31.05.15

[Reiseproviant] #17

Ihr Lieben, 
endlich schaffe ich es mal wieder die Bücher vorzustellen, die ich in der kommenden Woche lesen möchte. Normalerweise zeige ich euch ja auch noch private Fotos, die ich mit meinem Handy mache. Da dieses momentan aber ständig die Bilder irgendwo versteckt, kann ich leider keine hochladen. Das einzige, das noch funktioniert ist das direkt hochladen über Instagram. Wer dort angemeldet ist, ist herzlich eingeladen mir zu folgen. Mein Nickname ist auch dort Fantasie_und_Traeumerei.

Bücherproviant:



Am Freitag bekam ich ein ganz tolles Überraschungspaket von Lovelybooks. Darin war u.a. "Ein wunderbares Jahr" enthalten, denn dazu gibt es nicht nur eine Lovelybooks Leserunde, sondern auch eine Blanvalet Lesesommer Challenge, die mit einem Reisegutschein im Wert von 500 € lockt. Mich spricht das Buch rein optisch auf jeden Fall an. Meine Vorfreude auf den Sommer wächst und eine locker leichte Geschichte kann ich grad mal wieder gut gebrauchen.
Auch "Der unrechte Wanderer" ist aus dem Blanvalet Verlag, hat mit der Sommerchallenge aber gar nichts zu tun. Wie auf dem Cover zu sehen, ist die Atmosphäre im Roman, der ein Nachfolger der Fantasygeschichte "Der Gottbettler" ist. Ein echtes Highlight in meinem Lesejahr 2013. Vom unrechten Wanderer erwarte ich wieder viel Spannung und sehr eigensinnige Charaktere.
"Die Königin der Orchard Street" spielt in 1913, einer Zeit, die ich in Romanen gerade so sehr mag, dass ich nicht an dem Buch, zu dem ich schon einige positive Rezensionen gelesen habe, nicht vorbei gehen konnte.


Kennt ihr eins der Bücher? Nimmt einer von euch an der Leserunde oder Challenge teil?
Welche Bücher werdet ihr in den nächsten Tagen lesen?
Ich muss heute noch bis mittags arbeiten, kann danach aber wenigstens den Tag genießen.
Euch allen einen schönen Sonntag und eine großartige neue Woche!


Mein Lovelybooks Überraschungspaket :)






29.05.15

[Leserunde] "Heute beginnt der Rest des Lebens" || DIE AUSLOSUNG DER GEWINNER



Im Frühlingsprogramm des Atlantik Verlags erschien im April „Heute beginnt der Rest des Lebens“, der neuste Roman der Bestseller Autorin Marie-Sabine Roger.

Für Alexandra (Willkommen im Bücherkaffee), Dorota (Bibliophilin) und mich das perfekte Buch, um mal wieder eine Facebook Leserunde zu starten. Bianca (Literatwo) gesellte sich zu uns und der Atlantik Verlag unterstützte uns mit tollen Preisen, die am Ende der Leserunde verlost werden durften.

Am 2. Mai fiel der Startschuss mit 34 angemeldeten Teilnehmern. Leider haben nicht alle bis zum Schluss durchgehalten, jedoch bildete sich schnell ein hartnäckiger Kern aus Liebhabern der poetischen Literatur á la Roger.

Eine kleine, aber feine Runde, die nicht nur Begeisterung miteinander teilte, sondern auch angeregt über Weisheiten, Crepes Rezepte und Lebensphilosophien diskutierte.

Viel zu schnell vergingen die zwei Wochen in Gesellschaft von Mortimer, der an seinem 36. Geburtstag sein Schicksal überlistet und weiterlebte, anstatt der Familientradition zu folgen und an diesem Ehrentag zu sterben.



Wie angekündigt wurden unter allen denen, die sich aktiv an der Leserunde beteiligten und zum angegebenen Einsendeschluss ein Fazit verfassten, die vom Verlag gestifteten Preise verlost.
Die Gewinner sind:

Platz 1: Ein Buchpaket mit drei Büchern aus dem Atlantik Verlag

Reinhard Passreiter

Platz 2-4: Je ein Buch „Lesen und lesen lassen“

Sarah Schückel 

Caroline Wagenbreth

Simone Schwarze



Zwei der Gewinnerbeiträge könnt ihr auf den Blogs I am bookish (Caroline) und 
StudierenichtdeinLeben (Sarah) nachlesen.


Wir danken allen Mitlesern für Ihre Teilnahme. Es hat uns sehr viel Freude gemacht gemeinsam mit euch über „Heute beginnt der Rest des Lebens“ zu plaudern.

Viele Grüße

Alexandra, Bianca, Dorota und Nanni

Bridgets und Joans Tagebuch: Verrückt nach dem Toyboy / Bridget Golightly & Joan Hardcastle



Bridget und Joan - beide weit über achtzig, gefühlt aber maximal Mitte sechzig - leben gemeinsam im Zweitbesten Magnolia Seniorenheim und sind schon seit Ewigkeiten befreundet. Um Bridget dabei zu unterstützen ihre Gedanken zusammen zu halten und auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, schenkt Joan ihr ein Tagebuch. Sie selbst führt schon lange eins und findet diese Ausdrucksform recht praktisch.

Bridget kann sich mit dem Gedanken anfreunden und trägt dort - wie Joan auch - ihre täglichen Erlebnisse im Seniorenheim ein. Ihre Wahrnehmung der Ereignisse ist jedoch häufig eine andere als die ihrer besten Freundin. Während Bridget ein eher "liderliches Frauenzimmer" ist, sich nach wie vor als Bühnenstar fühlt und eine eher rosarote Betrachtungsweise ihres Lebens hat, ist Joan solide und bodenständig. Zwei konträre Persönlichkeiten, die dennoch auf liebenswerte Art zueinander halten.

"Pasta zum Abendessen. Joan sagt, die Nudeln heißen Tagliatelle. Ein echter Zungenbrecher!

Pasta zum Abendessen. Es gibt Penne, aber ich habe Bridget gesagt, es sind Tagliatelle. Nur um zu sehen, wie ihr die Zähne herausfallen, wenn sie es auszusprechen versucht."

Ich habe "Bridgets und Joans Tagebuch" an einem Nachmittag weggelesen. Die Tagebucheinträge der beiden alten Damen sind so köstlich, dass sich der Leser vor Lachen kringelt. Bridgets verschobene Wahrnehmung, in der sie immer noch von allen, der Männerwelt im besonderen, angehimmelt wird, sorgt für etliche Lacher. Vor allem dann, wenn sie mal wieder Joans Streichen auf den Leim geht und nicht merkt, dass diese ihr Sekundenkleber in die künstliche Hüfte gespritzt oder Wasser in ihre Wodkaflasche gefüllt hat. Ich mag ganz besonders Joans schwarzen Humor und ihre sarkastische Betrachtungsweise.

