die sich fast wie ein Märchen anhört, zu einem unterhaltsamen Roman zu verflechten. Die erste wahre Liebe vergisst man nie. Es lohnt sich darauf zu warten, auch wenn es manchmal ein halbes Leben dauert, denn erst mit dem richtigen Seelenpartner, dem persönlichen Gegenstück ist die Achse der eigenen Welt im Lot.

Ich möchte nicht zu viel verraten, deshalb kann ich nicht ganz aussprechen, was ich mir noch vom Roman gewünscht hätte. Ein Problem war - das glaube ich zumindest - dass ich inhaltlich eine andere Erwartung an die Geschichte hatte. Die Grundidee ist ganz toll, aber ich hatte mich auf etwas anderes gefreut. Mehr unerklärliches, geheimnisvolles und vielleicht ein bisschen mystisches. Nichts desto trotz habe ich den Roman schier inhaliert. Das sehr schöne Cover rundet dieses nette kleine Büchlein zu einem der Geschichten ab, die man gerne an Freunde verschenkt.

" 'Es gibt im Leben keiner Garantien, Rachel', fuhr er fort. 'Unfälle und Krankheiten brechen einfach über uns herein, wir können nichts dagegen tun. Mein Beruf ist manchmal gefährlich, und man kann sich auch ernsthaft verletzen, wenn man morgens aus dem Bett steigt. Trotzdem dürfen wir nicht zulassen, dass die Angst unser Leben bestimmt."

Buchinfo:


Knaur (August 2014)
320 Seiten
9,99 €
Oroginaltitel: Then And Always
Übersetzerin: Birgit Moosmüller

[Buchgeflüster hoch zwei] Deutscher Jugendliteraturpreis



Zum ersten Mal findet heute das Buchgeflüster2 statt, das von Tine und mir gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Die Buchmesse steht kurz vor der Tür, am Freitag wird dort der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben, mit dem wir uns in diesem Buchgeflüster näher beschäftigen wollen. Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird insgesamt in fünf Sparten vergeben, dazu gibt es noch einen Sonderpreis. Wir haben uns in diesem Jahr mit den Büchern auseinander gesetzt, die in der Sparte „Jugendbuch“ und „Jugendjury“ im  nominiert wurden. Der Preis der letzteren Sparte wird im Unterschied zu den anderen Sparten nicht von Erwachsenen, sondern von jugendlichen Lesern vergeben. Ausführliche Infos zum Preis und zur Jury findet man auf der Seite des DJLP.

Tine: Ich würde sagen, wir beginnen mal mit den nominierten Büchern aus der Sparte "Jugendbuch". Welche davon hast du denn gelesen und wie war dein Eindruck dazu?

Ich habe "Die Sprache des Wassers", "12things to do before you crash and burn" und "Wie einunsichtbares Band" gelesen.
Ich finde, dass alle drei Bücher zu Recht auf der Liste stehen. Inhaltlich wie sprachlich unterschieden sie sich sehr stark voneinander. Eine Gemeinsamkeit aller drei Bücher ist die erste Liebe. Herc, der Held aus "12 things to do before you crash and burn" verliebt sich - wie es für ihn typisch ist - relativ kurz entschlossen und plötzlich. Marito und Alma, die Protagonisten aus "Wie ein unsichtbares Band" kennen sich schon von Kind an. Ihre Liebe ist ein Entwicklungsprozess, der jedoch von Eifersucht belastet ist, denn eigentlich waren sie als Kinder immer zu dritt. Kasienka aus "Die Sprache des Wassers" ist ein sympathisches junges Mädchen, das in der Schule zum ersten Mal einen Jungen toll findet. Sicher eine Liebe, mit der sich viele Gleichaltrige identifizieren können.

Nanni: Welche hast du gelesen und wie haben sie dir gefallen?

In der Kategorie habe ich nur zwei Bücher gelesen: "Über ein Mädchen" von Joanne Hornimann und "Tigermilch" von Stefanie de Valesco. Sprachlich gesehen sind beide sehr einnehmend, aber auch grundverschieden. "Tigermilch" ist sehr viel anspruchsvoller und meiner Meinung nach nicht nur aus diesem Grund eher für ältere Jugendliche gedacht. Es ist ein hartes, schonungsloses Buch, das mir zwar auch gut gefallen hat, stellenweise aber zu extrem war. Die Probleme der beiden Freundinnen Nini und Jameelah häufen sich für mein Dafürhalten etwas zu sehr, so dass die Handlung an ihrer Glaubwürdigkeit verliert. 
„Über ein Mädchen“ hat mich sehr berührt, denn es beschreibt unheimlich direkt und ehrlich die Liebe von Anna zu ihrer Freundin Flynn mit all ihren Facetten: vom ersten Kennenlernen über das erste richtige Date bis hin zum Liebeskummer.

