[Buchgeflüster]² Rund um das Thema Rezensionen



Unser heutiges [Buchgeflüster]² , das ein Gemeinschaftsprojekt von Lesemomente und mir ist, dreht sich um den Kern der Literaturblogs: Rezensionen.

Tine: Wir beide haben unsere Blogs jetzt schon seit etwa 5 Jahren und haben in dieser Zeit einige hunderte Rezensionen geschrieben. Wie haben sich deine Rezensionen innerhalb dieser Jahre verändert?

Meine Rezensionen haben sich sowohl optisch, als auch inhaltlich verändert. Am Anfang habe ich z.B. den Klappentext von der Verlagsseite wegkopiert, weil es mir oft auch total schwer fiel den Inhalt zusammen zu fassen. Heute beschreibe ich selbst, was im Buch vorkommt, kann so auch die Elemente nennen, die ich wichtig finde oder diejenigen, die man - meiner Meinung nach - getrost weglassen kann. Früher waren meine Rezis eher kurz, heute muss ich mich manchmal selbst zügeln, um nicht zu ausufernd über ein Buch zu schreiben.
Eigentlich habe ich erst seit dem letzten Jahr das Gefühl meine Art der Rezension "gefunden" zu haben. Darin verwende ich gern Zitate, weil der Leser so einen guten Einblick in die Schreibe des Autors / der Autorin bekommt. Außerdem sind meine Rezensionen nicht mehr so oberflächlich wie früher. Ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf, auch wenn ich dann manchmal zugeben muss ganz viel geheult zu haben.

Nanni: Was ist für dich ein "No Go" in Rezensionen?

Das erste, was mir in den Sinn gekommen ist, sind Spoiler! Ich bin da sehr empfindlich, das weiß ich auch selbst. Aber ich möchte in einer Rezension so wenig wie möglich über den Inhalt erfahren und mir alles selbst erlesen. Wenn dann aber noch wirklich prägnante Dinge verraten werden wie beispielsweise das Ende des Buches oder die Tatsache, dass jemand stirbt (oder vielleicht sogar wer), dann würde ich den entsprechenden Blog vermutlich nicht mehr besuchen. Ich persönlich achte in meinen Rezensionen auch sehr genau darauf - glaube ich zumindest.
Ein zweites"No Go" sind für mich eklatante Rechteschreibfehler. Wir alle vertippen uns mal, bei jedem fehlt mal hier und da ein Komma. Wenn sich das aber häuft, habe ich keine Lust mehr weiterzulesen... oder ich bräuchte einen Rotstift (die Lehrerin lässt grüßen) 

Tine: Ich finde "No Go's" sind ziemlich einfach zu benennen. Schwieriger wird es dann, zu beschreiben, was eine Rezension unbedingt enthalten sollte. Wie sieht es da bei dir aus: Was erwartest du von einer Rezension und welche Bestandteile braucht sie deiner Meinung nach unbedingt?

Mir ist es wichtig, dass der Leser einen Einblick in den Inhalt des Buches bekommt, denn was dem Einen gefällt, muss der Andere noch lange nicht mögen. Dieser muss ja nicht lang sein, aber es gibt nichts enttäuschenderes, als sich auf ein Buch zu freuen und dann etwas ganz anderes zu bekommen, als erwartet.
Dazu möchte ich gern wissen, ob ich mich eher auf was tiefgründiges einlasse oder ob mich ein Buch locker unterhält.
Infos zu Verlag, Kosten etc. gehören auch dazu. Ebenso, ob es sich um einen Einzelband handelt oder eine Reihe.
Am allerwichtigsten ist, dass die Rezi ganz ehrlich geschrieben ist. Kein Geschleime und kein beschönigen. Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, dann kann ich das auch ruhig sagen. Aber dabei bitte nicht unverschämt werden. Lesen ist ja schließlich auch Geschmackssache.

Nanni: Wenn wir schon beim Thema "gut" und "schlecht" sind, was fällt dir leichter? Eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, dass dir sehr gut gefällt oder eine, zu einem Buch, das für dich eher unter durchschnittliches Lesevergnügen fällt?

as kann ich gar nicht so genau sagen. Bei den richtig guten Büchern gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich beende das Buch und mir kribbeln schon die Finger. Dann setze ich mich direkt an den Laptop und tippe meine Rezension, die dann meist eher kurz ist, aber eben voller übersprudelnder Begeisterung. Ich hoffe, dass man das auch liest. Oder aber ich mochte ein Buch total gerne, kann aber den Finger gar nicht darauf legen, warum das so war. Das tut mir dann immer sehr leid, denn dann habe ich das Gefühl, dem Buch gar nicht so richtig gerecht zu werden.
Schwer fallen mir dann auch Rezensionen, wenn ich das Buch aufgrund des Themas so toll fand, das sich aber erst im Laufe der Geschichte so richtig herauskristallisiert. Wie beschreibe ich da meine Begeisterung, ohne zu spoilern?

Bei durchschnittlichen Büchern geht es mir meist so, dass mir die Rezensionen dazu auch durchschnittlich leicht oder schwer fallen. Man hat ja einfach einige positive und einige negative Aspekte, die man ansprechen kann.

Wirklich schwer fallen mir negative Rezensionen, wenn ich Kontakt zu den Autoren hatte. Ich möchte gerne deutlich meine Meinung sagen und eben, wie du ja schon geschrieben hast, nichts beschönigen. Aber ich habe eben auch Respekt vor dem geschaffenen Werk und möchte möglichst sachlich bleiben. Diese Gratwanderung ist nicht immer leicht.

Tine: Gibt es einen Blog, auf dem du die Rezensionen grundsätzlich gerne liest, weil sie so ziemlich all deine Erwartungen an eine gute Buchbesprechung erfüllen?

Da ich verschiedene Genres lese, sind es auch verschiedene Blogs, deren (dessen?) Rezis mich sehr ansprechen. Im Jugendbereich ist es Damaris liest, deren Rezensionen mir immer wieder Lust auf neue Romane machen, um Wunschlistenfutter aus der Belletristik zu bekommen, schaue ich sehr gerne bei Buzzaldrins Bücher vorbei. Beide schreiben recht lange Rezensionen, haben aber eine sehr gute Struktur, so dass die Rezis übersichtlich sind, und sind sprachlich sehr schön. (irgendwie macht mir der Satz Schwierigkeiten)
Außerdem hat die Zeit gezeigt, dass ich mich auf ihre Empfehlungen verlassen kann. Unsere Geschmäcker stimmen recht überein.

Nanni: Du liest ja viel High Fantasy. Auf welche spoilerfreien Rezensionen greifst du gerne zurück, wenn du dir ein neues Buch aus diesem Genre kaufen möchtest?


Puh, es gibt ja leider nicht so viele Blogs, auf denen High-Fantasy vorgestellt werden. Ich habe für mich auch noch nicht DEN Blog gefunden. Ich lese aber gerne die Meinungen auf "Armariumnostrum", "reading tidbits" und "Darkstars FantasyNews".

Greatcoats 01: Blutrecht - Sebastien De Castell



Die Greatcoats waren einst Kämpfer des Königs. Nicht seiner Person, sondern seinen Gesetzen haben sie Treue geschworen, was sie zu gerechten und edelmütigen Kämpfer machte. Doch dann wurde der König entmachtet und geköpft von habgierigen Herzögen und die Greatcoats verloren nicht nur ihre Legitimation für die Einhaltung der Gesetze zu kämpfen, sondern wurden fortan von den Menschen geächtet, beschimpft und verflucht. Ein absurder Fall nach einem kurzen Triumph. 

Als Gruppe zusammen geblieben sind einzig Kest, Brasti und Falcio, der Erste, der jemals zum Greatcoat wurde. Sie ziehen durchs Land und müssen hier und da um Arbeit betteln - eine Farce für die einst so angesehenen Kämpfer in ihren langen, beeindruckenden Mänteln. Von dieser Reise berichtet Falcio dem Leser dieses High Fantasy Romans, schwenkt immer mal wieder in die Vergangenheit, so dass man einen Eindruck darüber bekommt, wie die Greatcoats gegründet wurden, was sie ausmachte und wie es zu ihrer Vernichtung kam.