Ich weiß nicht, wer hinter dem Pseudonym der beiden alten Damen steckt, aber er oder sie hat sich perfekt in sie hineinversetzt und einen Roman geschaffen, der perfekt unterhält. Ein verschenktes Reisetagebuch lässt darauf hoffen, dass wir weitere Geschichten des illustren Duos zu lesen bekommen. Darauf freue ich mich schon jetzt!

Buchinfo:


Manhattan (Juli 2014)
208 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag 
12,99 €
Übersetzung: Jörn Ingwersen


25.05.15

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin / Lilly Lindner





April leidet an Anorexie. Die Erkrankung ist bei ihr so weit fortgeschritten, dass sie einzig in einer Klinik eine Möglichkeit hat, gesund zu werden. Ihre kleine Schwester Phoebe lebt nun allein Zuhause bei den Eltern. Sie vermisst April ganz schrecklich. April, die ihr immer Hoffnung gegeben hat, denn der April ist der erste Monat nach dem Winter und bringt Leben in die Welt. Phoebes große Schwester April steckt schon lange nicht mehr voller Leben. Wird immer kälter, entfernt sich von jeglichen Lebensfreuden und verschwindet mehr und mehr.

" '[...] Wenn ich ausziehe, dann bin ich der jüngste Mensch auf der Welt, der alleine leben muss. Aber wisst ihr was: Das bin ich doch sowieso schon - alleine! Ihr seid nämlich beide nie hier! Manchmal sehe ich eure Körper. Aber die sind leer. So wie eure Gefühle. [...]' "

Damit sie in der Klinik trotzdem am Leben von Phoebe teilnehmen kann, bekommt April regelmäßig Briefe von ihrer schlauen kleinen Schwester, die mit neun Jahren schon außerordentlich Wortgewandt ist und so voll steckt mit Gedanken, dass sie diese permanent rausplaudern muss. Eine Eigenschaft, die April ebenfalls mal inne hatte, die aber ebenso versiegt ist, wie ihr Hunger.

"[...] Und Mamas Schmerz war auch mein Schmerz. Es war der erste Schmerz, den wir geteilt haben. Der erste verstandene Schmerz, nach all den langen Jahren.
Aber wir konnten uns nicht berühren. Mama konnte nicht einmal nach meiner Hand greifen - solche Angst hatte sie davor.
Wir waren uns trotzdem nah.
Irgendwie."

Lilly Lindner, die mit ihrem Debüt "Splitterfasernackt", in dem sie versucht das schwere Erlebnis ihrer eigenen Vergewaltigung zu verarbeiten, monatelang auf den Bestsellerlisten stand, hat sich an ihr erstes Jugendbuch gewagt. Sie stellt sich dieser Aufgabe in Form eines Briefromans, was ich als nicht einfaches Unterfangen einschätze, denn es ist nicht leicht ein gutes Gleichmaß zwischen erzähltem erlebtem und Gefühlen zu halten. Schnell verliert man den Leser, wenn man zu viel ins eine oder andere abrutscht. Lilly Lindner gelingt eine eindrucksvolle Balance aus Geschehnissen, die den Alltag der Familie beschreiben, so dass der Leser einen guten Eindruck davon bekommt wie sich das familiäre Umfeld sowie der Freundeskreis der Mädchen gestaltet, und Gefühlen, die sich perfekt in die Erlebnisse einfügen und den Leser zu jeder Zeit berühren.

"Aber um ein Lachen sollte man normalerweise nicht bitten müssen. Ein Lachen sollte man geschenkt bekommen.
So wie Liebe.
Und Ostereier."

Der Roman ist in zwei Bereiche geteilt. Im ersten erfahren wir den aktuellen Stand der Dinge, beschrieben durch Phoebes noch etwas kindliche, aber doch sehr scharfe und tiefgründige Beobachtungsgabe. An manchen Abschnitten klingt mir die Neunjährige etwas zu erwachsen, was den Fluss ein klein wenig hemmt, an anderer Stelle passt ihre kluge Betrachtungsweise jedoch wieder perfekt. Im zweiten Bereich des Buches können wir die Antworten der 16-jährigen April lesen, erfahren, wie es zu ihrer Erkrankung gekommen ist, inwiefern die Eltern beteiligt sind, wie sie sich fühlt und wie schwer es ist, der Erkrankung zu entfliehen, wenn diese erst mal ihre dürren und doch starken Arme um einen Patienten geschlossen hat.

"Ich wollte zu Mama sagen: 'Du kannst nichts dafür. Es ist nicht deine Schuld. Ich habe mir selbst ausgesucht, mich zu verlieren. Und ich habe dir längst verziehen, dass du mich nicht halten konntest. Ich weiß doch, wie schwer ich zu tragen bin, ich habe mich oft genug auf deine Waage gestellt.' [...]
Aber ich war zu schwach."

Sehr eindringlich und berührend sind Aprils und Phoebes Worte, ihr Wunsch nach einem gemeinsamen Leben ohne die Krankheit Anorexie. Der Kampf ist schwer und nicht immer zu gewinnen. Viel Kraft ist dafür nötig. Viel Unterstützung und ein eiserner Willen, den das Leben nicht jedem gegeben hat und manchmal auch wieder nimmt. Lilly Lindner hat genau diesen Kampf sehr authentisch zu Papier gebracht. In ihrem Roman "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" gibt mit feinen, fast poetischen Worten, einer Krankheit, die meist auf Unverständnis trifft, eine starke Stimme.

Buchinfo:


Fischer (2015)
400 Seiten
9,99 €


21.05.15

Der Sommer in dem die Zeit stehen blieb / Tanya Stewner



"Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird und dann Gut über Böse siegt [...]" so beginnt ein Song von Die Toten Hosen aus dem Jahr 1993. Ein Song, den ich immer wieder gerne höre, nicht nur weil er so eine mitreißende Melodie hat, sondern auch weil er Hoffnung vermittelt. Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt. Eine Hoffnung, die auch Tanya Stewner in sich zu tragen scheint und in ihrem neusten Roman "Der Sommer in dem die Zeit stehen blieb" an ihre Leser vermitteln möchte.

An ihrem Lieblingsplatz auf einer einsamen Lichtung trifft Juli auf einen Jungen. So schön, dass sie kaum glauben kann, dass er sich für sie interessiert. Zu nett und tiefgründig, um aus Julis Gegend zu sein, denn dort trifft sie so häufig auf Oberflächlichkeit. Sogar im eigenen Elternhaus. Anjano ist der klügste, witzigste Mensch, dem sie jemals begegnet ist. Kein Wunder, dass sie sich in ihn verliebt. Doch es gibt etwas das zwischen ihnen steht: die Zeit. Denn Anjano ist aus der Zukunft und wenn er sich auf Juli einlässt wird ihre Liebe Einfluss auf das Weltgeschehen haben. Gibt es eine Möglichkeit dies zu einem Vorteil zu nutzen und die Umwelt und Menschen in eine Richtung zu führen, die für alle nur positiv enden kann?

