30.11.15

Etta und Otto und Russell und James / Emma Hooper


Etta ist 83, als sie aufbricht das Meer zu sehen. Weil sie in letzter Zeit sehr viel vergisst, trägt sie in ihrer Tasche einen Zettel mit den wichtigsten Daten. Wie sie heißt, wie der Name ihres Ehemanns lautet und welche Personen in ihrem Leben von Bedeutung sind. Neben ihrem Mann Otto, ist das vor allem Russell, seit etlichen Jahrzehnten ein treuer Freund des Ehepaars.

In Ettas Vergangenheit gibt es viele Schatten, die nun wieder durch ihr Blickfeld huschen. Die sie und auch Otto – und das schon seit vielen Jahren – ängstigen und beunruhigen. Ganz tiefe Wunden hat der Krieg hinterlassen, in dem nicht nur Otto gekämpft hat, sondern so viele andere junge Menschen, die dem Paar einmal wichtig waren. Der Krieg hat damals alles verändert und ist nach wie vor in den Köpfen derer, die direkt oder indirekt daran teilgenommen haben.

[…] Ich trage dein Foto in der Tasche auf der Seite ohne Pistole. Zum Ausgleich.“

Etta zeigt typische Verhaltensweisen von Demenzpatienten. Dazu gehört, dass die Vergangenheit sie einholt, für sie wieder präsent wird. Vergangenes fühlt sich gegenwärtig an. Unschöne Dinge – in Ettas Fall – die Grund genug wären, alles hinter sich lassen zu wollen und einfach wegzurennen. Begleitung findet Etta in James, dem Kojoten. Ob es ihn wirklich gibt, oder ob er ein Gespinst ihrer Fantasie ist – ebenfalls ein Symptom von Demenz – kann der Leser entsprechend seiner eigenen Vorstellungen mit in die Geschichte einfließen lassen.

Autorin Emma Hooper, die mit „Etta und Otto und Russell und James“ ein starkes Debüt veröffentlicht hat, das auf Anhieb in mehreren Ländern erfolgreich war, spielt mit dem Leser. Mit Fantasie und Vorstellungskraft, sowie dem vom Wunschdenken getriebenen handeln. Für einige Handlungen Ettas gibt Hooper klare Handlungsstränge vor, für einiges viele verschiedene und wieder andere bleiben offen, so dass der Leser selbst einfügen kann, wie die Geschichte weitergehen könnte oder was Hooper mit diesem Erzählstrang wohl meint.

Wörter sind stark. Das Stärkste überhaupt.“

Dieses Spiel mit Vorstellung ist das, was Etta täglich begegnet. Nicht selten verliert sie sich in ihrer eigenen Fantasie, muss mit dem vorlieb nehmen, was für sie der Realität entspricht und doch schon lange keine mehr ist. Schwierig für den Betroffenen, aber noch schwieriger für Angehörige. Otto meistert die mit der Krankheit einhergehenden Probleme ganz wunderbar. Treu steht er seiner Etta zur Seite, gibt ihr Freiheit, wartet auf sie, wie sie einst auf ihn und hält sich am steten Glauben fest, dass sie ihn liebt, egal, was sie macht oder wer sie gerade ist. Ein Glaube, der auch die Freundschaft zu Russell seit Ewigkeiten stärkt. Er, der Spurensucher, der Fährtenleser, der kluge Kopf, der immer für seine Freunde da ist. Egal wann, egal wie.

„Etta und Otto und Russell und James“ ist eine zärtliche, intensive und liebevolle Geschichte über eine Krankheit, mit der umzugehen nicht ganz einfach ist und viel Geduld erfordert. Emma Hooper entwirft zauberhafte Charaktere, die ich schnell lieb gewonnen habe und sehr inspirierend finde. Immer den Kopf oben tragend, immer gewillt weiter zu machen, unbeirrbar in ihrer Liebe und Zuneigung zueinander. Der Aufbau ihrer Geschichte, die in kleinen Kapiteln auf verschiedenen Ebenen, mal in der Vergangenheit, mal in der Gegenwart, mal von dieser, mal von jener Person, erzählt wird, schafft eine weiche Atmosphäre, durchdrungen von der Härte, mit der das Leben manchmal um sich schlägt. Ganz besonders gut gefällt mir das Ende, das den Charakter des Buches, dem Leser Freiraum für Fantasie und eigene Gedankengänge zu lassen, perfekt einfängt und durchzieht. Eine ganz klare Leseempfehlung.

Buchinfo:


Droemer (September 2015)
336 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
Übersetzung: Michaela Grabinger
Droemer Knaur auf Facebook
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Hier versandkostenfrei bestellen:




29.11.15

[Reiseproviant] #41

Lesereise:


Meine vergangene Lesewoche war sehr positiv. Begonnen hat sie mit "Zwanzig Zeilen Liebe", einem herzlichen Roman voller Menschlichkeit, den ich innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet habe.
Passend zu den ersten Schneeflocken, die endlich gefallen (und jetzt schon wieder verschwunden sind), habe ich die Kinderbücher "Das Lied des Eisdrachen" von G.R.R.Martin und "Der Eisdrache" von Troon Harrison gelesen. Beides Romane, die perfekt in die Vorweihnachtszeit passen und auch erwachsenen Lesern gefallen können.
Am Wochenende habe ich mich auf eine ganz besondere Reise begeben. Meine Reisebegleitung ist die 83-jährige Etta, die an fortschreitender Demenz leidet und das Meer sehen möchte. Meine endgültige Meinung zum Roman könnt ihr morgen hier lesen. Vorab kann ich aber schon verraten, dass mir "Etta und Otto und Russell und James" von E. Hooper ebenfalls sehr gut gefallen hat.

Zwei weitere Buchposts möchte ich euch ans Herz legen. Mittwochs gibt es seit kurzem den wöchentlichen Beitrag [Nostalgie Mittwoch], in dem ich in gekürzter Version Bücher vorstelle, die ich vor langer Zeit (mindestens zwei Jahre zuvor) gelesen habe. 
In der vergangenen Woche den Fantasyroman "Die Soldaten" von T.O. Meißner, den ich vor allem sprachlich unglaublich gut finde. Ein Buch, das sich aus der Masse heraushebt.
Das [Freitagsspecial] dreht sich diesmal um die gemütliche Vorweihnachtszeit. Buchtipps, die für wohlig winterliche Gefühle sorgen, das Rezept meiner Lieblingscookies und ein Adventskalender DIY könnt ihr dort nachlesen.

Ich liebe Adventskalender und habe schon zwei gebastelt und verschenkt. Für mich selbst habe ich "Das Weihnachtsgeheimnis" von Jostein Gaarder gekauft. Eine rätselhafte Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln.

Wie sieht die Adventszeit bei euch aus? Adventskalender - ja oder nein?
In welcher Form zelebriert ihr die Vorweihnachtszeit?

Bogrundreise:


Auf Favolas Lesestoff hat sich Kerstin Gier dem Interviewformat [Wer A sagt ...] gestellt.

Auf Nana what else gibt es einen sehr sympathischen Blogtalk.

Auf Die Liebe zu den Büchern bekommt ihr einen Überblick über alle Blogger, die am Adventskalender des Frech Verlags teilnehmen.

Book Walk hat an der Blogtour "Sieben Heere" teilgenommen und ein Interview mit Autor Tobias O. Meißner geführt.

Bibliophilin stellt euch ein Buch vor, das einfach wunderschön aussieht.

Lebensreise:


Ich bin momentan etwas unglücklich. Ich musste auf mein altes Handy zurückgreifen, das immer wieder Probleme mit dem Speicherplatz hat und ziemlich schlechte Bilder macht. 
Entschuldigt bitte, dass ich euch deshalb gerade Fotos in eher schlechterer Qualität liefere. Ich hoffe sehr, dass sich das bald wieder ändert. 

gebacken: Zimtschnecken nach dem Rezept von Törtchenzeit

geschmückt: bisher ausschließlich den Balkon. Ich hoffe, dass ich heute trotz straffem Zeitplan auch noch meinen Adventskranz fertig bekomme.

gelacht: typisches Bild von meinem alten Mädchen :D

gefreut: Schneeausblick aus dem Küchenfenster


Ich wünsche euch allen einen wunderschönen ersten Advent und eine tolle erste Dezemberwoche.

27.11.15

[Freitagsspecial] Gemütlichkeit in der Vorweihnachtszeit

Ihr Lieben, 

heute möchte ich euch Bücher und andere schöne Dinge für die Vorweihnachtszeit empfehlen. 
Genießt die Momente zwischen ersten Advent und Heiligabend. Nehmt euch Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit, heimelige und herzliche Geschichten, für Freude, Überraschungen und Menschen, die euch am Herzen liegen.