"Greatcoats" ist einer der Fantasyromane, die einfach Freude bereiten. Es ist nicht nur der Held Falcio, der von männlichen wie weiblichen Lesern gleichermaßen gemocht werden wird, sondern auch der Humor, der mich immer wieder zurück zum Buch gezogen hat. Hier und da treten unsere Helden in Fettnäpfchen, verlieren aber nicht ihre Art dem Leben die Stirn zu bieten, haben mal ein Lied, mal ein Späßchen auf den Lippen und entwickeln damit ihre eigene Form der Authentizität. Als Leser möchte man sie einfach gern auf ihrer Reise, die spannend und unterhaltsam ist, begleiten und glücklicherweise im zweiten Band "Hochverrat" weitergeht. Ich muss gestehen mir fehlen ein wenig die Worte das Buch zu beschreiben. Das wichtigste ist sowieso: Lest es und lernt Falcio, Brasti und Kest einfach selbst kennen!!

Buchinfo:


Piper (Mai 2014)
448 Seiten
Klappenbroschur
16,99 €




Zerbrochener Mond - Sally Gardner



"Zerbrochener Mond" ist ein Hörbuch, das mich nun schon seit sehr langer Zeit, sehr eindringlich beschäftigt. Es ist keins der Hörbücher, die man nebenbei hören kann, denn man muss sehr genau aufpassen, und es ist keins der Hörbücher, die man zum einschlafen hören kann. Ich versichere euch, dass ihr davon schlecht träumt. Ich konnte Sally Gardners Roman vor allem nur dann hören, wenn es mir wirklich gut ging. Wenn ich entspannt war und mich gut fühlte, denn das, was sie dort in dystopischer Form darstellt, möchte ich nicht mal annähernd in der Realität erfahren müssen.

Die britische Autorin Sally Gardner wurde für ihren neusten Roman "Zerbrochener Mond" mit der Carnegie Medal ausgezeichnet. Zu recht und doch kann ich nicht sagen, dass dieses Werk ein schönes Jugendbuch ist. Viel zu düster ist das, was den Leser hinter der wohlig warmen Stimme des hessischen Autors Andreas Steinhöfel, der sich in seinen eigenen Werken auch viel traut, erwartet.

Was wäre, wenn der zweite Weltkrieg anders ausgegangen wäre? Was wäre, wenn die Nationalsozialisten die Macht übernommen hätten und weiter für "das Wohl des Volkes" sorgen würden? Ein sehr aktuelles Thema, denn gerade geht in Deutschland eine Welle durch das Volk, das scheinbar vergessen hat, was vor nicht mal einem Jahrhundert grausames geschehen ist.

Selbst das rezensieren dieses Themas bedrückt mich so sehr, dass es wie eine Last auf meinen Schultern liegt.

Sally Gardner schafft ein interessantes Werk, das mit eben diesem Thema spielt. Das von Unterdrückung und Eingrenzung, von Machtmissbrauch und Willkür, vom Leiden der Menschen zum Wohle des Volkes erzählt. Ein Werk, dass sich sehr viel zu Gemüte führen sollten, dass wichtig ist, das jedoch nicht ganz einfach zu verstehen ist, vermutlich erst recht nicht für diejenigen, die ihre Augen so gern davor verschließen.

"Zerbrochener Mond" sollte gehört, gelesen werden. Nehmt euch Zeit für diesen Roman, dem nicht so leicht zu folgen ist. Nehmt euch Zeit ihn sacken zu lassen. Nehmt euch Zeit für euch, den Hass und Trauer sind nur schwer zu verarbeiten.

Hörbuchinfo:


Silberfisch (August 2014)
3 CDs
196 Minuten Laufzeit
Sprecher: Andreas Steinhöfel

Die Schatten von London - Maureen Johnson



Ich muss gestehen ich habe mich zunächst aufgrund des sehr ansprechenden Covers dafür entschieden "Die Schatten von London" zu lesen und war mir gar nicht so ganz sicher, ob mir der Inhalt, eine möglicherweise aufgewärmte Jack the Ripper Sache, wirklich zusagt. Der Serienkiller aus dem 19. Jahrhundert ist zwar eine sehr interessante Figur, aber gelingt es einer jungen amerikanischen (!) Autorin tatsächlich diesen Teil der englischen Historie in einen guten Roman zu verpacken ohne olle Kamellen aufzuwärmen? Ich war skeptisch ...

Doch dann begann ich zu lesen und - yes she did it!! Maureen Johnson rockt den paranormalen Jugendroman! Unfassbar wie sehr sie mich gefesselt hat. Atemraubend ist hier nicht nur eine Phrase. Mehr als einmal ertappte ich mich beim Luft anhalten, weil die Story einfach so spannend war. Ich habe fast meinen kompletten freien Sonntag mit lesen verbracht. Nur fast, denn das Buch war schneller durch, als der Tag.

Rory ist Amerikanerin und zieht mit ihren Eltern nach London. Sie wird dort das altertümliche Internat Wexford besuchen. Am Tag ihrer Anreise geschieht in London ein brutaler Mord, der sehr an die Morde von Jack the Ripper erinnern. Während Rory sich an englische Gepflogenheiten gewöhnen und mit zickigen Mitschülerinnen zu kämpfen hat, werden weitere Frauen ermordet und verstümmelt. Wie auch der erste scheinbar eine Kopie der Handschrift des alten Jack. Die Polizei geht davon aus, dass der Mörder auch weiterhin seinem Vorbild nacheifern kann und versucht die Morde voraus zu berechnen. Das versetzt nicht nur ganz London in Angst und Schrecken, sondern auch das Internat Wexford, denn es liegt im Zentrum der brutalen Taten. Und ehe Rory sich versieht, ist sie mitten im Geschehen.

Rory ist eine Protagonistin, die man vom ersten Moment an mag. Ein Mädchen, das sein Herz auf der Zunge trägt, auch mal ein Fettnäpfchen mitnimmt und ein Kumpel zum Pferde stehlen ist. Mit so einer Figur verbringt man gern seine Lesezeit. Vor allem dann, wenn die Schöpferin trotz Debütantinnen Status schon so gut schreibt. Ich mag gar nicht so gern ins Detail gehen, denn im Roman lauern so viele Überraschungen, die jeder Leser selbst entdecken sollte. "Die Schatten von London" ist ein Jugendroman, der Spaß macht, den man gerne liest und der zum Glück der Auftakt einer Reihe ist, denn auf Rory möchte ich in meinem (literarischen) Bekanntenkreis nicht mehr verzichten!

Buchinfo:


cbt (Dezember 2014)
512 Seiten
Klappenbroschur
13,99 €
Originaltitel: The Shades Of London #1
Übersetzung: Anja Galic

hier kaufen

Reiheninfo:


1) Die Schatten von London
2) Die Schatten von London: In Memoriam (ET: Juni 2015)


[Reiseproviant] #9

Bücherproviant:




Die Geschichte zweier Generationen, die einschneidende historische Ereignisse miterleben. Eine Liebe in Berlin, beginnend im ersten Weltkrieg, sie ihre eigenen Auswirkungen auf das Leben einer jungen Frau im Berlin des Mauerfalls hat.
Ich liebe Geschichten, die Anfang des 20. Jhdts. spielen und verspreche mir hier eine Liebesgeschichte vor spannender historischer Kulisse in faszinierender Atmosphäre.

"Unterholz" / J. Maurer:
Die Alpenkrimis von Jörg Maurer lese ich, seit der zweite Band erschienen ist. (Den ersten habe ich dann nachgeholt). Ich mag seine ironische Denkweise und seine Art von Humor gern. Protagonist Jennerwein und seine Probleme sind aus dem Leben gegriffen, was ich bei Krimis ganz gern mag. Bevor im Oktober der neuste Band erscheint, muss ich dringend die letzten beiden nachholen und freue mich schon jetzt auf eine Lesereise in die Alpen.

"Ein Mann namens Ove" / F. Backmann:
Ove ist ein Nachbar, den keiner sich wünscht. Er ist grummelig, engstirnig und ein Kontrollfreak. Der Klappentext verspricht, dass hinter seiner harten Schale ein weicher Kern steckt und hinter dem bunten Cover eine berührende Geschichte. Ein Nummer 1 Bestseller aus Schweden.

"Drowning Instinct" / I.J.Bick:
Ich möchte in diesem Jahr jeden Monat ein englisches Buch lesen. In diesem "Drowning Instinct" von Ilsa J. Bick, dessen Übersetzung im Verlag Egmont Ink erschienen ist und bei seinen Lesern für begeisterte Stimmen gesorgt hat.

Habt ihr schon eins der Bücher gelesen? Welches möchtet ihr gern noch lesen?
Welche Reihe lest ihr eigentlich gern, ist von euch aber vernachlässigt worden?