"Der Sommer in dem die Zeit stehen blieb" sticht aus dem Rahmen eines nach wie vor beliebten Genres raus. Im Gegensatz zu den vielen Dystopien, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen, handelt es sich bei Tanya Stewners neustem Roman um eine Utopie. Und obwohl ich selbst lieber von Drama, Leiden und Verderben lese, würde ich mir für meine reale Welt, für meine Mitmenschen und die Umwelt ein bisschen mehr Frieden, Verständnis und Gesundheit wünschen.

Dies ist auch der Gedanke, den "Der Sommer in dem die Zeit stehen blieb" beim Leser auslöst. Der Roman ist so rosarot wie sein Cover und leuchtet ebenso hell wie das Licht um Juli und Anjano, die auf dem Cover dargestellt sind.  Meine Befürchtung, dass mir die Handlung, die ein wenig vor sich hinplätschert zu seicht wird, hat sich nicht bestätigt, denn es gefällt mir mich in einer Welt zu bewegen, die meine Hoffnung aufnimmt und einen positiven Werdegang einschlägt.

Tanya Stewner rüttelt an den Gedanken der Leser. Sie holt aus dem Tiefschlaf des alltäglichen, des machtlosen, weckt den Wunsch nach einer Verbesserung und den Drang danach, selbst etwas zu tun und nicht zu warten, bis es von allein besser wird, denn das wird einfach nicht passieren. Die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuch Autorin, die das jüngere Publikum schon über viele Jahre mit ihrer Liliane Susewind-Reihe unterhält, traut sich was. Sie traut sich versteckte Gedanken anzusprechen und sich Themen zu widmen, die man lieber verdrängt. Das mochte ich schon an ihrem Roman "Das Lied der Träumerin". Sie wird ganz sicher nicht nur auf lobende Stimmen treffen, ist aber mutig genug trotzdem ihre Meinung auszusprechen und damit diejenigen zum Nachdenken zu bringen, die sich nicht in Oberflächlichkeit vergraben. Ich wünsche mir, dass sie diese Art zu schreiben beibehält und freue mich auf weitere nachdenklich stimmende Bücher von ihr.

Buchinfo:


Fischer KJB (2015)
320 Seiten
14,99 €


Meine Rezension zu "Das Lied der Träumerin"

Fischer KJB auf Facebook

19.05.15

Dunkeljäger / Alexey Pehov



Der Elf Lass war Krieger der Fliegerstaffel. Im Kampf zwischen den mächtigen Elfenhäusern war er mit seinem Aeroplan ein treuer Soldat. Des kämpfens müde, flieht er aus seiner zerrütteten Heimat und landet auf den Schildkröteninseln, die so abgelegen sind, dass er zunächst glaubt, dort Ruhe und Frieden zu finden.

Doch der Schein trügt und da Lass ja auch irgendwie sein Leben finanzieren muss, sitzt er schneller als geplant wieder im Aeroplan, fliegt für einen Mittelsmann der Regierung. An seiner Seite ein Oger - gegen die hat er früher gekämpft - und Dreipfot, ein kleines pelziges und sehr gefräßiges Wesen, dass er vorm Tod gerettet hat. Und wer einmal Krieger war und den Klang der Waffen gespürt hat, der bleibt es eben auch ...

Wie von Pehov gewohnt, gelingt es ihm auch in "Dunkeljäger" ziemlich schnell seine Leser mithilfe des Protagonisten einzunehmen. Er hat ein Händchen dafür Charaktere zu kreieren, die kleine Ecken und Kanten haben und große Sympathien hervorrufen. Er stattet sie liebevoll und detailreich mit teils witzigen, teils skurrilen Eigenschaften aus, die sie aus der breiten Masse herausstechen lassen. Seiner Fantasie scheint er dabei keine Grenzen zu setzen. In "Dunkeljäger" ist mir ganz besonders der pelzige Dreipfot ans Herz gewachsen, über den ich wirklich häufig schmunzeln würde und den ich gern selbst Zuhause hätte (auch wenn er echt gefährlich sein kann ...).

"Dunkeljäger" ist ein bisschen leichter, ein bisschen schwungvoller und weniger komplex als seine Vorgänger und fließt dem Leser nur so durch die Hand. Einzig klitzekleine Längen führen dazu, dass man hin und wieder in kurzes Stocken gerät, haben mich aber dennoch nicht davon abgehalten, den über 400 Seiten starken Schmöker innerhalb von zwei Tagen durchzulesen.

Sehr begeistert bin ich mal wieder von der Covergestaltung des Piper Verlags. "Dunkeljäger" glänzt optisch wie inhaltlich als in sich abgeschlossener Einzelband, der sich perfekt in das Regal der Pehov-Serien einreiht. Mal schauen, ob Pehov seinen Elf in ein weiteres Abenteuer schickt. Ich würde mich freuen und ihn gern dabei begleiten.

Buchinfo:


Piper (Oktober 2014)
432 Seiten
16,99 €
Übersetzung: Christiane Pöhlmann


Piper auf Facebook

18.05.15

Das Gegenteil von Einsamkeit - Marina Keegan



Vom Umschlag der Kurzgeschichten und Essay Sammlung "Das Gegenteil der Einsamkeit" schaut eine hübsche und sehr sympathische junge Frau. Die Autorin dieses Buches, die sehr viel Energie und Ehrgeiz in ihre Schreibereien gesteckt hat. Dies und noch einige andere Charaktereigenschaften der jungen Frau erfahren wir von Anna Fadiman, einer Literaturprofessorin, bei der Marina studiert hat und von der sie viel Unterstützung erfahren hat. Marina selbst kann uns das nicht mitteilen. Sie ist 2012 wenige Tage nach ihrem Yale-Abschluss ums Leben gekommen.

Natürlich beurteile ich einen Roman nicht nach dem Lebensweg der Autorin oder des Autors, sondern einzig danach, ob er mir gefällt oder nicht. Dennoch habe ich immer im Hintergrund, dass die Stimme, die aus jedem einzelnen Satz so kräftig zu mir spricht, einem Mädchen gehörte, das voller Tatendrang steckte und so viel Energie darein setzte den Traum von einem Leben als Schriftstellerin zu verwirklichen. Und ich bin mir sehr sicher, dass sie es hätte schaffen können.

"Marina würde nicht wollen, dass man sich an sie erinnert, weil sie tot ist. Sie würde wollen, dass man sich an sie erinnert, weil sie gut ist."