Liebe Grüße
Nanni


"Tausend Millionen Weihnachtsmänner" / Autor: Hiroki Motai, Illustratorin: Marika Maijala,
Übersetzung: Anu Stohner, FISCHER Sauerländer, Hardcover, ab 4 Jahre, 14,99 €
Etliche Eltern stehen irgendwann fragenden Kinderaugen gegenüber, die sich Gedanken darüber machen, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Wie soll man darauf reagieren? Die Wahrheit sagen und dem Kind ein bisschen was von seiner Illusion, vom Zauber der Weihnacht stehlen? Oder improvisieren und eine Geschichte ausdenken? Eine, die auch glaubwürdig klingt. Schwierig.
Hiroki Motai hat die perfekte Lösung für die Fragen - gibt es einen Weihnachtsmann? Aber warum besorgen dann die Erwachsenen die Geschenke? - gefunden. Leicht verständlich illustriert mit kindgerechten Zeichnungen.


"Das große Lieselotte Weihnachtsbuch. Bastelideen, Rezepte und Spiele für die Adventszeit" /
Alexander Steffensmeier, FISCHER Sauerländer, Hardcover, ab 4 Jahre, 14,99 €
Eine der beliebtesten Kinderbuchfiguren ist die Kuh Lieselotte. Ein bisschen tollpatschig, aber herzensgut und sehr liebenswert. Ihre Abenteuer sind nicht nur für Kinder ein Lesevergnügen, sondern auch eine große Freude für Erwachsene. Umso schöner, dass Lieselotte uns mit Basteltipps, die ganz leicht, mit wenig Kosten und Aufwand nachzubasteln sind, informativen Texten, Weihnachtsliedern, leckeren weihnachtlichen Rezepten, einer typischen Lieselotte-Geschichte und anschaulichen und hübschen Illustrationen von A. Steffensmeier, durch die Weihnachtszeit begleitet. Ein Buch, das viel Lust auf die Vorweihnachtszeit macht und diese für Eltern und Kinder perfekt gestaltet.

"Die Nacht vor dem Weihnachtsfest" / Autor: Clement C. Moore, Illustration: Niroot Puttapipat, Arena, Hardcover mit Pop-Up Illustrationen, ab 4 Jahre, 5,00 €
"Die Nacht vor dem Weihnachtsfest ist dem wundervollen Gedicht "A Visit From St.Nicolas", das 1822 geschrieben und später in "T'wos Night Before Christmas" umbenannt wurde. Autor ist der amerikanische Dichter Clement C. Moore. Sprachlich wie inhaltlich spricht "Die Nacht vor dem Weihnachtsfest" Leser jeder Altersklasse an. N. Puttapipat hat es wunderschön, in scherenschnittart illustriert. Vom Arena Verlag wurde noch die Besonderheit des Pop-Up hinzugefügt, was diese Ausgabe zu einem besonders schönen Exemplar werden lässt.


"Weihnachten ist sooo schön" / Jan Kuhl, arsEdition, Hardcover, 9,99€
Weihnachten noch einmal mit Kinderaugen sehen. Das ermöglicht Jan Kuhl. Er hat die Schüler seiner Schulklasse vor die Aufgabe gestellt, Weihnachten in Bild und Text zu erklären. Herausgegeben sind witzige, aber eben auch sehr wahre Sprüche, die jedes Leserherz erwärmen und für jede Menge
Lacher sorgen.

Adventskalender DIY: Liebe Wünsche im Glas (nach einer Idee von What Ina Loves)
Ihr braucht: Ein großes Vorratsglas, schönes Papier, kleine Papiertüten, Washitapes, Zahlen
Ein Adventskalender wird vor allem dann zu etwas besonderem, wenn er personalisiert wird. In meinem Fall habe ich ihn für meine Mama gemacht, die sehr gerne schöne Sprüche (z.B. über Glück, Hoffnung etc.) liest. Ihr könnt aber auch Gutscheine, Liebeserklärungen, Witze, Rezepte und und und auf eure Zettel schreiben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Verpackt werden die Zettelchen in eine Papiertüte, die dann mit Washitape verziert wird. Ich habe Butterbrotpapiertüten benutzt, allerdings kleben die Tapes darauf nicht so gut. Ihr könnt aber auch Packpapier nehmen und die Zettelchen einpacken. Meine Zahlen entstammen der Feder von Katz und Tinte (werden dort netterweise als kostenloser PDF Download angeboten), wer Zahlenstempel, - aufkleber usw. hat, kann natürlich auch die benutzen. Am Ende kommen alle Tüten in das Vorratsglas, das ihr noch beliebig weihnachtlich dekorieren könnt.

"Der Eisdrache" / Troon Harrison, Übersetzung: Pauline Katz, Illustration: Andrea Offermann, Hardcover, 14,90€
Eisdrachen sind die Boten des Winters. Wenn sie wegfliegen, dann kommt der Frühling. In diesem Jahr bleibt der Winter beständig. Die Kälte frisst sich in die Knochen, vereitelt jede Möglichkeit zu jagen. Die Familie des Mädchens muss hungern. Grund dafür ist ein Eisdrache, der verwundet und traurig auf dem Dach ihres Hauses liegt. "Der Eisdrache" ist eine wunderschöne märchenhafte Geschichte, die mit feinen Illustrationen, von Mut und Mitgefühl erzählt.


"Winterpferde" / Philipp Kerr, Übersetzung: Christiane Steen, Rowohlt, Hardcover, 16,99 €
"Winterpferde" ist die sehr bewegende Flucht Kalinkas, die als Jüdin im zweiten Weltkrieg ihre Familie und alle Besitztümer verlor. Gemeinsam mit zwei Ur-Pferden und einem Windhund, begibt sie sich auf eine Reise voller Hoffnung. Eine beeindruckende Geschichte von fast märchenhafter Schönheit kombiniert mit der bitteren Härte des zweiten Weltkriegs.





"Küss mich unterm Nordlicht" / Joanna Wolfe, cbt, Taschenbuch, ab 13 Jahre, 9,99 €
"Küss mich unterm Nordlicht" ist eine winterliche Geschichte vor der Kulisse Alskas. Sie ist eine unterhaltsame Kombination aus Liebesgeschichte, Spannung und dem Thema Umwelt. Trotz kleiner Schwächen, passt sie gut in die vorweihnachtliche Zeit und vermittelt winterliches Wohlbehagen.






"Das Lied des Eisdrachen" / George R.R. Martin, Übersetzung: Andreas Helweg, Illustration: Luis
Rayo, Hardcover, ab 8 Jahre, 9,99 €
Dies ist die Neuauflage des Kinderbuches "Adara und der Eisdrache" aus der Feder von Fantasyautor G. R. R. Martin. Mit aussagekräftigen Illustrationen, die ich mir gern jede einzelne aufhängen würde, schafft Martin mit seinem Roman, der zwar für Leser ab 8 Jahren empfohlen wird, aber durchaus eher ältere Leser anspricht, einen guten Einstieg in das Genre High Fantasy. Es ist die Geschichte der tapferen Adara, die im Winter geboren, kalt und herzlos auf ihre Mitmenschen wirkt. Ihr einziger Freund ist der Eisdrache, der ohne den Winter ebenso wenig leben kann, wie sie. Als es zu einer Schlacht kommt, in der ihre Familie in Gefahr gerät, beweist Adara, dass ihr Herz nicht aus Eis besteht.


"Drei Tage Manhattan - Begleitung gesucht" / Tasmina Perry
"Drei Tage Manhattan" ist für mich die perfekte Romanbegleitung für die Vorweihnachtszeit. Die Charaktere Amy und Gerogia sind sehr herzlich und liebenswert, die Atmosphäre entführt den Leser in ein vom Winter überzogenes England, sowie das weihnachtlich glitzernde New York, doch letztendlich ist es die Geschichte Menschlichkeit, Vertrauen, Ziele und die große Liebe, die diesen Roman so lesenswert machen.








Die leckersten Weihnachtsplätzchen: White Chocolate Caramel Cookies 

Zutaten: Für den Teig:
350 g Mehl
200 g Butter
80 g Zucker
100 g weiße Schokolade
100 g gesalzene Nüsse (Cashew oder Erdnuss)
1 Pk. Vanillezucker
1 TL Backpulver
1 Prise Salz

Für die Karamellcreme:
100 g Zucker
100 ml Sahne
1 EL Butter

Gesalzene Nüsse und weiße Schokolade (geht besonders gut, wenn man sie vorher in den Gefrierschrank legt) zerhacken und zur Seite stellen.
Nun den Teig aus Mehl, Butter, Zucker, Vanillezucker, Backpulver und Salz verkneten. Schokolade und Nüsse dazugeben und nochmals kurz durchkneten.
Die Karamellcreme anfertigen, indem der Zucker bei mittlerer Hitze erwärmt wird bis er flüssig wird. (Sollte die Temperatur nicht ausreichen, ruhig etwas höher stellen, aber Achtung, brennt schnell an. Wird euch das Karamell zu schnell hart, bekommt ihr es durch erhitzen ganz einfach wieder weich)
Dann Sahne und Butter dazugeben.
Den noch warmen Karamell (unbedingt kurz abkühlen lassen, denn wenn er direkt vom Herd kommt, ist er irre heiß!!) unter den Teig mischen.
Nun kleine Kugeln rollen und zu runden Cookies platt drücken.
Bei 175° Umluft im vorgeheizten Backofen etwa 10-12 Minuten (bis sie einen leicht goldbraunen Rand bekommen) backen.