Lebensreise:


In meinem kleinen Büchlein (wer es noch nicht kennt, s. Reiseproviant #7)
steht für diese Woche ein bisschen Entspannung, was ich nach der vergangenen
auch dringend benötige!

Gesehen: "Fack Ju Göhte"
Genial und absolut empfehlenswert!!

Gelesen: Die neue Flow.
Ich mag die psychologisch angehauchten Artikel immer total gern.
Wer von euch liest sie auch?

Gekauft: Tee!! Ganz viel!!
Bei "5 Cups Tea and some Sugar" kann man Tee selbst mischen.
Man sollte schon ein bisschen Tee-Erfahrung haben, denn so einfach,
wie man es sich vorstellt ist es gar nicht. Habe schon drei der
Tees ausprobiert. Zwei sind super lecker, in einem ist definitiv
zuviel Fenchel. Ich mag Fenchel (wie man beim nächsten Bild sieht), aber
man schmeckt einfach nichts mehr von den anderen Zutaten.

Gegessen: Fenchelauflauf
Suuuuper lecker!!
3 Knollen Fenchel, putzen, 5 Min. in kochendem Salzwasser garen,
in eine gefettete Auflaufform geben, mit Salz, Pfeffer, Rosmarin und Thymian würzen,
mit ca. 175 - 200 ml Weißwein übergießen,
bei ca. 180° Umluft etwa 15 Min. in den Backofen
1 Zwiebel, 2-3 Frühlingszwiebeln, Knoblauch, in kleine Würfel schneiden,
1 Pk. Cherry Tomaten und etwa ein halbes Glas Oliven klein schneiden,
alles zusammen anbraten und mit Salz und Pfeffer abschmecken,
über den Fenchel geben,
geriebenen Käse mit Semmelbröseln vermischen und darüber streuen.
Noch mal ca. 20 Minuten in den Ofen .

Euch allen einen entspannten Restsonntag und eine  spannende Woche :)

Ich nannte ihn Krawatte - Milena Michiko Flasar



"Der unsichtbare Faden hat einen vom Augenblick der Geburt an mit dem anderen verbunden. Ihn zu kappen, dazu bedarf es mehr als nur eines Todes und es nützt nichts dagegen zu sein."

Zwei Männer begegnen sich auf einer Parkbank. Einer jung, einer Alt. Etwas verbindet die beiden. Sie beide leben in ihrer eigenen Welt, haben sich eine Illusion erschaffen in der sie sich nicht unbedingt wohl, aber sicher fühlen. Zwei, die sich von ihren Mitmenschen abgegrenzt haben, weil es ein Erlebnis in ihrem Leben gab, das sie nachhaltig beeinflusst hat. Ein trauriges Erlebnis das, könnten sie die Zeit zurück drehen, vielleicht anders begangen würde. Oder auch nicht, denn es war vor allem Mut, der ihnen fehlte, und den sie sich in ihrer selbst gewählten Isolation nicht erschaffen konnten.

"Er liebte die Dämmerung. Das Licht, sagte er, sei dann traurig und freundlich zugleich. Es trauere um den Tag, der vergangen, es freue sich auf die Nacht, die angebrochen sei."

Milena Michiko Flasar lebt in Wien, ist Tochter einer Japanerin und eines Österreichers und mit beiden Kulturen vertraut, scheinbar fasziniert von der weit entfernten Japans. Ihre Worte berühren mich vom ersten Satz an und können es fast durchweg. Auf sehr sanfte und ruhige, aber bewegende und vor allem kluge Weise, bringt sie dem Leser das japanische Familienleben näher, das für mich teilweise sehr befremdlich ist.

"Ich, der Kyoko niemals betrogen hat, fühle mich, als ob ich eine Geliebte hätte. Ihr Name ist Illusion. Sie ist nicht schön, aber hübsch genug."

Der Ton der Erzähle ist melancholisch und voller Selbstzweifel. Beide haben eine schwere Last aus der Vergangenheit zu tragen. Der Junge ist ein Hikikomori, ein junger Mensch, der sich innerhalb der Familie isoliert. Er lebt im selben Haus wie seine Eltern, in der selben Wohnung und doch haben beide Generationen keinerlei Kontakt zueinander. Was bringt einen Menschen dazu, sich so einzuigeln?

"Ich fragte mich oft, warum man das nicht mehr kann, sinnlos glücklich sein. Warum man, wenn man groß wird, in engen und niedrigen Räumen sitzt, egal wo man ist, höchstens von einem Raum zum anderen geht, wo man doch als Kind in einem Raum ohne Wände war. Denn so habe ich es in Erinnerung: Als ich klein war, war mein Obdach meine Gegenwärtigkeit."

Der Alte hat schon seine Erfahrungen gemacht, er scheint die Weisheit der Jahre mit sich herum zu tragen, die ihm einst wenig genützt haben, als er einen großen Fehler begangen hat. Nun ist er arbeitslos, traut sich nicht seiner Frau, die von ihm so liebevoll beschrieben wird, dass der Leser das Gefühl bekommt, schon lange mit ihr bekannt zu sein, davon zu erzählen. Vordergründig zwei bemitleidenswerte Schicksale, doch zwischen den Zeilen ist für den, der die Augen offen hält, eine ganz wundervolle Geschichte über Familie, Zwischenmenschlichkeit und die Erfüllung der Liebe zu entdecken.

Buchinfo:


btb (März 2014)
144 Seiten
Taschenbuch 
8,99 €



[Abgebrochen] Der unglaubliche Sommer des Tom Ditto - Danny Wallace



"Der unglaubliche Sommer des Tom Ditto" erzählt vom Radiomoderator Tom, der überraschend von seiner Freundin verlassen wurde. Von einem Tag auf den Anderen ist sie verschwunden, hat ihm lediglich einen Zettel hinterlassen, auf dem steht, dass sie weg ist. Angestrengt versucht Tom herauszufinden wo sie hin ist und warum sie gegangen ist.

Was weiter im Buch passiert weiß ich leider nicht, denn ich musste den Roman abbrechen. Ich überlege mir genau, ob ich das tue, denn ich habe großen Respekt vor jedem Autor, dem es gelingt einen Roman zu schreiben und diesen dann auch noch bei einem renommierten Verlag zu veröffentlichen. Doch mein SuB ist hoch und es erscheinen viel zu viele Bücher, in denen die Geschichten mich eher packen, als es bei Danny Wallace neustem Roman der Fall war, also entschied ich mich das Buch abzubrechen.

Grund dafür war, dass der Autor einen unglaublich langen Atem hat. Er zögert Dinge heraus, so dass sie immer länger und zäher werden. Er kommt einfach nicht so recht in die Pötte. Da kann man mal drüber hinwegsehen, wenn man das Gefühl hat, dass später noch etwas spannendes passiert, so wie es hier auch angepriesen wird. Dafür muss man aber auch einen Draht zum Protagonisten bekommen. Und den hatte ich einfach nicht. Es tut mir sehr Leid, Tom Ditto, aber ich finde dich unsagbar langweilig und kann verstehen, dass deine Freundin dich verlassen hat. Aber jedes Töpfchen findet sein Deckelchen. So wie du sicher wieder eine neue Liebe finden wirst, wird Danny Wallace sicher auch Leser finden, die "Der unglaubliche Sommer des Tom Ditto" mögen. Ich gehöre nur leider nicht dazu.

Buchinfo:


Heyne (September 2014)
448 Seiten
Paperback
14,99 €
Originaltitel: Who is Tom Ditto?
Übersetzung: Jörn Ingwersen



Was ich weiß von dir / Meg Rosoff



"Wie meine Namenspatronin, Mila die Hündin, weiß ich immer, wo ich bin und was ich tue. Ich neige nicht zu Verträumtheit und habe etwas von der Entschlossenheit eines Terriers. Wenn etwas auffällig ist, bemerke ich es als Erste."

Die zwölfjährige Mila - benannt nach dem Hund der Großmutter oder auch nicht, weil Mila eben einfach ein schöner Name ist - lebt gemeinsam mit ihren Eltern in London. Ihre Familie ist so multikulti wie die Stadt. Mutter Marieka, Geigerin mit holländischen Wurzeln, Vater Gil, Übersetzer, und von mehreren Kulturen abstämmig. Mila fühlt sich als ein Mischling, was gut ist, denn die sind robust und haben von all ihren Vorfahren beste Eigenschaften geerbt. Als Gils bester Freund Matthew, der in den USA lebt, verschwindet, machen sich Mila und ihr Vater auf den Weg seiner Frau Suzanne bei ihrer Suche behilflich zu sein.