Ihr Schreibe ist sehr ausgereift für eine junge Autorin. Marina befasste sich schon seit ihrer Kindheit gern mit Worten, schrieb gern. Das sie Erfahrung im Umgang mit Buchstaben und deren Aneinanderreihungen zu ganzen Geschichten hat, spürt der Leser von Anfang an. Ich selbst lese lieber ein Buch mit zusammenhängendem Inhalt, als Kurzgeschichten, da ich es schwer finde sich nur kurz auf eine Handlung und Personen einzulassen und dann schon wieder die Bekanntschaft mit anderen machen zu müssen. In "Das Gegenteil von Einsamkeit" hatte ich damit überhaupt nicht zu kämpfen. In jede Geschichte floss ich mühelos hinein, fühlte mich dort wohl und bekam schon schnell einen Bezug zu den alltäglichen Problemen, mit denen die junge Autorin sich im jeweiligen Text auseinandersetzt.

Texte, die voller Lebensfreude sind. Die sprühen vor Energie und Kraft, wie sie die Jugend hat, die noch alles vor sich hat. Marine Keegan wird als ehrgeizig beschrieben. Als Mädchen mit Plänen und einem Gefühl, das es ein ganzes Leben zu erobern gilt. Liest man ihre Geschichten, dann nimmt man ihr das sofort ab. Ich glaube nicht, dass es leere Phrasen sind, wie bei so vielen anderen, die sich groß tun, was sie im Leben alles erreichen möchten.

Marina gibt ihren Protagonisten eine Stimme voller Kraft, Lebensfreude und Lebendigkeit. Eine Stimme, die sich auch Zeit für alltägliche Probleme nimmt, für Dinge, die oftmals klein wirken, aber doch von großer Bedeutung sein können. Sie schreibt von Hoffnung und der Erfüllung von Wünschen und dass man das Ziel vor Augen halten soll, auch wenn nicht immer der einfachste Weg dahin führt.

Und auch wenn ich beim Lesen das Gefühl hatte von viel positiver Grundstimmung durchströmt worden zu sein, blicke ich traurig auf das Buch zurück, denn es wird das einzige literarische Werk einer jungen Autorin mit viel Talent bleiben. Nur zu gern würde ich weitere Werke von ihr lesen. Aber eins ist gewiss, "Das Gegenteil von Einsamkeit" sorgt dafür, dass viele an ihrer Lebensfreude teilhaben können und sie nicht nur im Herzen ihrer Eltern, Familie und Freunde einen festen Platz eingenommen hat.

Buchinfo:


S. Fischer (2015)
288 Seiten
18,99 €
Originaltitel: The Opposite Of Lonelines
Übersetzung: Brigitte Jakobeit

12.05.15

Wir sehen uns dort oben / Pierre Lemaitre



Albert Maillard erwartet nichts sehnlicher als das Ende des Krieges. Viel zu lang schon hat er ums Überleben gekämpft, was ihn so angestrengt hat, dass er am liebsten aufgeben würde. Doch wer wird schon kurz vorm Ziel, klein beigeben, vor allem, wenn Zuhause ein hübsches Mädchen auf ihn wartet. Doch auch, wenn es eigentlich nur noch bergauf gehen kann, fühlt er sich resigniert und mutlos. Als würde er seine Zweifel ausdünsten, gerät er ins Visier des ehrgeizigen und hinterlistigen Leutnant Pradelle und eher er sich versieht ist er im Krater einer Handgranate verschüttet.

"Während er Édouard an sich drückt, wird ihm bewusst, dass sein Kamerad, so wie alle, den ganzen Krieg hindurch nur einen Wunsch hatte: zu überleben. Und nun, da der Krieg zu Ende und er noch am Leben ist, will er sich einfach nur in Luft auflösen."

Auch Édouard Péricort ist des Kämpfens müde. Als Sohn reicher Eltern ohne ein Ziel vor Augen und immer in der Rolle des Komikers und Unterhalters Zuhause, sowieso nicht für den Kampf geboren, erhofft er nichts so sehr wie Frieden und die Heimkehr nach Hause zur Schwester, zu der er eine etwas zu innige Beziehung hat. Doch auch er wird Opfer einer der letzten in Betrieb genommenen Waffen. Doch bevor diese sein Leben für immer verändert, rettet er noch das von Albert Maillard und schafft damit eine Verbindung zwischen den beiden Männern, die vom Schicksal herbeigeführt und auch nur von diesem wieder zu trennen ist.

"Die beiden Männer hatten zwar schon eine gemeinsame Geschichte, in der jeder seine eigene Rolle spielte, aber eigentlich kannten sie sich nicht. Ihre Verbindung war aus einem komplizierten Geflecht aus schlechtem Gewissen, Solidarität, Ressentiment, Distanz und brüderlicher Verbundenheit entstanden"

Lemaitres Schreibe hat mich vom ersten Satz an mit einer starken Intensität umfasst und nicht mehr losgelassen. Seite für Seite habe ich verschlungen, manchmal kurz davor doch abzubrechen, weil die Wellen des Krieges so weit und hart um sich schlagen. Sichtbare Verletzungen, die Übelkeit erregen und solche, deren Ausmaß kaum zu erfassen ist. Alpträume, Wesensveränderungen, Verlustgefühle und Ängste, mit all dem schlagen sich die ehemaligen Soldaten herum, verhöhnt vom Land, das eine Entlohnung verspricht, die weder ausgeführt werden kann, noch ansatzweise wieder das gut machen kann, was der Krieg verbrochen hat.

"[...] Er hatte es freiwillig getan, aber - er wusste nicht so recht, wie er es ausdrücken sollte, was er empfand, diese Ungerechtigkeit ... Niemand war Schuld daran, und doch war es die ganze Welt."

Maillard und Péricort haben wahren Heldentum bewiesen, der von niemandem anerkannt wird und auch keinem von beiden zu Nutze ist, denn auch Anerkennung ist nur eine geringe Form der Erlösung. Und als ob die Kriegsschäden nicht genug sind, kämpft das Leben weiterhin gegen sie. Glück ist für sie eben so ein schwer einschätzbares Spiel wie für ihre Angehörigen. Der Leser stellt sich mehr als einmal die Frage: gibt es eine ausgleichende Gerechtigkeit?

"Es war immer dasselbe. Dauernd kamen einem diese Typen mit dem Krieg. Und dauernd wollten sie aller Welt eine Lektion erteilen. Man hatte langsam die Nase voll von diesen Helden! Außerdem waren die wirklichen Helden tot!"

Obwohl ich vom Cover des Buches eine andere Geschichte erwartet habe, bin ich sehr begeistert vom zurecht mehrfach ausgezeichneten Roman des Franzosen. Die von mir erwartete Leichtigkeit der Protagonisten blieb aus, ihr von ihnen so lang geduldetes Elend schlug dafür umso härter zu. Berührt und völlig gefesselt von einer Geschichte, die ein hervorragendes Konstrukt aus berechnenden Machtspielen und den undurchschaubaren Wegen des Schicksals, gebe ich gerne meine Lesseempfehlung für "Wir sehen uns dort oben".