26.11.15

Zwanzig Zeilen Liebe / Rowan Coleman


Stella ist Hospizschwester und hat für jeden ihrer Patienten ein offenes Ohr. Am liebsten arbeitet sie in der Nacht, denn Zuhause ist diese für sie unerträglich geworden, seit ihr Mann Vincent in Afghanistan verwundet wurde und unter Schlafstörungen leidet. Ein großer Graben ist zwischen ihnen entstanden, denn Stella so gern überwinden würde, der Vincent aber mehr Angst macht, als sein Einsatz im Krieg.

Hope leidet unter Mukoviszidose. Ein Todesurteil für das junge Mädchen, das noch viel zu wenig in seinem Leben, das schon seit einiger Zeit von der Krankheit beherrscht wird, unternommen hat und möglicherweise die Dinge verpasst, die zum jung sein dazu gehören. Verlieben, das kribbeln im Bauch spüren, Sex mit dem Jungen, den sie wirklich liebt, einfach mal etwas verrücktes tun – all das scheint ihr nicht vergönnt.

Es ist genauso wie Hugh gesagt hat: Was ist die Liebe, wenn man nicht um sie kämpfen muss? Was ist das Leben, wenn man nicht jede Sekunde darum kämpft, es zu leben?“

Hugh lebt allein mit seinem Kater Jake, der eigentlich das Überbleibsel einer misslungenen Beziehung ist. Seit Kurzem hat er einen neuen Freund. Mikey, der mit seiner Mutter ins Nachbarhaus gezogen ist und mit seinen unverblümten Fragen Hughs Gedankenwelt ganz schön durcheinander wirbelt.

Drei Leben, drei besondere Schicksale, in die Rowan Coleman auf sehr gefühlvolle Weise entführt. Alle irgendwie miteinander verbunden und doch hat jeder für sich mit seinen eigenen Schatten zu kämpfen. Doch wo Schatten sind, da ist auch Licht. Und obwohl der Roman so traurige Passagen enthält, dass mir schon zu Anfang die Tränen geflossen sind, ist es eins der schönsten und hoffnungsvollsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

'Bitte vergesst mich nicht. Vergesst nicht, wie ich euch im Arm gehalten, wie ich euch geküsst und euch mit Liebe überschüttet habe, über und über, in der Hoffnung, dass etwas davon für immer hängen bleibt. Bitte vergesst das nicht. Spürt diese Liebe. Jeden einzelnen Tag, den ihr ohne mich lebt.'“

Verschlungen innerhalb von nicht mal 42 Stunden. Die Welt völlig ausgeblendet, weil es einfach so faszinierend ist, all diese Menschen näher kennenzulernen, ihre Beweggründe für ihr handeln zu verstehen. Denn neben den Geschichten von Stella, Hope und Hugh bekommen wir immer mal wieder einen der Abschiedsbriefe zu lesen, die Stella von den Patienten des Hospizes diktiert werden. Briefe, die nicht nur Abschiedsschmerz beschreiben, sondern Momente der Erinnerung an schöne vergangene Zeiten. Briefe voller Liebe und Dankbarkeit, Briefe, die um Verzeihung bitten.

„Zwanzig Zeilen Liebe“ ist ein herzlicher Roman voller Menschlichkeit. Große Emotionen, wahre Liebe und Hoffnung lassen den Leser in den Seiten versinken, vermitteln ihm ein wohliges Gefühl und erinnern daran, wie wichtig es ist, den Menschen, die uns am Herzen liegen, dies auch zu sagen und zu zeigen. Ein Buch, das uns in der Kälte, die derzeit durch die Welt zieht, ein kleines bisschen wärmt.

'Liebe sollte man nie bereuen', sagte sie. 'Das ist so was wie mein Motto. Ich habe nie bereut jemanden zu sehr geliebt zu haben. Nur, jemanden nicht genug geliebt zu haben.' “

Buchinfo:


PIPER (August 2015)
416 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €
Originaltitel: We Are All Made Of Stars
Übersetzung: Marieke Heimburger
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Hier versandkostenfrei bestellen:




25.11.15

[Nostalgie Mittwoch] Die Soldaten - Tobias O. Meißner


Seit vielen Jahren lese ich sehr gerne das Genre Fantasy mit seinem Subgenre High Fantasy. Einer meiner Lieblingsautoren, weil er sich inhaltlich wie handwerklich von vielen seiner Kollegen unterscheidet, ist der Berliner Tobias O. Meißner. Da aktuell sein neuster Titel "Sieben Heere" im Piper Verlag erschienen ist, möchte ich euch den Roman vorstellen, mit dem er mich auf seine Seite ziehen konnte. 

"Die Soldaten" so der aussagekräftige Name des 2011 erschienene Roman des Autors, der im letzten Jahr mit seinem Buch "Klingenfieber" für den Literaturpreis SERAPH nominiert war. Handlungsort ist die Festung Carlyr, die in einer vom Autor erdachten Welt erbaut und unter anderem Aufenthaltsort für junge Rekruten ist. Der Leser begleitet sie auf dem Weg ihrer Ausbildung und beim ersten Einsatz, auf dem sie Wesen begegnen, die sich von vielen anderen, üblichen Fantasyfiguren abheben.

An "Die Soldaten" gefällt mir besonders, dass es nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch sozial kritisch ist. Oftmals verwendet Meißner einen leicht ironischen Unterton, um seine Kritik am System des Wehrdienstes und der Sinnhaftigkeit von Kriegsführung. Erstaunlich gefühlvoll geht er auf seine Figuren ein, schenkt ihnen Beachtung und formt ihre Charakterzüge bis in die kleinsten Fasern. Für mich ist er einer der Autoren, die durch ein hohes sprachliches Niveau und die Fähigkeit, ihre fiktiven Geschichten mit Kritik an unserer realen Welt zu kombinieren, begeistern können. 


Buchinfo:

Piper
(August 2013)
513 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
eBook
4,99 €
Hier versandkostenfrei bestellen: Buchladen am Freiheitsplatz

Blogtour zu "Sieben Heere":



23.11.15

Das Licht der letzten Tage - Emily St. John Mandel


Alles beginnt mit dem Tod eines einzelnen Mannes. August Leander, der in diesem Moment nichts anderes möchte, als seine Leidenschaft, die Schauspielerei, auszuüben. Mit seinem letzten, dramatischen Abgang, scheint er jedoch eine ganze Abfolge aus Schicksalswegen in Gang zu setzen.

Eine unerwartet starke Epidemie bricht aus. Befällt Menschen überall auf der Welt. Sorgt für Tod, Angst und den Zusammenbruch der Zivilisation. Nur ein paar wenige überleben. Trotzen der Krankheit, ziehen durchs Land mit der Erinnerung an eine bessere Zeit. Halten sich fest an der Kunst des Theaters, an Musik und Schauspielerei. Den Kampf ums überleben immer im Nacken.

Was beim Zusammenbruch verloren ging: So gut wie alles, so gut wie alle, aber es ist immer noch so viel Schönheit geblieben.“

Schon eine ganze Weile bin ich um das Buch herum geschlichen, bevor ich mich getraut habe es mir näher anzuschauen. Ganz oberflächlich habe ich mich vom Cover, das leider überhaupt nicht meinen Geschmack trifft, abschrecken lassen, ohne zu wissen welch spannende Arbeit Autorin Emily St. John Mandel zwischen die Buchseiten steckt. Nie hätte ich mit einer solch komplexen Geschichte gerechnet. Überraschende Begeisterung durch überraschende Handlungen.

Die Hölle ist die Abwesenheit von Menschen, nach denen man sich sehnt.“

Nichts ist vorhersehbar. Kein Gedankengang, kein Vorgehen der Protagonisten ist berechenbar. Emily St. John Mandel, die mit „Das Licht der letzten Tage“ bereits ihren vierten Roman veröffentlicht hat, besticht mit einer Story, die sich nur schwer beschreiben lässt. Handlungen auf verschiedenen Ebenen, die durch eine sanfte, detailliert und gut gearbeitete Struktur miteinander verwoben sind, ineinander greifen wie ein gut geölte Zahnräder, ergeben nach und nach eine sehr lesenswerte Geschichte. Wie die Steine einer soliden Mauer sind auch die Handlungen Stein für Stein aufeinander gesetzt, bis sie nach und nach zu einem soliden Grundgerüst werden. Auch einzeln einen Nutzen, aber erst als Gefüge von der Bedeutung, die den Leser so begeistert und fesselt.