"Ihr Geruchssinn ist hundertmal schärfer als meiner und malt ganze Bilder von Orten, an denen sie noch nie gewesen ist. 

Für Spürnase Mila, die einen ganz interessanten und scharfsinnigen Blick auf ihre Mitmenschen hat, ein Abenteuer genau nach ihrem Geschmack. Schade nur, dass sie ihre Freundin Catlin zurücklassen muss, denn ihre Freundschaft wächst gerade erst wieder zusammen und Catlin macht zudem eine sehr schwere Zeit durch, weil sich ihre Eltern trennen werden. Für Mila, die in einem so harmonischen Familiengefüge aufwächst unvorstellbar. Ebenso wie die Tatsache, dass Matthew nicht nur verschwindet ohne eine Nachricht zu hinterlassen, sondern dass er dabei seinen kleinen Sohn Gabriel und die Hündin Honey zurücklässt.

"Die Sprache, die ihre Gedanken gliedert, scheint niemand sonst zu sprechen."

Schon einige Jahre bin ich begeisterte Leserin von Meg Rosoffs Büchern, die immer ein bisschen besonders sind. Wie auch in vergangenen Werken begeistert mich in "Was ich weiß von dir" wieder mal die Protagonistin auf besondere Weise. Ich mag es wie Mila, die ihre Charaktereigenschaften  häufig auf witzige, aber nicht überdrehte Art, mit denen von Hunden vergleicht, die Welt und ihre Mitmenschen betrachtet. Sie hat diese Eigenschaften auf Menschen zuzugehen, aber eine gewisse Skepsis zu behalten und so auch mal hinter die Fassade zu blicken. Und so ist sie eine der ersten, die bemerkt, dass hinter Matthews Flucht Geheimnisse stecken, die sich schon über Jahre angestaut haben.

"Was ich weiß von dir" ist ein sehr schöner, witziger und erlebnisreicher Jugendroman in der Art eines Road Movies. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Geheimnisse, sondern auch Sehnsüchte, die Menschen oftmals zu Taten verleiten, die sie später bereuen, aber eben auch dafür sorgen, dass man oftmals ein Gefühl der Ruhelosigkeit entwickelt. Meg Rosoff erzählt von Familien, die harmonisch miteinander leben, aber auch von Disharmonien in diesen familiären Beziehungen. Die manchmal auf gesunde Art den Schwung erhalten, aber auch manchmal ein Eigenleben bekommen und einen Stein ins Rollen bringen, der nur schwer aufzuhalten ist. Alles in allem ein spritziger, aber auch einfühlsamer Roman mit einer tollen Protagonistin, der bei mir für sehr unterhaltsame Lesestunden gesorgt hat.

Buchinfo:


Fischer KJB (2014)
272 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
14,99 €
ab 12 Jahren
Übersetzung: Brigitte Jakobeit


Meg Rosoff auf Fantasie und Träumerei:





[Reiseproviant] #8

Bücherproviant:


Da ich den Reiseproviant heute vom Handy aus veröffentlichen muss, ist er leider in etwas abgespeckter Version.

"Sie nannten ihn Krawatte" / M. M. Flasar:
Dieses Buch macht schon allein durch Titel und Cover auf sich aufmerksam. In Kombination übt es eine gewisse Faszination aus, die mich dazu gebracht hat, mir den Klappentext mal genauer anzuschauen: Zwei Menschen begegnen sich auf einer Parkbank. Einer jung, einer alt. Beide nicht dem entsprechend, was landläufig als "Die Norm" bezeichnet wird. 
Das interessante am Lesen ist, das man Menschen kennenlernt. Dass man etwas über ihre Lebensgeschichte erfährt und den eigenen Horizont erweitert.
Diese beiden Protagonisten sind Menschen, die ich unbedingt kennen lernen möchte.

"Die Schatten von London" / M. Johnson:
(Nicht auf dem Foto)
Wer meinen Blog schon länger liest weiß, dass ich eher zart besaitet bin. Doch jetzt überkam mich mal die Lust nach etwas aufregendem. Manchmal muss der Puls einfach in Wallung gebracht werden ;)
Was bietet sich da mehr an als eine Story über den bekannten Killer "Jack the Ripper".

"Greatcoats 01: Blutrecht" / S. DeCastell:
Eine Fantasyempfehlung meiner lieben Tine.
Die Greatcoats waren einst die Helden des Königs, sind seit dessen Tod aber weit verstreut und eher als Verräter, Diebe und Mörder bekannt. Klingt vielversprechend :)

"Not that kind of Girl" / J. Dunham:
Ja, auch mich hat das Buch der Erfinderin der TV Serie "Girls" erreicht. Ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet. Bisher habe ich so viele unterschiedliche Meinungen dazu gelesen, dass ich ganz unvoreingenommen daran gehe, mir ein eigenes Bild zu machen.

Welches der Bücher habt ihr schon gelesen? Welches wollt ihr noch lesen?





Silber: Das zweite Buch der Träume - K. Gier

ACHTUNG!! DIES IST DER ZWEITE BAND DER "SILBER"-TRILOGIE
UND KANN SPOILER ZU TEIL 1 ENTHALTEN!!!



Eine der meist erwarteten Fortsetzungen im Jahr 2014 war mit Sicherheit "Silber. Das zweite Buch der Träume". Kerstin Gier ist schon lange ein Garant für traumhafte Geschichten, was sie mit ihrer aktuellen Trilogie für Jugendliche wieder unter Beweis gestellt hat. Seit dem Erfolg der Edelstein Reihe, die nicht nur in mehrere Sprachen übersetzt, sondern auch verfilmt wurde, ist die sympathische Kölnerin sicher eine der meistgelesenen deutschsprachigen Autorinnen. Sowohl Genre, als auch Generationenübergreifend findet sie ihre Fans. Ein Erfolg, der gehalten werden will und der dem ersten Teil der "Silber" Trilogie ein wenig abgesprochen wurde.

Auch mich konnte "Silber. Das erste Buch der Träume" nicht zu hundert Prozent begeistern. Hier und da hätte ich mir etwas mehr Pfiff gewünscht. Dennoch habe ich die Geschichte von Liv Silber gern gelesen und mich auf den zweiten Band gefreut. Und siehe da, es kommt doch wieder etwas mehr Schwung in die Bude.

Lag im ersten Teil der Augenmerk auf den Traumerlebnissen von Liv und ihren Freunden, steht - meiner Meinung nach - nun Livs (Patchwork-) Familie mehr im Vordergrund. Damit ist Kerstin Gier wieder voll in ihrem Element, denn wenn sie eins kann, dann ist es das kreieren interessanter und liebenswerter (oder auch boshafter) Charaktere. Das einzige was sie noch besser kann, als diese zu entwerfen ist sie in Fettnäpfchen treten zu lassen oder in peinliche Situationen zu schicken. Damit werden sie einfach noch menschlicher und der Leser fühlt eine gewisse Verbundenheit.

Aber auch Liv's Reisen durch Träume kommt nicht zu kurz. Allerdings scheint es dort derzeit recht ungefährlich, so dass Liv und Henry sich ein bisschen die Zeit mit schönen Dingen vertreiben können. Liv würde ja auch zu gerne einmal mehr über ihren Liebsten erfahren, denn dieser ist verschlossen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Das hat auch schon Secrecy bemerkt und postet auf ihrem Blog eine Gemeinheit nach der Anderen. Scheint, als wäre es nun im echten Leben gefährlicher, als in der Traumwelt. Wer sollte ihnen auch was antun, jetzt da Anabel sich in einer Klinik befindet. Doch dann taucht unerwartet ein seltsamer Mann, der sich Senator Tod nennt, vor Livs Traumtür auf.  Ob das in guten Bahnen verläuft...?

Kerstin Gier ist es wieder einmal gelungen mich richtig gut zu unterhalten. Ihr Humor ist einfach köstlich und unvergleichlich liebenswert. Im zweiten Teil ihrer "Silber" Trilogie habe ich mich noch ein bisschen wohler gefühlt, als im ersten und warte nun schon sehnsüchtig auf Band drei, in dem wohl einige Geheimnisse aufgedeckt werden, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Buchinfo:


FJB (2014)
416 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
ab 14 Jahren




Das Huhn, das vom Fliegen träumte / Sun-Mi Hwang



"Sprosse war der beste Name der Welt. Sprossen bildeten Blätter heraus, die vom Wind und Sonne berührt wurden, bevor sie abfielen, vermoderten und zu Erde wurden, auf der wohlriechende Blumen wachsen konnten. [...] Zwar rief sie niemand so, aber der Name gab ihr ein gutes Gefühl."