Buchinfo:


Klett-Cotta (2014)
521 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzung: Antje Peter


Klett-Cotta auf Facebook

11.05.15

Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27.Stock fiel / Bradley Somer



Im Seville on Roxy gibt es 27 Stockwerke. In jeder Etage leben Menschen und ihre Geschichten. Geschichten, die von Liebe, Familie und Leid erzählen. Geschichten, die das Leben eben so schreibt. Manchmal sind diese Geschichten unabdingbar miteinander verbunden. Vor allem dann, wenn sie alle in einem Haus spielen.

Ian ist ein Goldfisch. Sein Besitzer Connor Radley hat ihn von seiner Freundin Katie geschenkt bekommen, weil er sich keinen Hund halten kann. Als Kind hatte er einen Hund mit dem er sehr viel erlebt hat. Heute hat er nur noch Ian, der aber auf dem besten Weg ist ihn zu verlassen. Ein Gefühl, das Connor nicht kennt, denn eigentlich ist er immer der Verlassende. Wie es den Frauen dabei geht hat ihn bisher nicht sehr interessiert. Doch jetzt gibt es Katie in seinem Leben. Katie ist etwas besonderes. Dies zu erkennen fehlt es Connor allerdings ein wenig an sozialer Kompetenz.

Auch Danny ist nicht gerade der Feinfühligste was den Umgang mit Frauen angeht. Jetzt ist seine Freundin Petunia Delilah schwanger. Beide freuen sich auf das Kind, auch wenn Petunia Delilah etwas Angst davor hat. Besonders dann, als das Baby raus will, Danny nicht ans Telefon geht und sie ganz allein in der Wohnung ist.

Claire ist gern allein. Um genau zu sein ist sie sogar am liebsten allein. Allein in ihrer Wohnung. Nach Möglichkeit nur in der Wohnung. Dort ist es am sichersten. Keine Menschen, keine Keime. Kontakt nach außen hat sie trotzdem. Sie arbeitet ja auch. Irgendwie muss sie ja ihren Lebensunterhalt verdienen. Das geht aber auch aus der Sicherheit der Wohnung heraus. Telefonsex funktioniert - wie der Name ja schon sagt - übers Telefon. Alles kein Problem. Bis es plötzlich an der Tür klingelt ...

Die oben genannten sind nur einige der Bewohner des Seville on Roxy. Mit sehr viel Liebe zum Detail hat Autor Bradley Somer seine Figuren zum Leben erweckt. Ich glaube, dass er sich sehr intensiv mit ihnen beschäftigt hat und ihre Lebensgeschichten ausführlich konzipiert. Vermutlich erzählt er in seinem Roman nur einen Bruchteil dessen, was er in seinem Kopf mit ihnen erlebt hat.

Ich liebe es den Geschichten von Menschen zu lauschen. Menschen, die etwas zu erzählen haben, sich aber oftmals nicht trauen dies zu tun. Bradley Somer hat - fiktiv - einige solcher Menschen getroffen. Jeder Bewohner des Hauses hat eine Geschichte mit Hintergrund. Mit Tiefgang und Charakter. Geschickt verwebt der australisch kanadische Autor all diese Schicksale und kurzen Lebensausschnitte zu einem Roman, der mit den philosophischen Lebensweisheiten eines Goldfischs im freien Fall direkt in den scheinbar nahenden Tod, perfekt zu einem sehr unterhaltsamen und rührenden Leseerlebnis abgerundet wird.

Buchinfo:


DuMont (März 2015)
320 Seiten
14,99 €
Klappenbroschur
Originaltitel: Fishbowl
Übersetzung: Annette Hahn


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10.05.15

[Statistik] Mein Herz geht auf im Monat Mai...

Ihr Lieben,
eigentlich kommt sonntags an dieser Stelle der Post [Reiseproviant] mit Ausblick in meine Lesewoche und eine Fotorückschau in meine Woche. Da ich aber noch meine Bücher vom letzten SuB abbaue und noch keine Statistik geschrieben habe, erscheint diese ausnahmsweise mal am Sonntag.


Gelesene Bücher im April:


41) Ligas Welt - M. Lanagan 5 / 10 (Rezi)
42) Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel - B. Somer 9 / 10
43) Sternschnuppenstunden - R. McIntyre 9 / 10 (Rezi)
44) Jahre wie diese - S. Jones 9 / 10 (Rezi)
45) Lieber jetzt als irgendwann - L. Graham 7 / 10 (Rezi)
46) Der Thron von Melengar - M.J. Sullivan 9 / 10 (Rezi)
47) Heute beginnt der Rest des Lebens - M-S. Roger 8 / 10
48) The Sign 02: Die Wahrheit kommt ans Licht - J. Karr 7 / 10 (Rezi)
49) Battle of Princes: Kampf um den Thron - J. Somper 7 / 10 (Rezi)

[Hörbücher]

  • Die Mütter-Mafia - K. Gier (Sprecherin: M. Boes) 7 / 10
  • Selbstporträt mit Flusspferd - A. Geiger (Sprecher: A. Nümm) 8 / 10
  • Die Haferhorde 02: Flausen im Schopf - S. Kolb (Sprecher: Bürger Lars Dietrich) 10 / 10
[Sachbücher]
  • Beauty Detox Food - K. Snyder 9 / 10 (Rezi)
  • Detox mit Yin und Yang Yoga - S. Arend 8 / 10 (Rezi)
Wie ihr seht war es ein recht gemischter Monat mit ganz tollen Büchern, aber auch weniger überragenden, die mich dennoch ganz gut unterhalten haben. Den Kampf um den Titel "Herzensbuch des Monats" mussten im April zwei Bücher austragen. "Jahre wie diese", das mich mit einer wundervollen Schreibe, einer Atmosphäre, in die ich mich sofort verliebt habe, und einer lesenswerten Geschichte begeisterte und der erste Teil der Riyria Reihe "Der Thron von Melengar". Ich habe mich für den Fantasyroman aus der Feder von M. J. Sullivan entschieden, da Fantasy oft viel zu wenig Beachtung bekommt und ich ganz verliebt bin in die beiden Protagonisten, die mich mit Charme, Humor und Herz verzaubert haben. Ich freue mich so sehr darauf den nächsten Band zu lesen, dass der Roman den Titel wirklich verdient hat.

Im letzten Monat habe ich auch endlich mal wieder zwei Sachbücher rezensiert. Die beiden vorgestellten Bücher begleiten mich bei einer Lebensumstellung, die bei mir für ein bessere Gesundheit und ein tolles Körpergefühl gesorgt hat. Mehr dazu erfahrt ihr in der Rezi zu den beiden Büchern.

Dank meines neuen MP3 Players bin ich ganz fleißige Hörbuch-Hörerin geworden. Der zweite Band der Haferhorde hat mir wieder richtig gut gefallen. Ich kann sie wirklich allen Ponyliebhabern empfehlen. Eine Rezi dazu folgt noch. Nicht so gut gefallen hat mir das Hörbuch zu "Die Mütter-Mafia". Das Buch ist einer der Romane, die ich am meisten verschenke, denn ich liebe den Humor von Kerstin Gier und kann immer wieder über ihre witzigen Sprüche lachen. Mirja Boes verbessert dies jedoch nicht, sondern macht die Witze eher flach und leer. Sie liest meiner Meinung nach viel zu eilig und stumpf. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall zur gedruckten Ausgabe greifen.


