Apple und Rain - Sarah Crossan






Apple ist drei Jahre alt, als ihre Mutter sie bei ihrer Großmutter zurück lässt und verschwindet. Sie ist 14 Jahre alt, als diese unverhofft und genau so stürmisch wie sie gegangen ist, wieder auftaucht.

Wie soll sie ihrer Mutter begegnen? Der Person von der sie sich nichts anderes wünscht als Aufmerksamkeit und Liebe? Bedürfnisse, nach denen sie sich in den vergangenen elf Jahren mehr und mehr gesehnt hat.

Klar hat sie ihre Großmutter. Sie sorgt sich um Apple, bekocht sie, kauft ihr Kleidung, bringt sie zur Schule und holt sie dort auch wieder ab. Kein angemessener Umgang für eine 14-jährige, befindet nicht nur Klassenkameradin Donna, der es Vergnügen bereitet, Apple zu schikanieren, sondern auch Apples Mum, die das Leben eines jungen Mädchens führt. Mitten in der Woche Partys feiert, Apple dazu anspornt die Schule zu schwänzen und Jungs zu küssen.

„Apple und Rain“ ist ein berührender Roman aus der Feder von Sarah Crossan, die bereits mit „Die Sprache des Wassers“ gezeigt hat, welch Sprachkünstlerin sie doch ist. Kleine, feine, sehr leise Worte, die zuschlagen. Im fiktiven Setting der Protagonisten ebenso, wie in der Gefühlswelt der Leser.

„Apple hat Angst,
Angst vor Zank und Streit,
[…]
Angst vor Dads Launen, Angst vor Nanas Stirnrunzeln,
Angst, sich vor die Klasse zu stellen und zu sprechen,
Angst, als Idiotin dazustehen,
Angst, keine Freunde zu haben,
[…]
Angst, dass Mum aus dem Nichts auftaucht,
Angst, Wasser zu schlucken und zu ertrinken,
Angst, eine schlechte Tochter zu sein.“
(Auszug aus Apples Gedicht zum Thema „Angst“)


Mit Apple hat sie eine sehr interessante Figur erschaffen, die in ihren jungen Jahren schon einige Stationen des Lebens durchlaufen muss. An vorderster Front steht der Wunsch geliebt zu werden. Von Egan, dem hübschesten Jungen der Schule, von Pilar, der Freundin, die ihr weggestohlen wurde und vor allem von ihrer Mutter, deren Vorstellung von Liebe so ganz anders ist, als die der Großmutter.

So ist es für Apple nicht leicht, diese überhaupt zu erkennen. Lange hat sie sich danach gesehnt, von der Mutter Liebe und Anerkennung zu bekommen. Um dem Schmerz zu entgehen, hat sie so lange eigene Geschichten um ihre Mutter und deren Leben gebaut, dass es ihr nun schwer fällt zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an, um zu gefallen. Eine handeln zu dem sie durch Erfahrungen gezwungen wird und das sich auch auf andere Bereiche ihres Lebens auswirkt.

Es ist die Liebe, die sie in eine Schlucht gerissen hat, aber es ist auch die Liebe, die sie dort wieder heraus holt. Und trotzdem ist „Apple und Rain“ kein Liebesroman. Es ist ein Schatz. Eins dieser besonderen Bücher, das mit kraftvollen Worten und berührenden Szenen, einen festen Platz im Leserherz findet. Eben „eine Geschichte, die gebrochene Herzen heilt“ (Zitat: cbt)




Buchinfo:


cbj (August 2016)

320 Seiten

Paperback, Klappenbroschur

12,99 €

Übersetzung: Birgit Niehaus



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Weitere Rezensionen zu „Apple und Rain



Pferde - ein literarischer Adventskalender



Seit Jahren suche ich den perfekten Adventskalender, um mir die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen. In diesem Jahr habe ich ihn endlich gefunden. Er ist sogar so passend, dass mein Mann auch einen für mich gekauft hat und beide etwa zeitgleich mit der Post bei uns eintrudelten. Der Kalender bereitet mir so große Freude, dass ich diese kaum in Worte fassen kann.

Pferde - ein literarischer Adventskalender

Jeder Tag vom 1. - 24. Dezember wird sowohl mit einem Pferdefoto, sowie einem Pferdebild, das Historie von Domestikation des Pferdes und Reiterei darstellt. Abgerundet wird das ganze mit einem schönen Spruch.