Sprosse lebt auf im Hühnerstall eines Bauernhofs. Es wird von ihr erwartet, dass sie jeden Tag ein Ei legt. Anerkennung bekommt sie dafür keine. Traurig beobachtet sie täglich das andere Federvieh des Hofes, das draußen herum laufen darf und die Freiheit genießen kann. Außerdem hat das andere Geflügel Nachwuchs. Auch Sprosse wünscht sich ein kleines Küken, das sie umsorgen und bemuttern kann. Ein einziges würde ihr schon genügen, doch wie soll das gehen, wenn die Bäuerin ihr jeden Tag ihre Eier wegnimmt. Das will sich Sprosse nicht länger bieten lassen und geht in Streik. Sie weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Hühnern, die keine Eier mehr legen, das Ende droht. Doch Sprosse ist eine echte Rebellin, die ihre Ziele fest im Blick hat. Koste es was es wolle. Sogar das eigene Leben.

"Jedes Mal, wenn die Bäuerin ihr eines wegnahm, blieb Sprosse mit leerem Herzen zurück: Ihr Stolz über das gelegte Ei verwandelte sich in Traurigkeit. Jetzt, nach über einem Jahr im Hühnerstall,fühlte sie sich ausgebrannt."

"Das Huhn, das vom Fliegen träumte" ist eine Fabel der koreanischen Autorin Sun-Mi Hwang, Professorin für Literatur in Seoul. Das Buch, das so zart ist wie eine frische Eierschale, die noch nicht richtig ausgehärtet ist und doch im Verlauf der Geschichte mehr und mehr dazu wird, eroberte koreanische Bestenlisten und wurde sogar als Animationsfilm verfilmt. Zu Recht, wie ich finde, denn diese kleine Geschichte über Träume, Familie und den Blick unter die Oberfläche ist etwas ganz besonderes. Ich gestehe, ich war zunächst skeptisch, ob mich die Faszination der Fabel, die mich als Kind so fesseln konnte, auch heute noch zum Lesen animiert. Spannend wie eh und je ist es, zu entdecken, was hinter den Figuren der Fabel steckt. Warum sie gewählt wurden und was sie dem Leser sagen möchten.

" 'Sprossen sind auch die Mütter der Blumen', erklärte sie weiter. 'Sie atmen , sie widerstehen Wind und Regen, sie speichern das Sonnenlicht, und sie bringen weiße Blüten hervor. Ohne sie gäbe es keine Bäume. Sprossen sind lebenswichtig.' "

Sprosse ist die herzigste Protagonistin, der ich seit langem begegnet bin. Mutig und unerschrocken kämpft sie dafür ihre Träume, ihre Ziele zu erreichen, wofür ganz besonders wichtig ist, dass man sie nie aus dem Blick verliert. Schon schnell merkt sie, dass es nicht so leicht ist aus den Traditionen, aus dem Gefüge konservativen Denkens auszubrechen. Äußerlichkeiten spielen eine große Rolle. Anders sein hingegen findet wenig Akzeptanz. Doch manchmal zeigt ein genauer Blick unter die Oberfläche, dass dort mehr Gemeinsamkeiten stecken, als zunächst erwartet.

Es ist nicht immer der einfache Weg, der einen zum Ziel führt, und schon gar nicht das Schwimmen mit der breiten Masse, das zum Glück führt. Individuell sein, selbstständig denken, auch mal Hürden in Kauf nehmen, das macht stark und glücklich. All das lehrt uns eine furchtlose Henne mit großem Herzen in einer liebenswerten kleinen Geschichte, die zum Nachdenken bewegt und so zart wie eindringlich illustriert wurde. Klare Leseempfehlung!!

Buchinfo:


160 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: The Hen Who Dreamed She Could Fly
Übersetzung: Simone Jakob
Hörbuch gelesen von Senta Berger


Die Saga von Licht und Schatten 01: Die Hüter von Gonelore - Pierre Grimbert



Die Hüter von Gonelore sind eine Bruderschaft, die sich um den Schutz des geheimnisvolle Reiches Gonelore kümmert. Denn dieses wird von Chimären bedroht, Ungeheuer, die besonders in der Nacht versuchen die leuchtende Kuppel, die als Schutz dient, zu durchbrechen. Um die Sicherheit des Reiches zu gewährleisten, werden in regelmäßigen Abständen junge Menschen rekrutiert, die eine lange und harte Ausbildung durchlaufen, um die Bruderschaft zu erhalten.

Einer dieser Schüler ist Jona. Gefunden in einer Höhle, bewacht von einem Drachen. Wie er dort hingekommen ist und warum er dort war, weiß er nicht mehr. Doch eine bestimmte Sehnsucht lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Er ist anders als die anderen Schüler, wird von ihnen abgegrenzt. Nur eine kleine Gruppe Außenseiter behandelt ihn nicht wie einen Verbrecher. Doch dann geschieht etwas mit dem keiner gerechnet hat ...

Ich muss gestehen, der Einstieg in den Roman war etwas zäh. Obwohl mir sowohl Jona als auch seine gleichaltrigen Gefährten sofort ans Herz gewachsen sind, hatte ich zunächst so meine Schwierigkeiten mich im Roman zu orientieren. Das ändert sich nach ca. 100 Seiten schlagartig!

Pierre Grimbert, der schon mit früheren Werken wie "Der Magier" oder "Die Krieger" - Reihe gezeigt hat, dass man auch in Frankreich einen Sinn für High Fantasy hat. Seine Schreibe ist locker, liest sich leicht und schnell, was bei Fantasy oftmals nicht der Fall ist. Hat man erst mal den Weg ins Reich Gonelore gefunden, das sich meiner Meinung nach mit keinem mir bekannten Reich aus der Fantasy Literatur vergleichen kann, fühlt man sich darin schnell wohl. Im späteren Verlauf der Geschichte erklärt einer der Protagonisten die Welt Gonelore noch mal eingehender, so dass man sich diese dank der sehr bildlichen Schreibe des Autors sehr gut vorstellen kann.

Mir ist ja immer lieber eine Geschichte beginnt eher flach und steigert sich dann und nicht umgekehrt. Wer den Weg des ersten Viertels gegangen ist, der wird vom Autor mit einem steil ansteigenden Spannungsbogen belohnt. Hinterrücks fesselt er den Leser, indem er mehr und mehr Geheimnisse in die Geschichte wirft. Nicht nur die Handlung wird interessanter, sondern auch die Charaktere, die zunehmend an Tiefe gewinnen und so dargestellt sind, dass man sie nur mögen kann oder hassen muss. Festlegen sollte man sich lieber nicht, denn Grimbert hält jede Menge Überraschungen bereit.

Jona bleibt durchweg eine Figur, von der man nicht weiß, wo der Autor sie später einordnen wird. Ist er einer der Guten oder steht er in Verbindung mit den stetig wachsenden Chimären Angriffen. Das macht ihn zu einer der besonders spannenden Figuren, wobei ich wirklich alle Charaktere interessant und überaus gelungen finde.

Am Ende ist es dann so, dass Grimbert Action und Spannung in schwindelerregende Höhen schießt und den Leser mit einem Cliffhanger zurücklässt. Böse und gemein waren meine ersten Gedanken, aber dann ist mir aufgefallen, dass ich die anfängliche Zähigkeit des Buches ganz vergessen und die restlichen 350 Seiten in einem Weg gelesen habe. Und jetzt will ich nur noch eins: wissen wie es weitergeht!!! Zum Glück ist Band 2 "Der Ruf des Drachen" schon erschienen!

Reiheninfo:


Bd. 1: Die Hüter von Gonelore
Bd. 2: Der Ruf des Drachen 
Bd. 3: Die Tore zur Dämmerung (ET: Juli 2015)

Buchinfo:


Heyne (Mai 2014)
384 Seiten
Paperback
12,99 €
Originaltitel: Les Arpenteurs - Gonelore Tome 1
Übersetzer: M. Stadler, S. Finck

[Literaturplausch] #5

#reading

Ich bin ganz stolz auf mich, denn ich lese derzeit schon an den Büchern Nr. 8 und 9 für diesen Monat. Ja genau, ich lese zwei Bücher gleichzeitig. Hinter Nummer 8 verbirgt sich "Die Ermordung Margaret Thatchers" eine Kurzgeschichtensammlung von Hilary Mantel, die mir sprachlich ganz gut gefällt, aber inhaltlich etwas Probleme bereitet. Hat jemand von euch das Buch gelesen und ähnliche Schwierigkeiten oder seid ihr locker hindurch geflogen? Buch Nr. 9 ist der erste Teil der "Saga von Licht und Schatten" vom französischen Fantasy Meister Pierre Grimbert. Am Anfang etwas zäh, hat es mich nun echt gefesselt. Ich denke ich werde es heute noch beenden und bin wirklich froh, dass der zweite Band schon erschienen ist.