Auf diese Bücher freue ich mich im Mai ganz besonders:


Bannwald Victoria  Scott - Feuer & Flut

"Bannwald" - J. Heiland / Fischer Jugendbuch
"Feuer & Flut" - V. Scott

Die wilde Ballade vom lauten Leben  

"Die wilde Ballade vom lauten Leben" - J. O'Connor / S. Fischer
"Das geheime Leben der Violet Grant" - B. Williams / Blanvalet

Die Legenden von Mond und Sonne Bin mal kurz tot

"Bin mal kurz tot" / L. Rubin

Der Mai ist mein absoluter Lieblingsmonat. Nicht nur, weil ich dann Geburtstag habe ;) Ich liebe den Frühling. Mehr und mehr kommt die Sonne raus, die Natur erwacht zum Leben und zeigt sich in voller Blüte. Die Farblosigkeit des Winters ist vorüber. 
Außerdem ist der Mai seit einiger Zeit auch ein Schicksalhafter Monat für mich (ja ich glaube an so was :D). Mein Herzensmann hat am selben Tag Geburtstag wie ich, wir haben uns im Mai kennengelernt und unser Jahrestag ist auch im Mai. Für mich ist es fast selbstverständlich, dass dies im Monat Mai passiert ist, denn der Mai ist für einfach ein ganz besonderer Monat. 

Euch allen einen wunderschönen Mai. Genießt den Frühling, all die Freude und wundervollen Momente, Gefühle und Erlebnisse, die er mit sich bringt.

09.05.15

Das Ende von Eddy / Édouard Louis



Eddy lebt in einem kleinen, rückständischen und ärmlichen Dorf im Norden Frankreichs. Er ist anders als die anderen Jungs im Ort. Er bewegt sich anders, er spricht anders, er hat andere Interessen. Für seine Schulkameraden ist das ausreichend, um ihn zu verspotten. Er wird Opfer ihrer verbalen und physischen Gewalt und weiß bald selbst nicht mehr, ob er das ist, was man ihm vorwirft zu sein, oder ob er ein ganz normaler Junge ist, so wie andere auch.

"Die Tritte in den Bauch nahmen mir die Luft, ich konnte nicht mehr atmen. Ich riss den Mund auf, so weit ich konnte, um Sauerstoff einzuatmen, ich blähte die Brust, aber die Luft wollte nicht hinein; ein Gefühl, als wären meine Lungen unvermittelt mit einem dickflüssigen Saft gefüllt, mit Blei. Mein Körper zitterte, schien mir nicht mehr zu gehorchen."

Eddy ist ganz klar ein Opfer. Opfer von Gewalt, Opfer von Misstrauen gegenüber Unbekanntem, Opfer von Angst gegenüber Unbekanntem und Opfer einer Familie, in der es schon immer Opfer gegeben hat.

Täglich steht Eddy Gefahren gegenüber, die ihn zermürben. Beginnend in der eigenen Familie, endend in der Schule und im "Freundes"kreis.

Der Vater ein Säufer, wie auch schon dessen Vater. Einzig die Eigenschaft andere zu verprügeln, hat dieser vorerst nicht übernommen. Dafür ist dieses Genmaterial auf den Bruder übergesprungen, der kleingeistig, wie die anderen Geschwister auch, denkt, dass Gewalt und rauer Umgang zum guten Ton dazu gehören. Wer nicht säuft, nicht schlägt, nicht vögelt, ist kein richtiger Mann. Wer beim Anblick eines Mädchens keinen Steifen kriegt, ist eine Verabscheuungswürdige Kreatur. So einer wie Eddy eben. Wertlos und Nichtsnutzig.

Die Mutter kalt, gefühllos und in Selbstmitleid versunken. Die Augen so sehr auf sich selbst und das Ansehen der Familie gerichtet, dass kein Blick mehr für Eddys Not übrig ist.

Und Not hat er reichlich. Deutlich sichtbar in Blutergüssen und Verletzungen, aber vor allem auch innen drin. In seiner Seele, seinen Gedanken, die um nichts anderes kreisen als darum wer er ist, wie er zu dem werden kann, der er sein sollte und warum ihm das nicht möglich ist.

"Zuerst kommt man nicht darauf zu fliehen, weil man gar nicht weiß, dass es ein Anderswo gibt."

Édouard Louis hat einen sehr schockierenden und bewegenden Roman geschrieben, der bei mir manchmal Übelkeit hervorgerufen hat. Es ist kaum auszuhalten, welche Demütigungen Eddy über sich ergehen lassen muss, aber vor allem auch, wie allein er damit und seinen seelischen Qualen ist. Angelehnt ist die Geschichte an Édouard Louis' eigene. Er hat es geschafft aus der dörflichen Provinz, in der jeder Scheuklappen trägt, demotiviert ist und in eigenem Elend versinkt, in ein Leben in dem er Anerkennung bekommt. Höchste Anerkennung von meiner Seite für einen Roman, in der er in höchster sprachlicher Qualität, poetisch wie dramatisch seine eigene Zerrissenheit darstellt. Ohne wertend zu sein und auch das Verhalten seiner Eltern, seiner Geschwister und Mitmenschen so aufzuzeigen, dass der Leser sich Gedanken darüber macht wie es zu solch einem Vorgehen kommen kann. Menschen, die durch erlebtes und erlerntes in Rollen gepresst wurden, aus denen sie sich nur schlecht befreien können.

Édouard Louis hat es geschafft sich zu befreien. Setzt sich ein gegen Homophobie, versucht den Blickwinkel der Menschen zu erweitern, Verständnis zu wecken und ermahnt sie Achtung voreinander zu haben.

Buchinfo:


S. Fischer (2015)
208 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
18,99 € 
Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel

08.05.15

Manchmal Rot / Eva Baronsky



Angelina ist Putzfrau und "funktioniert" ganz gut. Sie erledigt ihren Job ordentlich, kümmert sich brav um ihre Mutter, kocht für ihren Freund, der sie immer wieder versetzt, und gibt ihm auch noch ihr hart verdientes Geld, das er dann im Casino verspielt. Das ist nicht das Leben, das Angelina sich gewünscht hat, aber was soll sie schon machen. Sie kommt ja eh nicht daraus, hat ja in der Schule nicht einmal richtig lesen und schreiben gelernt.

Christian ist Anwalt. Verdient mehr Geld als er ausgeben kann. Ist ein wichtiger Mann in der Kanzlei, weil es ihm immer wieder gelingt die richtig großen Fische an Land zu ziehen. Seine Freundin hingegen ist ihm davon geschwommen. Nun sitzt er da, einsam, mit einem Haufen Schwarzgeld, an das er irgendwie unglücklich geraten ist und dass er nun loswerden muss, um nicht im Gefängnis zu landen.