Die Fotos wurden von Christiane Slawik, DER Pferdefotografin, aufgenommen. Wie gewohnt stellt sie Schönheit und Freiheit des Pferdes so lebendig dar, dass man meinen könnte, das jeweilige Foto erwache zum Leben. Der feine Duft von Pferdefell vermischt sich mit dem Geruch der Adventszeit.

Es ist ein Kalender voller Emotionen. Sprüche von Rittmeistern, Kavalleristen, aber auch indianischer oder religiöser Herkunft drücken aus, was Reiter und Pferd verbindet. Freundschaft, Respekt und das feine Gespür, das man füreinander bekommt, wenn man täglich als Kameraden miteinander arbeitet. Emotionen, die sicher jeder kennt, der mit Pferden zu tun hat und die bei mir mit jedem Foto, jedem Spruch aufwallen.




Für all diejenigen, die nicht so eng mit Pferden verbunden sind, wie ich es bin, ist der Kalender einfach hübsch anzusehen. Die hochwertigen Fotografien und Bilder sind auf festem Papier gedruckt und sicher von einer stabilen Ringspirale eingefasst.

Katzen- und Hundeliebhaber kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn der Verlag arsEdition hat den literarischen Kalender ebenfalls mit Katzen- und Hundebildern im Programm.


Kalenderinfo:


arsEdition (April 2016)

Fotos: Christiane Slawik

25 Seiten

Aufsteller mit Silberfolie

9,99 €


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[Blogtour] "Wir beide in schwarz weiß": Interview mit Autorin Kira Gembri




1. Kris und Alex sind für deine Leser alte Bekannte. Warum bist du zu ihnen zurückkehrt? Was macht für dich den Reiz an den Beiden aus? War dir schon beim Schreiben von „Wenn du dich traust“ klar, dass sie eine eigene Geschichte bekommen werden?
Ja, ich wollte ihre Geschichte schon damals gern erzählen – deshalb ist die WG-Party, in der alle Hauptfiguren der beiden Bücher aufeinandertreffen, eine Art Schlüsselszene für mich. An Kris hat mich besonders gereizt, dass sie oberflächlich betrachtet das totale Gegenteil zu Lea aus „Wenn du dich traust“ darstellt: Sie ist extrovertiert, quirlig, spontan, wirkt lebenslustig und völlig mit sich selbst im Reinen. Allerdings sollen meine Figuren nie so bleiben, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen :) Man könnte sagen, dass Lea erst im Laufe der Handlung von „Wenn du dich traust“ ihre innere Stärke offenbart, wohingegen Kris in „Wir beide in Schwarz-Weiß“ nach und nach ihre verletzliche Seite preisgibt.
Und Alex musste auf jeden Fall seine eigene Geschichte bekommen, um nicht für immer der selbstsüchtige Fiesling zu bleiben, als den man ihn in „Wenn du dich traust“ kennenlernt! Ich habe ihn darin absichtlich weniger deutlich charakterisiert als z.B. Flocke, damit mir für sein eigenes Buch mehr Gestaltungsspielraum bleibt und ich die Leser mit seiner „Demaskierung“ stärker überraschen kann.

2. Alex ist eine sehr intensive Figur, die mich als Leserin sehr eingenommen hat. Gerade das macht ja einen Teil seiner Persönlichkeit aus. Wie leicht oder schwer ist es dir gefallen, ihn am Laptop zurückzulassen und nicht in deine eigene Realität mitzunehmen?

Ehrlich gesagt gab es durchaus Phasen, in denen mich das Schreiben emotional ziemlich mitgenommen hat. Ich versuche ja, mich ganz tief in meine Figuren hineinzuversetzen, mich sozusagen in sie „hineinzudenken“ – und wer das Buch bereits gelesen hat, weiß, dass es in Alex‘ Innerem manchmal sehr düster aussieht. Hinzu kam meine intensive Recherche zu dem besonderen Thema des Romans, bei der ich jede Menge Erfahrungsberichte von Betroffenen gelesen habe; so etwas macht einen natürlich auch betroffen. Aber ich glaube, dass ich meine Protagonisten generell niemals am Laptop zurücklasse. Sie begleiten mich in meinen Alltag, während der Hausarbeit, auf Zugfahrten …, das ist für mich ganz normal.

3. Hand aufs Herz: wie viele Kätzchen T-Shirts befinden sich in deinem eigenen Kleiderschrank (Kris trägt häufig Kätzchen T-Shirts und wird von Alex deshalb aufgezogen)?