Tine: Kannst du beschreiben, was für dich jeweils das Besondere an den drei Büchern war? Wenn eines der drei den Preis gewinnen würde, was wäre dann deine Begründung?

Das "Besondere", das "gewisse Etwas" ist bei jedem Buch unterschiedlich. "12 things to do before you crash and burn" hat mich total gut unterhalten. Es ist ziemlich dünn und ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Immer wieder hat mich Herc zum Schmunzeln gebracht mit seinen - teils verrückten – Ideen, seine Ferienaufgaben abzuarbeiten. Er erlebt den Sommer seines Lebens, macht einen großen Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden, was der Autor in kurzen Kapiteln knackig auf den Punkt bringt. Herc ist das was den Roman ausmacht.
"Wie ein unsichtbares Band" ist ein sehr bewegendes Buch. Es spielt während des Militärputsches in Argentinien und hat daher einen politischen Hintergrund. Bei diesem Buch habe ich am Ende echt geweint, weil es mich so berührt hat, wofür nicht nur die Geschichte, sondern auch die wundervolle Schreibe der Autorin verantwortlich ist. "Poetisch und kraftvoll", so beschreibe ich es in meiner Rezi, erzählt sie von Jugendlichen, die der Willkür der Diktatur ausgesetzt sind, die keine festgelegten Rechte haben, die sie schützen. Trotzdem bieten ihnen ihre Familien die Möglichkeit eine tolle Kindheit zu erleben. Dieser Roman ist wirklich beeindruckend und mein persönlicher Favorit.
Allerdings spricht er - ganz realistisch gesehen - sicher weniger Leser an, als "Die Sprache des Wassers". Ebenfalls ein sehr rührender Roman, der ans Herz geht. Traurig, aber auch glücklich macht. Protagonistin Kasienka zieht mit ihrer Mutter von Polen nach England, weil der Vater die Familie verlassen hat und dorthin abgehauen ist. Nun hat Kasienka Zuhause eine traurige Mama und in der Schule ist sie eine Außenseiterin. Thema Trennung, Migration und Mobbing werden hier hervorragend verflochten. Autorin Sarah Crossan benutzt dazu eine wunderschöne Sprache, die der Verlag ganz toll in Form gebracht hat. Ich habe mir dort etliche Zitate markiert, die ich mir unbedingt aufbewahren möchte. Ihr würde ich den Sieg auch sehr gönnen, denn es ist ein Roman, der sich mit alltäglichen Problemen beschäftigt und vielleicht sogar einige Mädchen ermutigen kann.

Nanni: Was sollte ein Buch, das auf der Liste des DJLP landet unbedingt ausmachen? Was wäre für dich ein Kritikpunkt ein Buch zu nominieren?

Meiner Meinung nach sollte ein Buch, das auf dieser Liste landet vor allem eines: Spaß am Lesen erwecken. Wir Erwachsenen neigen oft dazu, Jugendbücher gut zu finden, die eine besondere Lehre aufweisen, auch wenn sie vielleicht nicht explizit so genannt wird. Viel wichtiger ist es doch eigentlich, dass Jugendliche durch Bücher erfahren, wie schön es ist, in fremde Welten abzutauchen, mit geliebten Protagonisten mitzuleiden und am Ende erleichtert aufzuatmen. Ich glaube, dass dann die Idee, sich auch literarisch mit schwierigen Themen, wie sie beispielsweise in "Tigermilch“ behandelt werden, auseinander zu setzen, ganz von alleine kommt. Ein gelungenes Beispiel für so ein Buch ist meiner Meinung nach "Erebos", das 2011 den DJLP in der Sparte "Jugendjury" gewonnen hat.
Grundsätzlich kann man sich ja über Geschmack streiten, so dass ich wenig Einschränkungen machen möchte, welche Bücher es verdienen auf die Liste zu kommen und welche nicht. Es gibt sicherlich viele ganz unterschiedliche Gründe, die für das eine oder das andere Buch sprechen. Ich persönlich würde aber sehr aufmerksam und vorsichtig sein, wenn es um gewaltverherrlichende oder diskriminierende Bücher geht. Selbstverständlich kann man als aufmerksamer Leser, der Dinge und Situationen hinterfragt, auch aus solcher Literatur etwas mitnehmen, aber nicht jeder jugendliche Leser ist emotional schon soweit und nicht jeder junge Leser hat zuhause jemanden, mit dem man über gelesene Themen sprechen und sie dadurch verarbeiten kann.