#rezension

Ich hatte mir ja vorgenommen an meinen freien Tagen immer Blogposts bzw. Rezensionen vorzuschreiben, so dass an den Tagen, an denen ich arbeite der Laptop gar nicht erst angeschaltet werden muss. Ich finde, dass man ganz schnell mehr Zeit daran verbringt, als man eigentlich möchte und so geht die wenige Freizeit im Nu flöten. Ich arbeite nun meist 24 Stunden Dienste von mittag bis mittag, zwei, drei Nächte und habe dann 1-3 Tage am Stück frei. Eigentlich Zeit um Rezis zu schreiben. Manchmal funktioniert es echt gut, aber manchmal auch nicht. An manchen Tagen flutschen die Worte geradezu raus, an anderen eben nicht. Prinzipiell ist es aber so, dass man round about eine Stunde an einer Rezi sitzt. Eingeschlossen vorschreiben, korrigieren, als Post veröffentlichen, inkl. Bilder, Links, Buchinfos, und veröffentlichen auf Foren, Buchhandlungsseiten etc. So geht echt ganz schnell mal ganz viel Zeit weg.

#woanders

In dieser Woche schaue ich täglich auf die Blogs Lesemomente und I am bookish. Dort gibt es ein tolles Special zum Königskinderverlag und seinen Büchern, mit ganz besonderem Augenmerk auf den Roman "Wörter auf Papier", den ich auch soooo gerne mochte.

#zitat


"Kinder müssen manchmal kein Wort sprechen, weil sie alles mit einem Lächeln sagen können."
("Wörter auf Papier" / V. Vawter)


#gesehen

Prinzipiell lese ich lieber als Fernsehen zu schauen. Bei meinem Freund ist es genau umgekehrt. Da ich aber den Abend auch gern mit ihm gemeinsam verbringe, ist es meistens so, dass er TV guckt und ich lese. Ab und an schauen wir auch bewusst gemeinsam. Das sind dann meistens ältere Filme, Klassiker bzw. alte Schätzchen. Zuletzt bspw. "Grumpy old Men" und "Die Feuerzangenbowle". In dieser Woche war es ein noch recht neuer Film. "Der Schlussmacher" mit dem total genialen, witzigen und gut aussehenden Matthias Schweighöfer.
Ansonsten schauen wir schon mal ganz gern Serien. Ich besonders dann, wenn ich bügeln muss. Seit einem Jahr schon wollen wir mit "Game of Thrones" beginnen, was allerdings bisher daran scheiterte, dass ich immer noch nicht die Bücher gelesen habe. Den Genuss der Romane möchte ich mir aber nicht entgehen lassen und auch nicht vom gucken der Serie verderben lassen. Zum Glück habe ich Band 1 "Die Herren von Winterfell" zu Weihnachten bekommen :)
Wie ist das Fernsehverhalten bei euch? Buch oder TV?

"Der Himmel über Alabama" / Marlen Suyapa Bodden




Schon zu beginn des neuen Jahres gibt es einen Roman, der zwar im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, der mich aber nachhaltig prägt und lange in meinem Gedächtnis und meinem Herzen verweilen wird. Ehrlich und offen, dramatisch und sehr berührend beschreibt Autorin Marlen Suyapa Bodden die dramatische Unterdrückung eines Volkes, das einzig wegen seiner Hautfarbe in die Sklaverei gezwungen wurde.

"Es war Clarissas Schwäche für alberne Zerstreuungen, denen sie nachging, ohne einen Gedanken an die Konsequenzen ihres Verhaltens zu verschwenden oder daran, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere Menschen hatte. Und es war die Nachsicht ihrer Eltern gegenüber ihrer Selbstsucht, die, als wir älter wurden, noch katastrophale Folgen haben würde."

Sarah wird als Sklavin geboren. Ihre Mutter Emmeline ist schon lange im Besitz des Hausherren, der auch Sarahs Vater ist. Denn es ist sein Recht seine Sklavin nicht nur für die Hausarbeit zu benutzen. Sein Wille ist in seinem Heim Gesetz. Fast zeitgleich bringt seine Ehefrau Theodora ebenfalls ein Mädchen zur Welt. Auch, wenn die beiden Mädchen Halbschwestern sind und in jungen Jahren viel Zeit miteinander verbringen, nebeneinander aufwachsen, kristallisiert sich schon schnell heraus, dass der kleine Unterschied ihrer Hautfarbe eine riesengroße Mauer zwischen ihnen baut. Eine Mauer aus Unrecht und Unterdrückung. Eine Mauer, die mit den Jahren immer größer wird und von Sarah als solch ein Zwang empfunden wird, dass sie das schier Unmögliche plant: aus der Sklaverei zu fliehen und als freier Mensch zu leben.

So berührend und fesselnd, dass ich
es nicht aus der Hand legen konnte.

Während ich meine Worte über dieses Buch tippe, treibt es mir schon wieder Tränen in die Augen. Ein dicker Kloß steckt in meinem Hals, der ebenso schnell wächst wie besagte Mauer zwischen Sarah und Clarissa. Ein Kloß, der sich zusammensetzt aus Wut und Scham, über die Ungerechtigkeit, die lange Zeit diesen Menschen widerfahren ist. Die aufgrund ihrer Hautfarbe so ausgenutzt und demütigend, Menschen unwürdig, behandelt wurden. Misshandlungen jeglicher Art ausgesetzt, behandelt wie Vieh, gefüttert, um Arbeitskraft zu sein, unterdrückt und klein gehalten, um dem Besitzer großer Plantagen keine Arbeit zu machen. Selbstständig denken verboten. Ja sogar mit körperlicher Züchtigung belegt. Egal ob Mann, Frau oder Kind.

" '[...] Das ist ungesetzlich, und ich bin überzeugt, Sie wissen warum es gefährlich ist, wenn auch nur ein Sklave alphabetisiert wird.' 
'Glauben Sie denn, es wäre überhaupt möglich, dass sie es lernt?'
'Nein, aber es gibt Berichte aus dem Norden, in denen es heißt, dass einige Neger es können. Ich denke zwar, dass das nur so ein Ammenmärchen der Sklavereigegner ist, aber man kann nie vorsichtig genug sein.' "

Erzählt wird aus den Perspektiven von Sarah und Theodora, was dem Leser die Tragweite der unerhörten Ungerechtigkeit gegenüber menschlichen Wesen noch bewusster macht. Besonders bewegt haben mich die Abschnitte der Geschichte, in denen Sarah noch jung ist, das Ausmaß der Sklaverei erkennt, aber nicht verstehen kann. Wie auch, denn an all dem was da passiert gibt es nichts zu verstehen. Traurig, aber wahr. Noch trauriger, dass die Menschen, die glauben sie seien schlauer als andere Wesen dieser Erde, scheinbar nichts dazu gelernt haben. Die Medien sind voll von Rassenhass, gegen den sich Autorin Marlen Suyapa Bodden, die als Anwältin für die Legal Aid Society in New York tätig ist, stark macht. Dies macht sie auch mit diesem Buch, das ich in einem durch lesen musste und das mich so sehr berührt hat, dass ich fast durchgängig beim Lesen geweint habe. Das passiert nun wirklich nicht oft. Ich hoffe, dass dieser Roman viele Leser findet. Vor allem solche, die ihre eigene Meinung gegenüber ihren Mitmenschen überdenken müssen, aber auch solche, die sich für Andere stark machen und wissen wie wichtig es ist, dass es Autoren wie Marlen Suyapa Bodden und Romane wie "Der Himmel über Alabama" gibt.

Buchinfo:

Blanvalet (Juli 2014)
416 Seiten
Taschenbuch
8,99 €
Originaltitel: The Wedding Gift
Übersetzerin: Carolin Müller


Die Magie der tausend Welten 01: Die Begabte - Trudi Canavan



Vorfreude ist die größte Freude und sorgt bekanntlich dafür, dass im Kopf bestimmte Erwartungen entstehen. Bei einem Buch ist es die Erwartung an Handlung, Schreibe oder Protagonisten. Ganz besonders hoch sind diese, wenn frühere Werke der Autorin zu den Lieblingsbüchern zählen.