Nur eines, das schwöre ich!!! Okay, und ein Pullover. Außerdem zwei bis drei Snoopy-Pyjamas, aber die zählen nicht, du hast ja nur nach Kätzchen gefragt :) Und leider trage ich auf meinen schwarzen T-Shirts meistens auch ein paar deutlich sichtbare, weiße Katzenhaare mit mir herum.

4. Kris ist ja optisch eine sehr auffallende Persönlichkeit. Wie wichtig ist dir die Individualität deiner Charaktere?

Sehr wichtig – sie sollen alle ihre besonderen Stärken und Schwächen haben, dürfen gerne mal anecken, aber nicht austauschbar sein. Mir gefällt es auch, wenn sich ihr Charakter ein wenig in ihrem Äußeren oder in ihrer Art, sich zu kleiden, widerspiegelt. Dafür, dass Kris mit ihren 19 Jahren immer noch wie eine unangepasste 15-Jährige herumläuft (Grunge-Klamotten, Katzenshirts, bunte Leggings …), gibt es ja einen speziellen Grund, der im Laufe der Geschichte enthüllt wird.


(c) Arena Verlag


5. Du hast bereits Romane geschrieben, die ins Genre der Fantasy einzuordnen sind. Deine letzten Veröffentlichungen sind in der Realität angesiedelt. Wo fühlst du dich wohler? Ist es dir wichtig flexibel zu bleiben und in den Genres wandern zu können, sowie verschiedene Altersstufen anzusprechen oder hast du das Gefühl schriftstellerisch jetzt in einem Setting angekommen zu sein, in dem du dich wohlfühlst, in dem du verweilen möchtest?

Ich fühle mich in beiden Genres sehr wohl, weil beide ganz genau in mein „Beuteschema“ als Leserin fallen. Außerdem liebe ich die Abwechslung: Meine Fantasy-Romane sind bereits für ein jüngeres Publikum geeignet, sie sind insgesamt heiterer, und so macht mir das Schreiben viel Spaß. Dafür lerne ich bei der Arbeit an meinen realistischen Geschichten mehr, sie sind aufreibender zu schreiben und gehen mir stärker unter die Haut.

6. Wie hat sich dein Blick auf dein Umfeld, auf deine Mitmenschen verändert, seit du Autorin bist? Suchst du dort bewusst nach Inspirationen?

Einerseits lasse ich mich gern von meinem Umfeld inspirieren – andererseits versuche ich aber auch, durch meine Arbeit und die Recherche zu verschiedenen Themen einen neuen Blickwinkel auf meine Mitmenschen zu gewinnen. Schließlich hat jeder sein Päckchen zu tragen, und wenn jemand so übertrieben quirlig auftritt wie Kris, so „kauzig“ und scheu wie Lea, so abweisend und waghalsig wie Alex oder so oberflächlich „cool“ wie Jay, dann steckt womöglich viel mehr dahinter, als man zuerst glaubt.

7. Der Weg von der erfolgreichen Selfpublisherin zur Verlagsautorin. Welche positiven Aspekte siehst du in der Zusammenarbeit mit dem Verlag?

Ich habe mir immer gewünscht, meine Romane in den Regalen einer Buchhandlung bewundern zu dürfen, und ich bin sehr glücklich darüber, dass dieser Traum wahrgeworden ist. Außerdem hat man als Selfpublisher zwar viele Freiheiten, muss sich aber auch um Lektorat, Korrektorat, Coverdesign und Marketing kümmern bzw. dafür geeignete Fachleute finden. Das kann zwar sehr spannend sein, hält einen allerdings oft vom Schreiben ab. Beides hat also seine Vor- und Nachteile, doch die Zusammenarbeit mit einem Verlag möchte ich nicht mehr missen.
8. Welche Veränderungen wünschst du dir für die Buchwelt?

Vor allem wünsche ich mir, dass sie möglichst bunt ist und bleibt: Es gibt verschiedenste Wege der Veröffentlichung (reine Selfpublisher oder Verlagsautoren und „Hybride“, so wie ich einer bin ;), verschiedene Vorlieben beim Lesen (E-Book oder Print, Hardcover oder Taschenbuch …) und wunderbare Geschichten, die sich nicht klar in ein Genre einsortieren bzw. einer bestimmten Altersgruppe zuordnen lassen. Das alles hat seine Berechtigung und wird hoffentlich auch immer einen Platz in der Buchwelt finden.