Da kommt es ihm ganz recht, dass seine - unangemeldete - Putzfrau bei einem Sturz von der Leiter ihr Gedächtnis verloren hat. Eigentlich wollte er nur hilfsbereit sein - musste er ja, denn er hätte sie kaum blutend in seiner Wohnung liegen lassen können -, aber dann erkennt er in ihr eine Möglichkeit sich selbst zu retten.

Rettung ist ein Schlagwort dieses Romans, der von Eva Baronsky in feinen Fäden verwoben wurde. Sowohl Christian als auch Angelina sind auf dem Weg sich in eine Richtung zu entwickeln, in der sie beide nur Schaden nehmen können. Angelina, die sich unter Wert verkauft und nach dem Unfall plötzlich ganz prächtig lesen und schreiben kann, die Klavier spielt, als sei sie mit Musik zur Welt gekommen und könne Töne fühlen, und Christian, der von Macht und Gier besessen in eine unglückliche und einsame Zukunft schippert und durch Angelinas "Echtheit", der Neugier eines Menschen, der die Dinge zum ersten Mal sieht und versucht sie bis ins kleinste Detail zu verstehen, zurück geholt wird in die Realität. Der nun seine Augen öffnet.

Besonders ergreifende Momente des Romans sind solche, in denen Angelina die Welt, die ihr so unbekannt geworden ist, erkundet. Melodiös und anrührend beschreibt die Friedrich-Hölderlin Preisträgerin Angelinas Schritte ins (neue) Leben.

Als modernes Märchen wird der Roman beschrieben. Eine Meinung, die ich teile. Märchen, weil es trotz offenen Endes doch einen eher "happy ending" Verlauf gibt und weil der Leser unbewusst ins Fahrwasser der Hoffnung und Gutgläubigkeit gerät, modern nicht nur wegen Christians Handykonsum, sondern vor allem deswegen weil die Rettung eben nicht nur vom Prinzen ausgeht. Mehr und mehr entwickelt sich die scheue Prinzessin zur wahren Heldin des Romans. Schön, strahlend, aber vor allem mit viel Stärke, spielt sie sich ins Herz der Leser und macht "Manchmal Rot" zu einem Roman, an den man gerne zurück denkt.

Buchinfo:


Aufbau (2015)
352 Seiten
19,95 €


"Magnolienschlaf" / Eva Baronsky

Aufbau auf Facebook


07.05.15

Jahre wie diese / Sadie Jones



"Sie hatte keine Ahnung, dass sich hinter Tante Mats Fürsorge Liebe versteckte, da sie selbst Liebe mit Sehnsucht gleichsetzte."

Nina ist die Tochter einer Schauspielerin. Ihre Mutter hat vor allem sich selbst im Sinn. Beruf, Erfolg, Karriere, Ansehen. Die Wirkung auf andere ist ihr so wichtig, dass ihr die eigene Tochter nur hin und wieder ins Gedächtnis gerät. Nina, die bei einer Tante aufwächst, himmelt die Mutter an. Sie verehrt sie auf eine eher ungesunde Weise, möchte ihr gefallen, indem sie alles macht, was die kühle Person die sich Mutter nennt, - die ihre Rolle aber schlechter ausfüllt, als sie es jemals mit ihren Rollen im Theater getan hat -, von Nina verlangt. So beugt sie sich auch dem Wunsch Schauspielerin zu werden.

"Jetzt, wo er älter war, waren die Nächte unbestimmter und dunkler, und die Welt war in jedem Fall ein viel zu dunkler, quälender Ort, und so machte er das Licht an, wenn er nicht schlafen konnte, und schrieb."

Luke lebt gemeinsam mit seinem Vater in einer kleinen Wohnung. Seine Mutter ist schon seit Jahren in einer Psychiatrie. Lukes ebenso hoffnungsvoller wie verzweifelter Versuch seine geliebte Maman aus der Klinik, die ihm schier unerträglich scheint, für sie aber zum gewohnten Umfeld geworden ist, zu retten, scheitert. Er vergräbt sich in Arbeit, steigt immer höher auf der Karriereleiter. Es mangelt ihm weder an Geld, noch an Frauen, die ihm ihre Liebe aufbinden wollen und doch ist er einsam und unzufrieden. Als er Leigh und Luke, ein junges Paar aus London, das sich ganz und gar dem Theater verschrieben hat, bemerkt er, dass er falsch ist, in dem Leben, das er führt. Die Rettung der Mutter ist gescheitert, doch die eigene hat er immer noch selbst in der Hand.

"Da waren sie wieder, die gewohnte, schmerzliche Freude des Suchens und der Mangel; die Distanz zu dem, was Liebe hieß, die ihn geformt hatte. Die Prägung, die dafür gesorgt hatte, dass sein Herz verkümmerte."

Der Blickwinkel wird mal verstärkt auf Luke, mal verstärkt auf Nina bzw. deren Umfeld gelegt. Er führt uns in die 70er und 80er Jahre, in die Geschichten vier junger Menschen, die unumgänglich miteinander verwoben sind. Sympathisch sind sie alle. Vom ersten Moment an. Niemand der vier scheint so stark verbunden zu sein wie Luke und Nina, deren ganzes Leben beeinflusst wurde durch die wichtigste weibliche Person im Leben eines jeden Menschen: die Mutter. Luke, der trotz der scheinbaren Schwäche der eigenen Mutter, trotz ihrer körperlichen wie auch manchmal geistigen Abwesenheit, die Stärke der Mutter, ihre Illusionen, ihre Träume und Hoffnungen aufgenommen hat. Auf der anderen Seite Nina, die nie Illusionen aufbauen konnte, da sie ihr von der Mutter ebenso zerstört wurden wie ein klares Bild der Realität. Beide jungen Menschen immer auf der Suche nach dem was sie glücklich macht. Scheinen nicht zu erkennen, dass das Glück manchmal direkt vor der Nase liegt.

" '[...] Warum hören wir nie auf, daran zu glauben?'
'Woran?'
'Daran, dass Rettung möglich ist.' "

"Jahre wie diese" ist mein erster Roman der Engländerin Sadie Jones, mit Sicherheit aber nicht der Einzige, der den Weg in mein Bücherregal finden wird, denn ich bin ganz verzaubert von ihrem Vermögen Atmosphäre zu erschaffen. Atmosphäre, die mich mitgerissen hat, die mich immer wieder zum Buch greifen lies, das ich bewusst in kleinen Stücken genossen habe. Ich bin gerne zurückgekehrt in die Gesellschaft der vier jungen Menschen, die sich manchmal in ihren Träumen und Hoffnungen verirrt und verloren haben, und doch immer wieder zurückgeholt wurden auf den Boden der Tatsachen. "Jahre wie diese" ist ein ganz fein gezeichneter Roman über die Besonderheiten und Ausprägungen der mütterlichen Liebe, aber auch ein wunderschöner Roman über Liebe, wenn die Geschichte auch manchmal den Weg der Dramatik einschlägt. Umso größer sind die Gefühle dann jedoch, wenn sie sich wieder in die von allen Liebenden erhoffte Richtung entwickeln. Ein Roman, den ich sehr genossen habe und gerne weiter empfehle.