'Das ist doch absurd', beharrte Elizabeth. 'Sollen wir etwa glauben, dass die Zivilisation untergegangen ist?'
'Na ja', meinte Clark. 'Sie war doch schon immer ein bisschen zerbrechlich, findest du nicht?' “


In dieses bedeutsame Gefüge setzt sie Figuren, die dem Spiel des Schicksals ausgeliefert sind. Deren Charakterzüge mit den Erlebnissen der Pandemie einhergehen, sich entsprechend ihrer Erfahrungen entwickeln. Ganz oft bekam ich Gänsehaut bei den Erinnerungen an die Zeit vor der Katastrophe, aber noch viel mehr, wenn die Mitglieder der Symphonie durch die verlassene Welt ziehen und dort kleine Fragmente einer einst dagewesenen Zivilisation entdecken. Persönliche Gegenstände, die Momente großer Intimität auslösen und sowohl Figuren wie Leser verletzlich machen. Mit einer perfekten Kombination aus unvorhersehbarer Spannung, einem aus einschneidenden Schicksalsfäden gewobenen Handlungsgefüge und Momenten, die unter die Haut gehen, ist „Das Licht der letzten Tage“ ein Roman, der mich Kapitel für Kapitel begeistern konnte.

Buchinfo:

Piper (September 2015)
416 Seiten
Paperback
14,99 €
Originaltitel: Station Eleven
Übersetzung: Wibke Kuhn
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Piper auf Instagram

Hier versandkostenfrei bestellen:






22.11.15

[Reiseproviant] #40

Ihr Lieben,


Sonntag = Reisezeit.
Reise durch ferne Welten, durch Fantasie und Geschichten voller Emotionen.
Über Blogs mit interessanten Artikeln und großartigen Ideen.
Bis uns die Realität wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Lesereise:


Jeden Sonntag frage ich mich wo die vergangene Woche geblieben ist. Wie kann es sein, dass die Zeit immer so schnell vergeht?
Die vergangene Woche stand für mich unter dem Motto "Irreführung durch Buchcover".
Nachdem ich den sehr berührenden Roman "Winterpferde" beendet habe, begann ich das Jugendbuch "Küss mich unterm Nordlicht", dessen winterlich, verträumt, romantisches Cover mir sehr gut gefällt. Inhaltlich konnte mich der Roman leider ungleich weniger begeistern, was vor allem an der Sprache der Autorin liegt, die das Pseudonym eines bekannten Autors ist, dem solch eine holprige Schreibe aufgrund seiner Erfahrung eigentlich nicht passieren dürfte. 
Dennoch war die lockere Wintergeschichte schnell durchgelesen und ich widmete mich einem Endzeitroman, der mir auf einigen Blogs als Empfehlung begegnet war (z.B. Blätterwind, Nordbreze, Primeballerina). "Das Licht der letzten Tage" lautet der Titel des Romans, dessen Cover ich so gar nicht mag, der mich aber maßlos überrascht hat. Warum das so war, könnt ihr morgen in der dazugehörigen Rezi lesen.
Angesteckt von der winterlichen Atmosphäre des ersten Schnees, möchte ich mir den heutigen Abend mit einem Re-Read versüßen. "Frostfeuer" von Kai Meyer, das ich vor vielen Jahren mal gelesen habe, an dessen Inhalt ich mich aber nicht mehr so gut erinnern kann, liegt schon neben mir auf dem Sofa und wartet auf unsere gemeinsame Lesereise.

Welches Cover hat euch zuletzt (positiv oder negativ) in die Irre geführt?

Blogrundreise:


Die Liebe zu den Büchern und Kielfeder haben eine tolle Aktion zum Thema "Taschenbuch" ins Leben gerufen. Schaut unbedingt vorbei.

Wortmalerei hat einen leckeren Beitrag ihrer Rubrik "Süßes zum Buch" online gestellt.

Auf Damaris liest gibt es die monatliche Rubrik "Dieses Buch bleibt im Regal". Am vergangenen Montag ist es eine Trilogie, die ich ebenfalls sehr gerne mag.

Favolas Lesestoff war bei einer Lesung der sympathischen Kerstin Gier und lässt uns alle an ihrem schönen Erlebnis teilhaben.

Lebensreise:


gebacken: mit Apfelmus gefüllte Zimthörnchen
(schmecken lecker, machen beim Rollen aber ziemlich Sauerei)

gefreut: endlich isser da - der erste Schnee.
Ich freue mich, denn im November muss es langsam mal kalt werden und nicht über 15° warm sein.
Die Natur freut sich sicher mit mir und meine Pferde, die schon ihren dicken Pelz tragen, auch.

gekauft: seit langem mal wieder ausgiebig Musik geshoppt.
Alabama Shakes, Rise Against, Von Bruecken, El Vy

Ich wünsche euch allen einen entspannten Sonntagabend und eine großartige Woche.


20.11.15

[Freitagsspecial] Lovelybooks Leserpreis



Auch in diesem Jahr findet wieder ein Lovelybooks Leserpreis statt.
In 14 Kategorien haben Leser die Möglichkeit über ihr Jahreshighlight abzustimmen.
Ein Preis, den ich sehr gerne mag und an dessen Abstimmung ich mich gern beteilige, da hier nicht die Meinung einer Expertenjury gefragt ist, sondern die der Leser.

In der folgenden Tabelle stelle ich euch die Bücher vor, die in den jeweiligen Kategorien meine Stimme bekommen haben und erläutere euch kurz, warum ich mich ausgerechnet für diese Bücher entschieden habe, auch wenn diese zwar nicht meine Jahreshiglights sind, aber dennoch Bücher, die ich sehr gern gelesen habe und ebenso gern weiterempfehle.

Roman: "Die Erfindung der Flügel" / S. Monk Kidd, weil es ein sehr bewegender und authentischer Roman über das Thema Sklaverei ist
Krimis & Thriller: "Zwetschgendatschikomplott" / R. Falk, ist der einzige der nominierten Romane, die ich in dieser Kategorie auch selbst kenne. Die weniger spannenden, als vielmehr witzigen Bücher um Kommissar Eberhofer bringen mich immer wieder zum Lachen.
Fantasy & Science Fiction: "Der Thron der Finsternis" / P.V. Brett, weil ich auch den vierten Teil einer meiner Lieblingsfantasyreihen wieder sehr gerne mochte.
Jugendbuch: "Liebe ist was für Idioten. Wie mich" / S. Schoder. In dieser Kategorie fiel mir die Entscheidung sehr schwer, denn zwei der nominierten Bücher haben mein Lesejahr bereichert. Neben dem Debüt "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." ist es der Roman "Eleanor & Park", der mich mit einer ergreifenden, traurig-schönen Geschichte, sehr berührt hat.
Kinderbuch: "Funklerwald" / S. Taschinski & V. Körting, ein Blick ins Buch erklärt alles!
Liebesromane: "Ewig und eins" / A. Popescu, weil dieses Buch mir ein Gefühl von Heimat und verstehen vermittelt hat.
Erotik: Keins der nominierten Bücher gelesen.
Historische Romane: hier stimme ich nicht ab, da mein Favorit "Wie ein fernes Lied" / M. Jary es nicht in die engere Auswahl geschafft hat. 
Humor: ist ebenfalls eine Kategorie, deren Nominees ich nicht gelesen habe.
Sachbuch & Ratgeber: meine Stimme bekommen Astrid Lindgrens Tagebücher. Ich habe die Zusammenfassung dieser, die unter dem Titel "Die Menschheit hat den Verstand verloren" veröffentlicht wurden, noch nicht ganz gelesen, aber einige der Einträge und die finde ich sehr klug und lesenswert.
Hörbuch: ich hätte mir so sehr gewünscht, dass "Die Haferhorde" von S. Kolb, großartig gelesen von Bürger Lars Dietrich in dieser Kategorie gewinnt, aber leider hat das Hörbuch es nicht in die Endrunde geschafft. Also bekommt mein Zweitfavorit "Altes Land" / D. Hansen, gelesen von H. Hoger meine Stimme.
Bestes eBook only: Als eBook Neuling habe ich bisher noch keinen der nominierten Titel gelesen. Auf meiner Wunschliste steht aber "Flächenbrand" von M. Heitz.
Bester Buchtitel: "Das Gegenteil von Einsamkeit" / M. Keegan, die Kurzgeschichtensammlung der leider bereits jung verstorbenen Autorin hat mir sehr gut gefallen. Der Titel löst direkt wieder Gänsehaut bei mir aus.
Bestes Buchcover: "H wie Habicht" / H. Macdonald, schlicht und den Inhalt betreffend.


Noch bis zum 24.11. habt ihr Zeit eure Lieblinge zu wählen.
Welche Bücher bekommen eure Stimme?