9. Als Leserin bin ich immer auf der Suche nach Leseempfehlungen. Welches sind deine drei (oder vier oder fünf) Lieblingsbücher?


Puh, ich glaube nicht, dass ich mich da auf so wenige Titel festlegen kann. Als leidenschaftliche Jugendbuchleserin habe ich natürlich die „üblichen Verdächtigen“ verschlungen und geliebt: Harry Potter, Die Tribute von Panem, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, die Edelstein-Trilogie, die Nach-dem-Sommer-Reihe, Die Bestimmung … aber die kennst du bestimmt alle schon. Besonders reizen mich auch Jugendromane mit „schwierigen“ Hauptfiguren, so wie z.B. Der Märchenerzähler und Engel & Joe oder die Bücher von Myron Levoy (Der gelbe Vogel, Ein Schatten wie ein Leopard, Drei Freunde …), die mich seit meiner frühen Teenager-Zeit geprägt haben. Abgesehen von Jugendromanen lese ich zurzeit sehr gerne Autobiographien, z.B. von Künstlern oder Menschen mit besonderen Handicaps. Gerade habe ich mit „Erste Person Plural“ angefangen, das mich schon nach wenigen Seiten gepackt hat.


Vielen Dank, liebe Kira!


Weitere Stationen der Blogtour:



14.11.2016  Yvonnes Bücherecke: Buchvorstellung

15.11.2016 Buchlabyrinth: Protagonisten Entwicklung

16.11.2016 Lenas Welt der Bücher: Verbindung zu "Wenn du dich traust"

17.11.2016 Skyline of Books: Schwarz-Weiß Denken mit romantischen s/w Fotos, die immer bunter   werden
18.11.2016 Back down to Earth: Jugendkriminalität

19.11.2016 Leser Welt: Performancekunst

20.11.2016 Sarahs Bücherwelt: FigurenInterview

21.11.2016 Magic Ally Princess Book Dreams: Gegensätze ziehen sich an

22.11.2016 Katjas Bücherwelt: Wien als Schauplatz

23.11.2016 Inas Little Bakery: Studentenleben/Männer WG

24.11.2016 Reading Vanni: Cocktailrezepte schwarz/weiß

25.11.2016 Fantasie und Träumerei: Interview Autorin

[Blogtour] Das wirkliche Leben: unendliche Weiten



Seit dem 14.11. läuft eine Blogtour zum Buch „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“ von Sarvenaz Tash aus dem Magellan Verlag. 10 Tage lang dreht sich alles um ein wunderbares Jugendbuch, das von einer Clique Geeks erzählt, in deren Leben eine Serie eine zentrale Rolle spielt. Die Themen der Blogtour drehen sich deshalb vorwiegend um Dinge wie Cosplay, Fandoms oder Comic Cons.

Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …
(Foto & Text: © Magellan)

Bei mir erfahrt ihr heute was das „Geek sein“ für die Charaktere bedeutet und welchen Stellenwert es in meinem eigenen Leben hat bzw. hatte.

Im Mittelpunkt des Romans stehen Graham und Roxy. Sie sind Fans von John Hughes, der ihre Lieblingsserie „Althena“ geschrieben hat, seit langem aber aus dem Rampenlicht verschwunden ist.

Näher kennengelernt haben sie sich über Harry Potter. Roxy hat Graham angeboten die Bücher gemeinsam zu lesen, als sie ihn allein im Garten entdeckt hat. Zwei #potterheads, die durch ihre Liebe zu einer Buchreihe zueinander gefunden haben.

Einige Jahre später ist es immer noch das Fan sein, das ihre Freundschaft zu etwas besonderem macht. Fanfiction zu schreiben, Comics zu zeichnen und somit ihren Vorbildern nachzueifern, ist das, was sie verbindet.

Das Vorurteil, dass Geeks einsam und allein in ihren Zimmern sitzen und in eine fiktive Welt fliehen, trifft auf Roxy und Graham nicht zu. Sie wachsen an ihrer Verbindung, werden geprägt von den Werten ihrer Vorbilder und schaffen eine Brücke zwischen Fiktion und Realität.

Ich gestehe, ich musste das Wort „Geek“ erstmal googeln, als ich mich dieser Aufgabe stellte. Was bedeutet das eigentlich? Freak? Oder Nerd? Den Begriff kannte ich schon. Aber Geek? Was ist das denn?