Buchinfo:


DVA (März 2015)
416 Seiten
19,99 €
Originaltitel: Fallout
Übersetzung: Brigitte Walitzek


03.05.15

[Reiseproviant] #17

Hallo ihr Lieben,


seid ihr gut in den Mai gekommen? Der Mai ist mein Lieblingsmonat, nicht nur, weil ich dann Geburtstag habe, sondern, weil die Farben der Natur so toll sind, weil sich alles wieder mit Leben füllt, weil (meistens) die Sonne wieder hervor kommt, alles grünt und blüht und ... ach ich könnte etliche Gründe aufzählen, warum der Mai so toll ist.
Umso mehr freue ich mich, dass ich im Mai wenige Arbeits- und viele freie Tage habe. Und an denen werde ich gaaaanz viel lesen :)

Buchproviant:



"Wir sehen uns dort oben" und ich, war Liebe auf den ersten Blick. Das Cover hat für mich so viel Aussagekraft, ist bestechend und erzählt so viel. Ich hoffe, dass der Inhalt sich damit deckt. Schauplatz ist das Ende des ersten Weltkriegs, ein Zeitalter, mit dem ich mich sehr gerne beschäftige.
Als mir letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse diese Sammlung aus Kurzgeschichten empfohlen wurde, bekam ich einen dicken Kloß in den Hals. Autorin Marina Keegan ist im Alter von 22 Jahren, kurz nach ihrem Yale Abschluss, bei einem Autounfall ums Leben gekommen. In "Das Gegenteil von Einsamkeit" drückt sie das aus, was sie bis zu ihrem Tod begleitet hat: Die Freude am Leben.
Im letzten Jahr habe ich mich ein bisschen vom Fantasygenre entfernt, dass mir früher mal eins meiner liebsten war. Im Jahr 2015 sieht es schon ganz anders aus. Fantasy und ich nähern uns wieder an und so konnte ich in diesem Jahr schon einige spannende Geschichten und interessante fantastische Gestalten kennen lernen. Deshalb habe ich mir auch vorgenommen jede Woche mindestens einen Fantasyroman zu lesen. Alexey Pehov, der mich bisher mit jedem seiner Werke fesseln konnte, darf dann natürlich nicht fehlen. Ich freue mich schon in "Dunkeljäger" einzutauchen.

Welches der Bücher kennt ihr?
Auf welchen Roman seid ihr jetzt neugierig geworden?


Lebensreise:


Gestartet: ist gestern die Leserunde zu "Heute beginnt der Rest des Lebens".
Wer die schönen Bücher von Marie-Sabine Roger ebenso mag wie die Bibliophilin, Bianca von Literatwo, Alexandra
aus dem Bücherkaffee und ich, und zudem einen von vier tollen Preisen gewinnen möchte, der darf dort gern noch einsteigen.
Infos findet ihr auf einem der oben genannten Blog oder auch hier bei mir.
Veranstaltet wird die Leserunde auf Facebook.

Gegrillt: Spaaaaargel.
Soooo lecker!!

Gefreut: Letztes Jahr haben der Herzensmann und ich zum ersten Geburtstag
im eigenen Haus jeweils einen Apfelbaum bekommen. Besonders meiner ist im letzten Jahr eher zaghaft gewachsen,
hat kaum grün und keinen einzigen Apfel getragen. Im Winter haben die Rehe dann an beiden Bäumchen geknabbert
und wir dachten schon, dass sie jetzt eingehen.
Aber - was eine Freude - sie haben sich erholt und tragen jetzt schon feine Knospen.

Gekauft: Einen neuen Mixer.
Ich trinke ja täglich Smoothies. Sowohl pur aus Obst, aber auch gerne Grüne. (Siehe auch den Post "Ich detoxe jetzt auch").
Da mein alter Mixer sehr umständlich zu bedienen war und die Zubereitung sehr lange dauerte, habe ich mir dieses Exemplar bestellt und bin total begeistert.
Die Zubereitung ist schnell und einfach, der Smoothie befindet sich direkt in dieser tollen Trinkflasche und der Preis von 27,99 € ist unschlagbar. 


Euch allen einen wunderschönen Sonntag und eine sonnige Frühlingswoche :)



02.05.15

Battle of Princes 01: Kampf um den Thron - Justin Somper



Jared ist entsetzt. Sein Bruder Anders, Prinz von Archenfield, gerechter und geliebter Herrscher, wird tot in seinem Gemach aufgefunden. Cousin Axel, Anführer der Wache, vermutet, dass Anders ermordert wurde. Gift, bestätigt auch Haus- und Hofarzt Elias. Wer hat dem Monarchen dies nur angetan?

Bei seiner Krönung hat Anders Jared als seinen Edling ernannt. Das heißt, dass er in der Thronfolge direkt hinter seinem älteren Bruder steht und im Falle seines Ablebens die Stelle als Prinz einzunehmen hat. Jared fühlt sich damit zunächst überfordert. Mit gerade mal 16 Jahren und wenig Talent im Jagen und Kämpfen, hält er selbst sich nicht für einen geeigneten Nachfolger.

Asta ist Arztlehrling und als solche eine geeignete Assistent bei der Aufklärung der Todesursache. Sobald diese definiert werden kann, ist ihre Aufgabe erledigt. Die Neugier lässt sie nicht ruhen und so versuchen sie und Prinz Jared auf eigene Faust den Mörder zu finden. Leider werden sie nur allzu schnell von der Erfahrung überrollt, dass man nicht jedem trauen kann.

Justin Somper, der mit seinen Vampiraten Büchern bekannt wurde, hat eine neue Jugend-Fantasyreihe erschaffen, die von der ersten Seite an begeistern kann. Sprachlich fein und klar, hat mich der erste Band der "Battle of Princes" Serie direkt in Bann gezogen. Geheimnisse und aufregend verwobene Machtspielchen, begegnen dem Leser und führen von einer Fährte auf die nächste, so dass die Spannung nie verloren geht.

Die beiden Protagonisten Jared und Asta sind sehr sympathisch. Gern folgt man ihnen in die Geschichte, die einem Krimi gleicht und doch die passende Atmosphäre hat, um im Fantasy Genre Fuß zu fassen. Ich freue mich, ihnen auch im nächsten Band "Krieg und Verschwörung" zur Seite zu stehen, denn das spannende Ende von "Kampf um den Thron" zeigt dem Leser, dass Prinz Jared in seiner Position noch lange nicht in Sicherheit ist.

Buchinfo:


cbj (Dezember 2014)
448 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
Originaltitel: "Allies & Assassins #1"
Übersetzung: Michaela Link

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