19.11.15

Küss mich unterm Nordlicht - Joanna Wolfe



Jenny lebt in einer Lodge in Fairbanks/Alaska. Seit dem Tod der Mutter sind sie und ihr Vater auf sich allein gestellt. Gemeinsam meistern sie den Alltag, empfangen Feriengäste und kümmern sich um diese. Jennys große Leidenschaft sind Schlittenhunde. Ihr Traum ist es am berühmten Iditarod-Schlittenhunderennen teilzunehmen.

In diesem Winter machen Mike und seine Eltern Urlaub in Fairbanks. Der Sunnyboy aus Kalifornien ist nicht sehr angetan von Eis und Schnee und wiegelt Jennys Versuche ihn ein wenig aufzumuntern und die Vorteile und Schönheit Alaskas zu genießen, rüde ab. Mikes Vater Johnny Cooper ist Journalist und beruflich in Fairbanks, so dass Mike nicht aus freien Stücken mitgereist ist. Als Jenny und Mike unverhofft in Gefahr geraten, entdeckt die Sechzehnjährige jedoch eine ganz neue Seite an dem eigensinnigen "City Slicker".

" '[...] Man sollte weinen, bis keine Tränen mehr kommen, und dann wieder jeden Tag mit einem Lächeln beginnen. Ich glaube, man kann beides. Um Mom trauern und der Zukunft ins Auge sehen.' "

Zur Winter- und Weihnachtszeit gehören Geschichten mit Gefühl und winterlichem Ambiente. Die dürfen dann gern auch mal ein bisschen kitschiger sein, als die übliche Lektüre. Hauptsache sie erzeugen ein vorweihnachtliches Grundgefühl. So ähnlich ist es auch mit "Küss mich unterm Nordlicht", dessen Dialoge nicht gerade vor Intellekt strotzen, aber gefühlsbetont genug sind, um nicht nur die Protagonisten in romantische Stimmung zu versetzen.

Autorin Joanna Wolfe ist ein Pseudonym. Das Alter Ego, das dahinter steckt, hat schon lange Fuß im Genre Liebesroman gefasst hat und bereist selbst gern Länder wie Alaska. Seine Erfahrung mit Land und Leuten sind deutlich zu spüren. Stimmige Landschaftsbeschreibungen, natürliche Settings und die beeindruckende Tierwelt, die im rauen Klima Alaskas ums Überleben kämpft. Eine Atmosphäre, mit der mich Joanna Wolfe begeistern kann.


Leider viel weniger beeindruckend ist die Sprache des Romans, die sich für mich sehr holprig anfühlt, so dass ich zuerst dachte, dass es Übersetzungsfehler sind, bis ich bemerkte, dass es sich bei Joanna Wolfe ja gar nicht um eine amerikanische Autorin handelt. Zumindest diese Wirkung wird nicht verfehlt. Die Gedankengänge der Jugendlichen hingegen wirken auf mich eher künstlich und aufgesetzt. Und auch die Spannung, die oftmals gut anklingt, kann ihr Niveau nicht über einen längeren Zeitraum halten.

Die Figur der Jenny gefällt mir recht gut. Sie ist klug, hat eine Engelsgeduld und mutig ist sie als Musher eines Hundeschlittens eh. Meine Gefühle für Mike sind ein Auf und Ab. Mal ist er wirklich toll und liebenswert, kurze Zeit später ist er wieder zickig und übel gelaunt. Von ihm hatte ich mir viel versprochen, aber leider bleibt er eine eher flache Figur. Im Endeffekt ist "Küss mich unterm Nordlicht" das was es mit seinem schön gestalteten Cover verspricht: eine kurzweilige, romantische Liebesgeschichte in der winterlichen Atmosphäre Alaskas.

Buchinfo:

cbt (November 2015)
336 Seiten
Taschenbuch 
Ab 13 Jahren
9,99 €
cbt auf Facebook
cbt auf Twitter


Hier versandkostenfrei bestellen:






18.11.15

[Nostalgie Mittwoch] Versehrt - Patricia McCormick



Am zweiten "Nostalgie Mittwoch" möchte ich ein Buch vorstellen, dessen Rezi, die ich vor vier Jahren geschrieben habe, mit dem Spruch "Fighting for peace is like fucking for virginess" beginnt. Eine sehr aktuelle Aussage, die auf subtile, aber leider wahre Art auf die Unsinnigkeit von Kämpfen und Krieg hinweist. "Versehrt" von Patricia McCormick greift genau diese Absurdität auf.
Es gibt kein Buch, das mich so sehr zum weinen gebracht hat und trotzdem empfehle ich diesen Roman, der für Jugendliche ausgelegt ist, unbedingt aber auch von Erwachsenen gelesen werden sollte, immer wieder gern. Es ist die Geschichte von Soldat Matt, der diesen Beruf gewählt hat, um Menschen in Kriegsgebieten zu helfen, ihnen Unterstützung zu gewähren. Ein bisschen Ruhm hat er sich auch gewünscht, würde diesen aber liebend gern wieder zurückgeben, wenn er dafür ungeschehen machen könnte, was er im Einsatz erlebt hat. 

McCormick zeigt mit ihrem Roman nicht nur, dass der Krieg völlig nutzlos ist, sondern vor allem wie sehr er die Menschen trifft, die nichts damit zu tun haben. Wie sehr Kinder und Unbeteiligte, Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als in Ruhe und Frieden zu leben, mit hineingezogen werden, traumatisiert, in Armut und Angst leben müssen. "Versehrt" ist ein Buch, das mich auch jetzt - so lange Zeit nachdem ich es gelesen habe - tief berührt. Das versucht wach zurütteln. Natürlich kann nicht dieser eine Roman alleine die Welt verändern, aber ich finde ihn sehr geeignet, um aufklärende Arbeit bei Jugendlichen zu leisten und evtl. aufkeimenden, völlig unangebrachten Hass schon als kleine Flamme zu ersticken.


FISCHER KJB (2011)
192 Seiten
Hardcover
13,95 €
eBook
11,95 €
Ab 14 Jahre
Übersetzung: Alexandra Ernst
Hier versandkostenfrei bestellen: Buchladen am Freiheitsplatz

17.11.15

Winterpferde - Philipp Kerr



Kalinka ist die einzige Überlebende ihrer jüdischen Familie. Alle anderen wurden von deutschen SS-Mitgliedern, die in der Ukraine stationiert sind, um dort ihre Pflichten zu erfüllen, getötet. Um ihnen zu entkommen flieht Kalinka und findet Unterschlupf im ukrainischen Naturreservat Askania-Nowa, das für den Erhalt seltener, regionaler Wildtierrassen gegründet wurde.

Das menschliche Herz ist ein seltsames Ding, doch das gilt auch für Pferde und ganz besonders für Wildpferde.“

Dort leben neben Wildtieren, wie eine kleine Herde der ganz seltenen Urzeitpferderasse Przewalski, auch der Tierwärter Max und sein Windhund Taras. Seit eine Gruppe deutscher SS-Soldaten in Askania-Nowa eingezogen ist, muss er ihnen behilflich sein, sich dort zurecht zu finden. Eine Aufgabe, die er gegen seinen Willen erledigt, ihn aber davor bewahrt ebenfalls erschossen zu werden. Denn das passiert mit den Przewalskis, die nicht dem entsprechen, was der deutsche Hauptmann Grenzmann unter einem hübschen, sportlichen Pferd versteht. Ein Hengst und eine Stute können der Gewalttat entkommen, werden gerettet von Kalinka und gehen eine ganz besondere Freundschaft mit ihr ein.

'[…] Das SS-Hauptquartier trifft die Entscheidungen in allen Rassenangelegenheiten. Und im Falle der Przewalski-Pferde hat Berlin mir befohlen, die Arbeit zu vollenden, die die Natur bereits begonnen hat, Max. Nämlich eine biologisch ungeeignete Rasse aus der Tierpopulation des Großdeutschen Reiches zu entfernen, um die Linie von vernünftig domestizierten Pferden wie Molnija davor zu schützen, von euren herumstreunenden Höhlenponys verunreinigt zu werden.[…]' “

„Winterpferde“ ist ein sehr beeindruckendes, emotionales Buch, das mich sehr bewegt hat. Angesprochen vom ausdrucksstarken Cover konnte Philipp Kerr, der mir bisher nur durch seine Fantasyromane für Kinder bekannt war, mein Interesse für diese sehr besondere Geschichte, die von einer historischen Gräueltat berichtet, wecken. Meine Angst, dass der Roman zu bedrückend und düster ist und große Traurigkeit bei mir auslösen würde, war größtenteils unbegründet. Man kann die Auge nicht davor verschließen, dass in den 1940ern ganz, ganz schreckliche Dinge passiert sind, die auch von Philipp Kerr nicht verherrlicht werden, aber die Hoffnung, die Kalinka in sich trägt, der Mut gegen Tod und Ungerechtigkeit anzukämpfen, dominieren und sorgen dafür, dass die Tränen der Trauer, denen der Erleichterung und Rührung weichen.