Tine: Bei welchem der von dir gelesenen Bücher hattest du den größten Redebedarf?

Den hatte ich bei "Wie ein unsichtbares Band". Ich habe mich sowohl mit der Pressemitarbeiterin, als auch mit der Bloggerin Damaris von Damaris liest ausgiebig darüber ausgetauscht. Ich denke der Roman soll zum Reden anregen. Tot geschwiegen wird zu diesem Thema schon genug.

Nanni: Kommen wir zu den Nominierungen der Jugendjury. Du hast dich mit all den nominierten Büchern auseinandergesetzt. Kannst du uns einen kurzen Einblick verschaffen?

Von den nominierten Büchern habe ich fünf ganz gelesen. Bei „Alles – Was zählt“ von Janne Teller habe ich nur in die Leseprobe rein geblättert, da mir „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ von ihr damals nicht so gut gefiel.
„Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ ist ein unterhaltsames Buch über das Anderssein. Mir hat hier die Art und Weise, wie das thematisiert wurde, besonders gut gefallen: Barnaby hat nämlich nicht eine andere Hautfarbe, Religion oder sexuelle Gesinnung, sondern unterscheidet sich von anderen dadurch, dass er dauerhaft schwebt. Allerdings würde ich das Buch eher als Kinder- und nicht als Jugendbuch sehen.
„Wunder“ habe ich schon im letzten Jahr gelesen und als Herzensbuch von mir bereits einmal verschenkt. Auch hier  geht es um das Thema anders sein, allerdings hat es mich sehr viel mehr berührt. Wie gesagt: ein Herzensbuch von mir.
„2084 – Noras Welt“ hat mich enttäuscht. Es hat zwar eine wichtige inhaltliche Grundaussage, aber mehr auch nicht. Nur mit der – definitiv wichtigen – Warnung, dass man Verantwortung für unseren Planeten trägt, kann man eben kein Buch füllen.
„Die Nacht gehört dem Drachen“ hat mich etwas zwiespältig zurückgelassen. Mir hat richtig gut gefallen, wie sensibel hier mit dem Thema Missbrauch umgegangen wurde. Andere Szenen konnten mich dann aber gar nicht berühren, so dass ich dazu geneigt war, sie zu überblättern.
Den Abschluss der Nominiertenliste bildet die erste Graphic Novel, die ich jemals gelesen habe: „Wie ein leeres Blatt“.  Die Geschichte zu lesen und von den Zeichnungen noch ein Mal ganz andere Eindrücke zu bekommen, war ein besonderes Erlebnis, ich weiß aber nicht, ob ich dafür nicht eher einen separaten Preis verleihen würde.

Tine: Wenn du meine Eindrücke jetzt liest: Welches der Bücher könnte ein Favorit der Jugendjury sein und warum?

Mmmh, schwer zu sagen. Ich bin ja ein großer Fan von John Boyne, habe das Buch ebenfalls (bisher noch ungelesen) im Regal und weiß, dass er tolle, berührende Geschichten schreiben kann. "Wunder" hast du mir auch schon so oft empfohlen, dass ich es in meinem Kopf bereits als tolles Buch gespeichert. Aber auch der Inhalt klingt sehr ansprechend. Dass ein Buch zum Thema Missbrauch nominiert ist, finde ich auch sehr spannend. An meiner Arbeit habe ich leider vermehrt mit dem Thema zu tun und finde es wichtig, dass Kinder und Jugendliche aufgeklärt werden, wissen, dass sie keine Schuld tragen und damit nicht allein sind. Für mich ist aber nicht nur das Thema des Buches, das den Preis bekommen sollte, wichtig, sondern auch die Sprache, die Art des Autors zu schreiben. Dafür müsste ich dann wohl doch selbst rein lesen.

Nanni: Wenn du die Bücher nun so betrachtest und dich ein bisschen zurückerinnerst, hättest du als Jugendliche eine ähnliche Meinung?


Puh, das kann ich ganz schwer sagen. Ich habe als Kind eigentlich gar keine typischen Jugendbücher gelesen. Anfangs viele Kinderbücher  oder eben Bücher für sehr junge Jugendliche (vieles von Enid Blyton, „Die drei ???“ usw. - das typische eben) und dann ging es fast nahtlos über zu Erwachsenenbüchern. Gab es zu unserer Zeit überhaupt schon so explizit die Sparte des Jugendbuches? Ich vermute, ich hätte damals „12 Things To Do Before You Crash and Burn“ am besten gefunden, eben weil es so unterhaltsam und witzig ist, und, wenn ich es richtig verstanden habe, kaum schwierige Themen behandelt.

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...