Genau so ist es mir mit "Die Begabte" ergangen. Trudi Canavans Reihe "Das Zeitalter der Fünf" zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Ich bin nach wie vor ganz fasziniert von der Welt, die sie in der Trilogie erschaffen hat und schwelge noch jetzt in positiven Erinnerungen an Traumweber Leiard und Priesterin Auraya. Kein Wunder, dass ich es kaum erwarten konnte "Die Begabte" in Händen zu halten. Rein optisch ist das Buch auch wieder sehr ansprechend und zu seinen Vorgängern passend gestaltet, so dass es sich perfekt in mein Fantasyregal einfügt.

Dann begann ich zu lesen. Die erste Überraschung: die Schreibe der Autorin kann mich in diesem Buch gar nicht fesseln. Sie wirkt fast banal im Vergleich zur "Zeitalter"-Reihe. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen aus der Sicht des jungen Archäologen Tyen, zu dem ich leider so gar keinen Draht fand, zum anderen aus der Sicht der jungen Rielle, die mir auf Anhieb sympathisch war. Ich empfand sie als wesentlich interessanter und habe die Abschnitte, die sich um sie drehen auch einfach lieber gelesen. So war das ganze Buch für mich eher ein Auf und Ab.

Erwartungen und Vergleiche machen es einem Buch schon schwierig, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Ich will nicht ausschließen, dass ich selbst ein bisschen Schuld daran habe, dass "Die Begabte" und ich nicht so richtig Freund geworden sind. Ich wünsche Trudi Canavan, dass andere Leser einen besseren Zugang zur Geschichte finden und werde ihr mit dem zweiten Band sicher noch eine Chance geben.

Buchinfo:


Penhaligon (November 2014)
672 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
19,99 €
Originaltitel: Millenium's Rule 01: Thief's Magic
Übersetzerin: Michaela Link


Reiheninfo:


1. "Die Begabte"
2. "Angel of Storms" (engl. / ET: 2015)
3. "Successor's Son" (engl. / ET: 2016)


[Reiseproviant] #7


Bücherproviant:




Es gibt ja so AutorInnen, von denen hat man schon viel Gutes gehört und eigentlich will man auch schon seit Ewigkeiten mal eines ihrer Werke lesen. So geht es mir mit Hilary Mantel. Voller Begeisterung sind die Stimmen zu ihren historischen Romanen, so dass ich schon lange damit liebäugel mir eins ihrer Bücher zu kaufen. "Die Ermordung Margaret Thatchers" ist eine dünne Ansammlung von Kurzgeschichten der Gegenwart, womit sie sich nicht nur im Genre, sondern auch von der Länge her, von den historischen Büchern unterscheidet, aber - so denke ich- ein geeigneter Einstieg die Schreibe der Autorin kennenzulernen.

Eine kleine und sehr feine Fabel über Träume, Ziele und Anders sein. Ich gestehe: ich schummel ein bisschen. Ich habe mir gestern nachmittag den SuB zusammengestellt, gestern Abend "eben mal" das Huhn angelesen und ehe ich mich versah war es auch schon durch. Rezi folgt, aber ich kann jetzt schon sagen: wer sich auf solch philosophische Geschichten einlassen kann, der bekommt hiermit ein kleines Herzstück.

Der aufmerksame Blogleser wird nun erkennen, dass dieses Buch über das Reich Gonelore und eine geheimnisvolle Bruderschaft, nun zum dritten Mal auf meinem SuB erscheint. Beim ersten Mal wollte ich damit beginnen und es euch vorstellen. Beim zweiten Mal hatte ich es begonnen und wollte es beenden. Und da aller guten Dinge drei sind, der zweite Teil schon in Kürze erscheinen wird und mir Inhalt und Schreibe eigentlich zusagen, werde ich das Buch nun wirklich zu Ende lesen.

"Was ich weiß von dir" / M. Rosoff
Meg Rosoff, eine ganz wunderbare Autorin, die tolle Bücher schreibt, erzählt in ihrem neusten Roman von Mila, einem sehr starken Mädchen. Als Roadmovie angelegt, trifft die Autorin, die mich schon mit früheren Werken begeistern konnte, genau meinen Geschmack. Ich freue mich schon darauf Mila kennenzulernen und gemeinsam mit ihr eine Reise anzutreten.


Welches der Bücher habt ihr schon gelesen? Welches möchtet ihr noch lesen?
Habt ihr schon mal einen Roman von Hilary Mantel gelesen? Oder der wunderbaren Meg Rosoff? Seid ihr aus dem Alter Fabeln zu lesen schon raus oder haltet ihr dieses Genre für zeitlos?

Lebensreise:


In der Vergangenheit habe ich hier immer Bilder von den Dingen gezeigt, die mich in der vergangenen Woche besonders erfreut haben. Heute zeige ich euch ein Bild von einem kleinen Buch, das ich für die Zukunft angelegt habe. "Zukunft" klingt hier weit voraus. Eigentlich dreht es sich um kommende Tage, Monate, das aktuelle Jahr, aber vielleicht auch tatsächlich die entfernte Zukunft.
Auf die Idee solch ein Büchlein anzulegen bin ich durch das aktuelle Flow Magazin gekommen. Darin gab es einen Artikel über die sogenannte "Bucket List". Das ist die Liste der Dinge, die man tun möchte, bevor man stirbt. Da ich hoffe, dass das in ganz weiter Ferne ist und ich eigentlich dem Motto "Lebe den Moment" viel abgewinnen kann, aber auch häufig vergesse, was ich mir vorgenommen hatte, und manchmal spontane Ideen wieder aus meinem Kopf verschwinden, weil ich sie derzeit - aus Geld- oder Zeitmangel oder wie auch immer - nicht umsetzen kann, habe ich beschlossen mir ein kleines Büchlein anzulegen, in dem ich Dinge aufschreibe, die ich gern machen möchte. Dinge, von denen ich glaube, dass sie dazu beitragen, dass sich mein Leben positiv verändert, dass ich Momente mehr genießen kann und mich einfach besser fühle. 
Um es hier mal festzuhalten: Das Glück ist derzeit sehr auf meiner Seite, ich fühle mich sehr glücklich und meine kleine Liste soll auch keine "Optimierung" sein, denn von diesem Leistungsdenken, dem manche ja ihr eigenes Glück unterwerfen, möchte ich mich abgrenzen.
Es soll eher ein kleiner roter Faden sein, der sich durch mein Leben zieht und mit dem ich mich wohlfühle.
So einen richtig guten Namen habe ich für meine Liste noch nicht. Ist aber in Arbeit ;)

So sieht`s aus. Hübsch, oder?


Die Schlagzeilen über Gewalt, Mord und Totschlag häufen sich. Wir sind bestürzt darüber und können nicht fassen, was in der Welt passiert. Menschlichkeit scheint verloren zu gehen. Dabei fängt diese eben vor den eigenen Füßen an. Wir selbst können freundlicher und menschlicher gegenüber unseren Mitmenschen sein, können dafür sorgen, dass wir (unseren) Kindern wieder mehr Werte vermitteln. So möchte ich auch bei mir anfangen. Ich glaube zwar, dass ich auf dem Gebiet schon nicht schlecht dastehe, aber es gibt eben doch noch den ein oder anderen Punkt, der ausbaufähig ist. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, die dort auf meiner Liste stehen - die weiter ausgebaut wird - sind es Dinge, die mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen schon ein bisschen verändern werden.
Ja und das sind ein paar Dinge, die ich mir für den Monat Januar vorgenommen habe...



Alle Listen sind dynamisch. Sie können jederzeit ergänz werden (sollten sie sogar).


Wie findet ihr die Idee? Habt ihr Lust regelmäßig darüber zu lesen? Oder sogar mitzumachen?


Habt alle noch einen entspannten Sonntag und kommt gut in die neue Woche.








Echt / Christoph Scheuring



"Es ist nämlich so, dass ich finde, dass es keinen intensiveren Augenblick gibt als einen Abschied. Also, ich meine, so einen Abschied von einem Menschen, der alles bedeutet, und wo sich das Herz schon verklemmt, wenn man nur daran denkt, dass er vielleicht irgendwann nicht mehr da ist."