'Ich glaube, man hat immer eine Wahl. Das ist das, was uns zu Menschen macht. Jeder, der behauptet, er hätte keine Wahl, könnte genauso gut sagen, dass er nicht besser ist als Molnija, der sein Gebiss zwischen den Zähnen trägt und einen Sattel auf dem Rücken.' “

Philipp Kerr benutzt einen eher ruhigen Erzählton, setzt den Schwerpunkt auf fein herausgearbeitete Charaktereigenschaften, mit deren Hilfe eine sehr bildliche Darstellung von Historie, Handlung und Landschaft entsteht. Besonders die deutschen Soldaten stellen sich durch ihre Aussagen, die kontrovers und verblendet sind, auch ohne ihre Taten, in ein schlechtes Licht. Möchten besonders schlau und herrschaftlich erscheinen, wirken aber dümmlich und lösen beim Leser Wut und Missfallen aus.
'Aber diese Leute hier sind noch schlimmer. Das macht der Krieg aus den Menschen: Er verwandelt sie ihn böse Monster.' “


Das Mädchen Kalinka begibt sich auf eine mutige Reise, die nicht komplett der Realität entspricht und einige eher märchenhafte Passagen erhält, aber so dicht an der Historie des Zweiten Weltkriegs angelehnt ist, dass sie sicher so ähnlich tatsächlich passiert sein könnte. Dass die Rasse der Przewalskis fast ausgestorben wäre und auf nur neun Stammpferde zurückgeht, ist nicht Kerrs Feder entsprungen, sondern entspricht Tatsachen. Mir gefällt wie der Autor auf die irrsinnigen Gräueltaten des Kriegs hinweist, diese einbettet in die bewegende Geschichte eines Mädchens und zweier Pferde, die ein ähnliches Schicksal und eine besondere Freundschaft teilen, und so einen sehr lesenswerten Roman entwickelt, der für mich einer der Lesehiglights der Herbst- / Winterprogramme ist.

Buchinfo:


Rowohlt (September 2015)
288 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
16,99 €
Originaltitel: The Winter Horses 
Übersetzung: Christiane Steen
Rowohlt auf Facebook
Rowohlt auf Twitter
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Hier versandkostenfrei bestellen:



15.11.15

[Reiseproviant] #39

Ihr Lieben,


ein schockierendes Ereignis überschattet derzeit nicht nur die betroffene europäische Gemeinde, sondern die ganze Welt: Der Amoklauf in Paris, der nur ein Terroranschlag in einer ganzen Reihe ist. Viele Menschen sind ums Leben gekommen, verletzt, traumatisiert. Eine unberechenbare Gefahr greift um sich, versucht freies Denken, freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.
Es ist schwer einfach so zum Alltag zurückzukehren. Neben all den politischen Posts, Beiträgen und Fotos in sozialen Netzwerken darüber zu schreiben, dass ich am Samstag Abend lese, dass ich mein Wohnzimmer dekoriere oder Kekse gebacken habe, heißt für mich nicht, dass ich das geschehene der letzten Tage ignoriere. Es bedeutet für mich zu zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen. 

Lesereise:


Im letzten Reiseproviant habe ich darüber geschrieben, dass ich gemeinsam mit Tine den vierten Teil des "Dämonen Zyklus" von Peter V. Brett beginne. Die Lesermeinungen zum vorletzten Band der Serie gehen ziemlich auseinander, doch ich kann nun abschließend sagen, dass sich "Der Thron der Finsternis" nahtlos in eine Serie einfügt, die für mich eine der Besten im Genre High Fantasy ist. Über rund 1000 Seiten hat Peter V. Brett mich fast durchgängig sehr gut unterhalten. Zum Ende hin hat er noch mal alle Register gezogen und mich mit überraschenden Wendungen schockiert.
Am heutigen Sonntag ist bei uns so richtiges Herbstwetter. Sturm und Regen peitschen ums Haus und sorgen für ein gemütliches Gefühl in der wohligen Wärme des Wohn- bzw. Bücherzimmers. Zum Lesen habe ich mir ein eher ungemütliches Buch herausgesucht, das ich schon gestern Abend begonnen habe. "Winterpferde" von Philipp Kerr, spielt im kalten Russland des zweiten Weltkriegs und ist die Geschichte eines Mädchens, das gemeinsam mit einem alten Mann und zwei Wildpferden durch die Ukraine flieht. Ein Thema das sehr zum aktuellen Geschehen passt und dem Leser vor Augen hält, dass es einen ähnlichen Terror wie heute - in anderer Form zutage getreten - schon einmal gegeben hat und das Aufklärung ein ebenso wichtiger Bestandteil ist, wie Stellung zu beziehen. 
"Winterpferde" ist sehr bedrückend, aber auch vielversprechend. Die ersten 50 Seiten habe ich bereits verschlungen.

Blogrundreise:


Ein Blogpost, der in dieser Woche für viel Aufmerksamkeit, lobende Worte und hilfreiche Tipps gesorgt hat, ist Herzpotenzials Beitrag übers bloggen.

Über das literarische Quartett wurde in soziale Netzwerken ja bereits einiges gesagt. Auch ich habe im Freitagsspecial meinen Senf dazu gegeben. Ganz einer Meinung bin ich übrigens mit der Buchbloggerin, die einen interessanten Beitrag dazu verfasst hat.

Lesemomente stellt eine Self Publisherin und ihre ganz tolle "Fateful Future" Reihe in einem "All Eyes on" Post vor.

Auf Book Walk kommen Fantasy Fans auf ihre Kosten: das Frühlingsprogramm des Piper Verlags wird vorgestellt und enthält so viele Schätze!

Fast zeitgleich zur Anschaffung meines eReaders, ist das neue, besondere Programm des Eden eBook Verlags gestartet. Edel & electric, so der Name des jungen wilden eBook Verlags, dessen Logo ich sehr gerne mag. Wie dieses entstanden ist und wie eine Illustratorin und Grafikerin arbeitet, könnt ihr im Interview mit Frau Unverblümt lesen.

Lebensreise:


gebacken: Tatsächlich habe ich diese drei Dinge alle im Backofen hergestellt.
White Chocolate Caramel Cookies mit gesalzenen Cashewnüssen - mein vorweihnachtliches Plätzchen Highlight,
Zimtmandeln (mit Hilfe vom Thermomix) und Apfelchips.

gekocht: bzw. eigentlich auch im Backofen gemacht - gefüllten Butternut Kürbis.

genossen: den Montagmorgen in aller Ruhe für ein gesundes Frühstück und Schreibereien zu nutzen.


Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Sonntag. Lasst es euch gut gehen und genießt die Zeit mit den Menschen, die euch am Herzen liegen. 




14.11.15

Dämonen Zyklus 04: Der Thron der Finsternis - Peter V. Brett

ACHTUNG!! „Der Thron der Finsternis“ ist der vierte Teil einer Reihe und enthält Spoiler zu vorangegangenen Bänden des Dämonenzyklus.



Seit drei Jahren heißt es jährlich warten auf den neusten Band des Dämonenzyklus. Um die Wartezeit zu überbrücken und meine Erinnerungen etwas aufzufrischen, habe ich mir Teil drei „Die Flammen der Dämmerung“ als Hörbuch angehört. Das war auch gut so, denn so fiel mir der Einstieg in „Der Thron der Finsternis“ leicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass diejenigen, deren Leseerfahrung mit dem dritten Band schon länger zurück liegen, mehr Schwierigkeiten hatten wieder ins Geschehen hineinzukommen, denn vor allem die krasianischen Namen klingen sehr gleich und erschweren die Unterscheidung der Figuren.

Beim Hören des Hörbuchs ist mir aber vor allem eins aufgefallen: wie gern ich die Reihe inklusive der sehr vielfältigen Figuren doch mag. Vom ersten Band an, bin ich Fan, aber jetzt ist mir nochmals bewusst geworden, wie gut die Serie doch ist und wie wohl ich mich mit Charakteren, Setting und Handlung tatsächlich fühle.

' […] Die Magie verwandelt einen Funken Wut in eine Flamme und eine Flamme in ein Dämonenfeuer. […] ' “

Im Vorfeld ist mir aufgefallen, dass „Der Thron der Finsternis“ nicht so viele gute Kritiken bekommen hat, wie seine Vorgängerbände. Ich frage mich warum. Sicherlich gibt es hier und da kleine Längen, aber die hat es auch schon in den anderen Romanen gegeben. Dass fast 1000 Seiten nicht nur von Kampfszenen, Intrigen und Schlachten beherrscht werden, finde ich keineswegs qualitätsmindernd. Und wer bis zum Ende durchhält, wird dort mehr als reichlich belohnt.

Im vierten Teil der Reihe stehen zwischenmenschliche Geschehen im Vordergrund, wodurch der Leser den Hintergrund bestimmter Handlungsvorgänge besser versteht und den Kontakt zu den Figuren ausbauen und vertiefen kann. Nebenfiguren gewinnen meine Aufmerksamkeit, ganz besonders, wenn es sich dabei um die Bewohner des Tals, die Holzfäller und Kräutersammlerinnen handelt. Die krasianische Kultur spricht mich ein bisschen weniger an, vielleicht auch deshalb, weil ihre Inhalte für mich nicht immer ganz nachvollziehbar sind. Ganz besonders gern verbringe ich meine Zeit mit Leesha, die eine meiner Lieblingsfiguren und in diesem Band sehr präsent ist. Arlen und Jardir – so viel kann ich verraten – bekommen in diesem Band nicht so sehr viel Aufmerksamkeit, was aber von den anderen Figuren und deren Handlungen gut aufgefangen wird.

'Die Seelendämonen wissen, wer du bist. Bei der erstbesten Gelegenheit werden sie dich angreifen.' “

Die Dämonen sind in der Vergangenheit immer stärker geworden und stellen das in „Der Thron der Finsternis“ nochmals stark unter Beweis. Es ist an der Zeit, dass sich die Völker zusammenschließen und gemeinsam in den Kampf ziehen. Stellt sich die Frage, was passiert, wenn das Rudel seinen Anführer verliert? Werden sie kopflos? Gelingt es ihnen sich trotzdem aktiv gegen den Feind zu stellen? Oder zerfleischen sich die machthungrigen unter ihnen gegenseitig?

Bis zum letzten Fünftel des Romans unterhält Brett den Leser mit Handlungssträngen, die sicherlich für den finalen Band von Notwendigkeit sind, die aber eher unter den Begriff nettes Geplänkel fallen, als mit extremer Spannung zu fesseln. Ich habe auch diese Abschnitte wirklich gern gelesen, habe mich aber hin und wieder gefragt, ob sie tatsächlich relevant sind. Sind sie. Denn ganz plötzlich schlägt Peter V. Brett mit unglaublicher Wucht zu und plötzlich ergeben viele zuvor erzählte Passagen einen größeren Sinn. Ich war völlig baff mit welcher Schärfe er die Spannung in die Höhe zieht und zum Teil so schockiert, dass ich in ein Gefühschaos stürzte, dass mich fast zum heulen gebracht hat. Überraschende Handlungen und Schockmomente, die ich in all meinen vorangegangenen Spekulationen nie und nimmer erwartet hätte. Ganz zum Schluss breitet sich nochmals solch eine Finsternis aus, dass ich dem fünften und vermutlich finalen Band mit Schrecken, aber auch Ungeduld entgegen blicke.

Buchinfo:


Heyne (September 2015)
1024 Seiten
Paperback Klappenbroschur
16,99 €
Originaltitel: Demon Cycle 04: The Skull Throne
Übersetzung: Ingrid Hermann-Nytko
Heyne auf Facebook
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Heyne auf Instagram
Peter V. Brett auf Facebook

Reiheninfo:


01. Das Lied der Dunkelheit
04. Der Thron der Finsternis
05. Engl. Arbeitstitel: The Core


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13.11.15

[Freitagsspecial] 39 Blogfragen für Blogger

Entdeckt habe ich diese Fragen, die ein bisschen weiter über den Tellerrand blicken, als die Tags, die ich bisher zum Thema bloggen gelesen habe, bei Buchkolumne. Entwickelt hat sie jedoch der sympathische Stefan Mesch.

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:
Atemübungen“ von Anne Tyler. Ich selbst habe erst in diesem Jahr Bekanntschaft mit Anne Tylers Schreibkünsten gemacht, als ich ihren Roman„Der blaue Faden“ gelesen habe. Er hat mir so gut gefallen, dass ich alle Anne Tyler Bücher meiner Mutter mit zu mir genommen habe. Gelesen habe ich sie bisher aber noch nicht.

Das Lieblingsbuch meines Vaters:
In der Arbeit mit meinem Pferd Dark Pepper
profitiere ich von H. Boldts Tipps
Mein Vater liest nur Sachbücher. Meistens über Pferdesport – die große Passion unserer Familie. Häufig durchgeblättert, in der Praxis getestet und viel empfohlen „Das Dressurpferd“ von Harry Boldt.

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…
die Mehrzahl der Posts Rezensionen sind und ich den Austausch über gelesenes, meine Lesesucht und Bücherleidenschaft liebe.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…
ich gerne und viel rede (besonders über Bücher. Alternativ über Pferde.) und meinen Wortschwall auch in meinen Rezis nicht bändigen kann, ohne Rücksicht auf Länge und immer aus dem Herzen heraus.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…
Wie unterschiedlich man ähnliche Meinungen ausdrücken kann.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?
Wenn ich eine Amazon Rezension lese, dann meist, weil ich auf der Seite gelandet bin, um Buchdaten zu erfragen. Seitenzahl, Preis etc. Möchte ich im selben Zug die Bewertungen nutzen, halte ich Ausschau, ob bei den Rezensenten ein Bloggername ist, den ich kenne und dessen Geschmack ich einschätzen kann. Finde ich kein bekanntes Gesicht, lese ich eher die negativen Rezensionen, um einschätzen zu können, ob mich das, was den Rezensenten*In gestört hat, auch stören würde. Rezis, in denen Meinungen wie „Blödes Buch“ oder „Total langweilig“ dominieren, ignoriere ich.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?
Mir nützt sie relativ wenig, denn der Zugang zu Printmedien, die über Bücher schreiben, ist für mich leider sehr begrenzt. In dem Ort, in dem ich lebe bekomme ich maximal das Buchjournal in der Buchhandlung. Der Versuch den Spiegel zu bekommen, um die Ausgabe des Literaturspiegels lesen zu können, ist fehlgeschlagen. Prinzipiell lese ich aber auch diese Kritiken gern. Im Endeffekt mache ich mir sowieso mein eigenes Bild, da Geschmäcker nun mal sehr verschieden sind.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?
Leider lesen immer noch zu wenige Nicht-Blogger Blogs, bzw. wissen überhaupt von deren Existenz. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde.
Leidenschaft Lesen
Nach über 5 Jahren bloggen bzw. Blogger Kommunikation habe ich einige Blogs gefiltert, auf deren Empfehlungen ich blind vertraue. Das sind z.B. die Mädels von Herzpotenzial oder auch Petzi von Die Liebe zuden Büchern im Bereich Belletristik oder Lesemomente und Damarisliest, wenn ich ein gutes Jugendbuch suche. Nur noch ganz selten erwische ich ein Buch, das mir nicht gefällt, was auch erklärt, warum es so viele positive Rezensionen auf meinem Blog gibt.

Wahr oder falsch:Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”
Leider wahr. In meinem Umfeld gibt es nur wenige lesebegeisterte Menschen und noch viel weniger, die einen ähnlichen Geschmack haben.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:
Ich mag besondere Bücher. Bücher, die durch skurrile Figuren auffallen, die sich aus der breiten Masse herausheben, weil sie einen anderen Blickwinkel ihres Themas haben, Bücher, die vielschichtig sind, zum nachdenken anregen und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden können. Ich mag Bücher, die mich berühren, die mich tief unter der Haut packen und mir nachhaltig im Kopf und / oder Herzen bleiben. Vor allem aber sollte lesen Spaß machen. Egal wer was liest. Hauptsache es wird gelesen.
Wie schon oben erwähnt, rede und rezensiere ich, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Dass sich meine Rezis trotzdem oft unterschiedlich lesen und sich auch sprachlich unterscheiden, liegt wohl daran, dass ich mich ganz leicht von Sprache und Schreibstil der Autoren*Innen anstecken lasse. Ich übernehme in Unterhaltungen übrigens auch ganz schnell die Dialekte meiner Gesprächspartner :D

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?
Ich habe den ein oder andern Blogleser*In, der /die regelmäßig vorbei schaut. Für meinen Blog eine Zielgruppe zu finden, ist aber eher schwierig, da ich auch kein Zielbuch, bzw. Zielgenre habe. Ich bin querbeet Leserin. Ich wechsle das Genre von Buch zu Buch (beschränke mich allerdings auf die Genres zeitgenössische und historische Literatur, Fantasy und Jugendbücher). Eigentlich würde ich mir wünschen eine Zielgruppe ansprechen zu können, aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut. Würde ich mich auf eins der Genres beschränken würde ich mich schnell langweilen und unwohl fühlen.