Albert fotografiert Abschiede. In Hamburg am Bahnhof. Heimlich, denn nur nicht gestellte Fotos sind echt. Zeigen echte Gefühle, das was Menschen in Momenten des Schmerzes, der Trauer der Trennung wirklich fühlen. Oder zumindest das, was Albert hinein interpretiert. Denn schließlich ist es immer nur ein kleiner Augenblick aus einer großen Lebensgeschichte, den er mit seiner Kamera festhalten kann. Albert glaubt an die große Liebe, auch, wenn er durch die Trennung seiner Eltern erfahren musste, dass diese nicht bis ans Lebensende hält.

Auf einer seiner Fototouren trifft er auf Kati. Eine Schönheit, zumindest auf den zweiten Blick. Auf den ersten wirkt sie eher zottelig, ein bisschen verrucht, aber auch ein bisschen verloren. Diese Wirkung hat sie nicht nur auf Albert, sondern auch auf den Leser. Wo Kati genau lebt, lässt sich nur schwer in Erfahrung bringen. Der Bahnhof ist der Ort an dem sie sich häufig aufhält. Zusammen mit einer kleinen Gruppe Jugendlicher, die entgleist sind, in deren Leben kaum etwas eine Rolle spielt, außer die Beschaffung von Drogen. Kein guter Umgang für Albert, der aus einem sehr behüteten Umfeld stammt. Aber eben auch noch nichts erlebt hat. Nicht einmal die erste Liebe.

"Das Mädchen nähert sich ihm wie ein ängstlicher Hund, der mit eingeklemmtem Schwanz um ein bisschen Zuneigung bettelt. Geduckt und vorsichtig, als würde sie damit rechnen, jederzeit einen Tritt zu kassieren. Sie zog ihn am Ärmel und fragte irgendwas, aber der Typ wischte sie weg wie einen Krümel auf der Jacke. Sie tat mir so leid, wie sie danach dastand und ihn mit leeren Augen anschaute."

Liebe in verschiedene Facetten ist einer der Leitgedanken dieses Jugendromans der sich auf ganz unaufgeregte Weise, ganz klar und damit sehr echt, mit einer harten Thematik auseinandersetzt. Kinder ohne Zuhause, Drogenkonsum, Leben auf der Straße, all dem begegnen die beiden Protagonisten, die einen sehr unterschiedlichen Blickwinkel darauf haben. Kati, die schon vor langer Zeit ihre Familie verloren hat, im Heim gelebt hat und jetzt auf irgendeine Art am Abgrund zu stehen scheint und Albert, der zwar Scheidungskind ist, aber all diese Dinge bisher nur mal im Fernsehen gesehen oder darüber gelesen hat. Kontroverse Sichtweisen bedingt durch eigene Erfahrungen, Erlebnisse, vom Autor Christoph Scheuring, deutlich dargestellt und harmonisch miteinander verbunden. Erfahrungen, die unberechenbar machen, die dazu führen, dass Kati und viele andere Jugendliche den Blick für Werte und Wertigkeit aus den Augen verloren haben. Was ist noch von Wert, wenn man das wertvollste schon verloren hat? Weder materielle Dinge, noch Geld können das wiederbringen. Welchen Wert hat das Leben noch? Ein sehr trister Gedanke, der viele Jugendliche im Roman so sehr beschäftigt wie im "echten" Leben eben auch. Schicksale, die so oder so ähnlich täglich geschehen. Kinder, die allein sind, denen der Wert des Lebens entfallen ist und die sich hinter Mauern aus Lügen, hinter selbst zusammen gesponnenen Schutzwällen, hinter der Flucht in den Rausch, hinter Verhaltensauffälligkeiten und Gewalt verstecken, um nicht vor ihrer eigenen Haustür kehren zu müssen. Die eine Momentaufnahme stricken ähnlich der Fotos, die Albert macht.

" 'Liebe ist doch kein Gefühl. Das ist ... wenn der andere kotzen muss, dass du dann auch über der Schüssel hängst ... und dass du weißt, was der andere denkt, bevor er es denkt. Und dass du seine Höhle bist, wenn er Schutz braucht, und dass du ihn gegen jeden und alles verteidigst, auch wenn er im Unrecht ist.'"

Neben all der Schwere der Thematik, hat "Echt" auch etwas Leichtes. Albert, den Jungen, der etwas naiv, wie durch eine Kamera die Welt betrachtet, noch an das Gute und die große Liebe glaubt und beweist, dass auch ein kleiner Stein eine Lawine ins Rollen bringen kann. Wir begleiten ihn auf seinen ersten Schritten ins Erwachsenleben, schauen dabei zu, wie er seine eigenen Erfahrungen macht und wie er dadurch die Möglichkeit bekommt den Lebensweg einzuschlagen, der für ihn passend sein könnte. "Echt" ist echt harter Tobak, in Kombination mit dem Kontrast echt lockere Schreibe, echt gut umgesetzt. Inhalt und Buchoutfit passen perfekt zusammen, denn der vom Magellan gewählte Buchdeckel aus Pappe ist ohne Schnörkel, ohne Zusätze so klar und unverfälscht wie die Geschichte.


Buchinfo:


Magellan (Herbst 2014)
240 Seiten
14,95 €
Halbleinen mit Titelaufkleber
ab 13 Jahre

Magellan auf Facebook


[Literaturplausch] #4

Heute nehme ich mal wieder an der Aktion [Literaturplausch] der lieben Frau Hauptsachebunt teil.

#vorsätze


Ich möchte mein Leben etwas sortierter angehen. Chaos ist mitunter spaßig, aber auch stressig. Eine bessere Struktur und insgesamt mehr Ordnung, um dann auch entspannter Freizeit genießen zu können. Um alles gut regeln zu können habe ich etliche Notizbücher, to-do Listen und was man dafür so benötigt. Im neuen Job arbeite ich zwar nun eine volle Stelle, aber auch mit Nachtdienst, so dass sich meine Stunden - meiner Meinung nach - günstiger verteilen. Bisher klappt es ganz gut und ich bin schon stolz auf mich, dass ich da echt diszipliniert bin.
Weitere Jahresvorsätze nehme ich mir nicht, aber ich habe begonnen so etwas wie eine "Bucket List" zu schreiben. Allerdings nicht für eine entfernte Zeit, in der ich irgendwann etwas erreichen möchte, sondern eher in der nahen Zukunft, so dass die Ziele auch greifbar sind. Z.B. für die kommende Woche. Vorsatz: die ganze Woche gesünder ernähren. Im Februar unbedingt Tante Bröseliese besuchen. Kleine Schritte, die man wirklich erreichen kann. Führt zu Stressreduzierung und Glücksgefühl, wenn man eins der Ziele geschafft hat :) Evtl. werde ich meine Bucket List in mein Sonntagsgeplauder [Reiseproviant] aufnehmen. Interesse darüber zu lesen?

#challenge


Da die Vergangenheit bewiesen hat, dass Challenges auch zu den Dingen gehören, die ich aufgrund der umfassenden Entfernung von einem Jahr gerne aus den Augen verliere, weshalb ich anfangs zwar immer gut dabei bin, es aber bisher in 5 Jahren bloggen erst einmal geschafft habe eine zu beenden, habe ich mich in diesem Jahr für keine einzige angemeldet. Und ich fühle mich völlig entspannt dabei :)
Was ich aber gerne machen möchte ist, jeden Monat ein englisches Buch lesen, einfach um in der Sprache drin zu bleiben. Weitere Leseziele werde ich individuell und kurzfristig auf meiner Bucket List festlegen.

#reading


Derzeit lese ich "Die Begabte" von Trudi Canavan. Ich hatte mich so auf das Buch gefreut, aber es reicht (bisher) leider nicht an die Vorgänger-Reihe "Das Zeitalter der Fünf" heran. Die Schreibe liest sich schnell, ist aber eher lapidar und die Handlung auch sehr träge. Ich denke jedoch, dass ich heute noch zum Ende komme, um dann ab morgen mit "Der Himmel über Alabama" beginnen zu
können.


#zitat


"Während sie die Stufen zur Bibliothek hinablief, konnte Furia die Geschichten schon riechen: den besten Geruch der Welt."
("Die Seiten der Welt" / Kai Meyer / Fischer FJB)

#buchtipp


Mein Buchtipp ist ein Buch, das ich ganz am Anfang des letzten Jahres gelesen habe. "Die andere Seite des Himmels" von Jeannette Walls. Eine ebenso atemraubend schockierende wie schöne Geschichte mit der mutigsten Protagonistin der Welt. Ein Roman, den jeder lesen sollte.


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