Habe ich Vorbilder?
Auf jeden Fall. Nur mit Hilfe von Vorbildern kann man sich auch Ziele stecken.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?
Ich merke, dass sich meine Bücherauswahl nicht nur in Richtung „mehr Bücher, die meinem Geschmack entsprechen“ verändert, sondern auch mein Geschmack an sich. Ich habe das Gefühl Geschichten erwachsener, mit einer anderen Lebenserfahrung zu betrachten (klingt ein bisschen kitschig …). Meinem früheren Lese- Ich würde ich dennoch raten, nichts an seinem Leseverhalten zu verändern, denn die Freude mit der ich früher gelesen habe, mit der ich ganz unbedarft an ein Buch herangegangen bin, ist ebenso viel Wert, wie der psychologische Blick auf Handlungsvorgänge der Figuren, den ich in den letzten Jahren entwickelt habe. Jeder Lebensabschnitt bringt sein Leseverhalten (und -vergnügen) mit sich und das ist auch gut so.

Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?
Letzteres. Ich bin immer noch total geflasht, wenn ein Verlag meine Rezis lobt oder teilt und freue mich sehr darüber. Ich finde es toll, dass Blogger mittlerweile so einen großen Bestandteil der Buchbranche einnehmen, denn in einem Blogbeitrag steckt ganz viel Arbeit und Herz. Ich freue mich, dass diese Arbeit „entlohnt“ wird, indem man das Buch kostenlos behalten darf, sehe es aber trotzdem nicht als Selbstverständlichkeit an. Manchmal wünsche ich mir, dass Verlage noch ein bisschen mehr zwischen Blogs, deren Arbeit und Bemühungen unterscheiden. Dass sie mehr auf Qualität achten und dies auch offen im Kontakt mit Bloggern äußern. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich prinzipiell sehr ehrgeizig bin und einige Ansprüche an mich selbst stelle.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:
Die Jugendbuchregale
Ich wünsche mir, dass sich mein Blog weiterhin positiv entwickelt, dass meine Leser gerne meinen Blog besuchen, um dort zu stöbern und sich mit mir auszutauschen. Dass ich mich weiterhin entwickle und auch bereit für Perspektivwechsel bin.
Ich arbeite daran nicht mehr nur Leser zu sein, sondern irgendwann auch den Sprung auf die Seite der Autoren zu schaffen.
Vor allem aber wünsche ich mir die Zeit und Lust am lesen, bloggen und darüber reden nicht zu verlieren.

Empfehlungen!
Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe:
Wolfskrieger“ von M.D. Lachlan. Ich war total begeistert von der Atmosphäre des Buches, fühlte mich entführt in alte nordländische Sagen, geriet zwischen Schwerter und Äxte blutrünstiger Männer und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Andere Lesermeinungen waren eher mau. Der zweite Teil ist nicht mehr ins deutsche übersetzt worden. Schade.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht:
Ich weiß nicht, ob andere Leser das Buch besonders mögen, aber nachdem neulich eine anonyme Leserin meines Blogs kritisiert hat, dass ich eine negative Rezension zum Buch „Ligas Welt“ von Margo Lanagan geschrieben hätte, weil ich das Buch nicht richtig verstanden habe, kann ich wohl dieses Buch nennen. Ich weiß trotzdem nicht, warum ich ein Buch über sexuellen Missbrauch in der Familie und ein daraus entstehendes Kind bzw. den Wunsch daraus ein Kind entstehen zu lassen, mögen muss. Egal was in welcher Form dadurch dargestellt werden soll.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:
Natürlich ganz viele ;) Ich hoffe, dass ich die „Fateful Future“ Romane von Nadine Erdmann ein bisschen bekannter machen konnte. Bisher sind die Bücher nur als eBooks via Selfpublishing erschienen, sind aber sehr lesenswert, da die Autorin nicht nur einen tollen Schreibstil hat, sondern auch spannende Geschichten um ihre sympathischen jugendlichen Protagonisten kreiert.

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:
Die historischen Romane von Rebecca Gablé. Die Warnung ist allerdings unbedingt zu ignorieren. Erst mal eins der Bücher gelesen ist man ganz schnell süchtig. Dabei ist es wirklich nicht einfach, ihre Geschichten zu überstehen, denn man leidet so sehr mit den Figuren, die allerhand durchmachen müssen. Die oftmals mehr als 800 Seiten sind im Nu verschlungen.

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand:
Es gibt keine schlechten Bücher, nur unterschiedliche Vorlieben.

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand:
Es gibt keine guten Bücher, nur unterschiedliche Vorlieben (bin ich schon langweilig?)

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:
Versehrt“ / P. McCormick. Ein tief bewegendes Jugendbuch über die Schrecken des Kriegs und einen Soldaten, der traumatisiert aus dem Irak Krieg heimgekehrt ist. Ein sehr lesenswerter Roman, nicht nur für Jugendliche.

Ein Buch, das viel zu oft überall besprochen wurde:
Silber“ von Kerstin Gier, weil ich es leider recht langweilig fand.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst:
DerPrinz der Dunkelheit“ / M. Lawrence. Der Prinz ist ein richtig fieser Typ und trotzdem ist die Trilogie, die sich mit „Der König der Dunkelheit“ und „Der Kaiser der Dunkelheit“ fortsetzt und ein Higlight im Genre High Fantasy ist.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst:
NoExit“ / D. G. Marshall. Der jugendliche Protagonist wird mit vielen Problemen konfrontiert, wie z.B. häusliche Gewalt. Ein Thema, mit dem ich mich privat zum Glück nie auseinander setzen musste, beruflich leider häufig konfrontiert werde, was das entsetzen über Selbstverständlichkeit häuslicher Gewalt nicht mindert.

Mein Lieblingscover in diesem Herbst
Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:
Die schwarz weißen Bücher aus dem Königskinder Verlag mochte ich gern. Cover, die mir gefallen, müssen entweder total puristisch, edel sein, so wie „Rosaleens Fest“ oder aber total verschnörkelt, verspielt, so wie „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“.

Ein anderes Produkt, von dessen Gestaltung/Cover/Design ich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:
Ich mag die Notizbücher aus dem Moses Verlag richtig gern. Sie sind witzig, pfiffig und total herzig.

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag:
Ah, gemeine Frage. Die längste und innigste Verbindung besteht zur Pressemitarbeiterin des Fischer Jugendbuchbereichs. Von dort kamen meine ersten Reziexemplare und wir arbeiten nun seit über 5 Jahren miteinander, so dass sie meinen Geschmack immer sehr gut einschätzen kann und mir immer wieder gute Bücher empfiehlt.
Insgesamt habe ich bisher aber mehr positive, als negative Erfahrungen mit Verlagen gemacht. Ganz besonders freue ich mich natürlich immer dann, wenn ein*e Pressemitarbeiter*In nochmal eine persönliche eMail sendet, um sich für eine Rezi zu bedanken, die besonders gut gelungen ist (was nicht nur bei positiven Rezensionen vorkommt).

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten:
Susanne Hanika postet immer tolle Essens- und Pferdebilder :D Ich glaube, das sich unsere Lebensstile ziemlich ähneln. Außerdem mag ich die informativen Posts von Micaela Jary.

mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:
Kathrin Weßling

ein toller Text/Beitrag aus einem Verlagsblog:
Gerade lese ich gern die Schreibtipps auf dem Blog von Neobooks, ansonsten gerne den Blog des KiWi Verlags.

ein Lieblings-Blogbeitrag (kein ganzer Blog):
BuzzaldrinsBeitrag über Jugendbücher

ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin:
Meistens bin ich stolz auf Rezensionen, die meine Begeisterung so gut rüber bringen, dass Blogbesucher das Buch direkt kaufen oder auf ihre Wunschliste setzen. Meine derzeitige Lieblingsrezi ist die zu „Fieber am Morgen“.
Ich mag auch die Buchgeflüster Beiträge, die ich gemeinsam mit Lesemomente schreibe und veröffentliche, weil wir immer ganz viel Arbeit und Herzblut rein stecken. Leider werden sie – gemessen an der Besucherzahl der Posts – recht wenig kommentiert.

mein erfolgreichster Text/Beitrag:
Der Rezensionsindex :D

ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient:
Wie gesagt, wir geben uns immer besonders viel Mühe mit den Buchgeflüster Beiträgen ...

zum Vervollständigen:

Das neue literarische Quartett…”
...macht mich traurig. Es gibt viel zu wenig Literatur im Fernsehen. Ein Medium, das solch einen einfachen Zugang bietet, könnte jede Woche eine tolle Büchersendung zeigen. Sendungen, die auch Nicht-Leser oder Wenig-Leser zum Lesen animieren könnten. Ein literarisches Quartett, das vor Hochmut strotzt, Bücher spoilert und auseinander nimmt, die scheinbar noch nicht mal komplett gelesen wurden und wenn dann nur sehr oberflächlich, da Themen, die zwischen den Zeilen stehen von diesen „Profis“ nicht erkannt werden - da schalten sicher mehr Zuschauer ab, als an.
FBM15
Hier mit Anka von Ankas Geblubber

Auf der Buchmesse…”
habe ich so unfassbar nette, herzliche und wundervolle Begegnungen mit Büchermenschen gehabt, dass ich noch jetzt – lange danach – davon zehre.

Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwar...“
Nachts“ von Mercedes Lauenstein

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