Geek [giːk] (engl. umgangssprachlich für „Streber“, „Stubengelehrter“) bezeichnet heute allgemein eine Person, die sich durch großes Interesse an wissenschaftlichen oder fiktionalen Themen auszeichnet, die üblicherweise elektronischer (vgl. Computerfreak) oder phantastischer Natur sind. Seiner Herkunft nach bezog sich der Begriff ursprünglich auf Menschen, die durch absonderliche Taten auffällig waren 
(© Wikipedia)

Ich bin dem Geek sein entwachsen. Nicht unbedingt wegen meines Alters, aber wegen der Tatsache, dass meine kleine Familie gerade im Mittelpunkt meines Lebens steht. Hätte ich Zeit zum Geek sein – oh je, ich glaube, ich könnte es so exzessiv betreiben wie Graham und Roxy.

Früher, als ich noch jung war ;) , da gab es den Begriff Geek ja noch gar nicht. Zumindest hat er es nicht bis zu uns aufs Dorf geschafft. Damals waren wir noch Fans und das nicht von irgendwelchen Computerspielen, denn die waren zu dem Zeitpunkt noch ganz neu, standen in Papas Büro und wenn wir ins Internet wollten, konnte währenddessen keiner telefonieren, weshalb die Internetzeit stark eingegrenzt wurde.

Aber wir hatten immerhin das Fernsehen. Und darin liefen Serien. Kein Reality TV, sondern nach gut geschriebenen Drehbüchern verfilmte Serien mit echten Schauspielern.

Besondere Aufmerksamkeit bekam die Serie „Sindbads Abenteuer“, nicht zuletzt wegen des heißen Hauptdarstellers Zen Gessner, in den wir beide unsterblich verliebt waren.



Von Fanfiction hatten wir noch nie etwas gehört (ich glaube ich kenne den Begriff erst seit zwei oder drei Jahren), aber die einzige Möglichkeit einem so tollen Typen nahe zu kommen, war die ihn zu uns nach Hause zu schreiben. So entstand die Idee zu unserer eigenen Geschichte, die später unter dem Titel „Twins“ (- wir wären so gerne Schwestern gewesen) in einem DIN A4 Schulheft umgesetzt wurde.



Geplottet wurde während der gemeinsamen Ausritte auf unseren Ponys. Zunächst einmal wurden der Anfang bestimmt und das Ende, das wie folgt vorgesehen war: Til Schweiger verliebt sich in meine Freundin, seine Frau bekommt das mit und versucht sie umzubringen – jede gute Story braucht einen spannenden Showdown – sie kann sich jedoch retten, Til ist so begeistert, dass er sie nie mehr verlässt. Ich heirate Antonio Banderas.

Der Mittelteil der Geschichte würde sich von ganz alleine ergeben. Hauptsache all die tollen Schauspieler und Musiker, die wir so gerne mochten würden darin ihren Platz finden. Lebensmittelpunkt unserer fiktiven Ich's sollte ein Reiterhof sein. Ersteres setzten wir in Form einer Liste um, die heute leider verschwunden ist.

Der Rest der Geschichte, die nie bis zum Showdown gekommen ist, uns aber manch verpassten Unterrichtsstoff gekostet hat, weil wir meist in der Schule geschrieben haben, um das Heft dann im Schulbus austauschen zu können, befindet sich noch in meinem Besitz.

Ein Blick hinein und schon kochen Erinnerungen hoch. Unser Weg in die Pubertät, erstes verliebt sein – in eine fiktive Figur, erstes verliebt sein – in einen realen Menschen, nächtelanges durchquatschen, träumen, phantasieren und vor allem dieses Gefühl etwas zu haben, was uns beide ganz besonders verbindet. Etwas wie eine Geheimsprache oder ein Ehrenkodex, der nur uns beiden gehört und von niemand anderem verstanden wird.

Ich glaube dieses Gefühl haben auch Graham und Roxy. Eine ganz besondere Verbindung, die für andere unsichtbar, für sie beide aber ganz deutlich spürbar ist. Die gewachsen ist aus vielen gemeinsamen Stunden, aus Schwärmerei, nacheifern und dem ausloten der eigenen Fähigkeiten.

Feine, kleine Nähte, die aneinander gereiht zu einem starken Band der Freundschaft werden.

Gewinnspiel:


Gewinne eins von zwei Exemplaren von „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte der Welt“.

Jeder Blogtour Teilnehmer hat eine Frage gestellt, die es zu beantworten gilt. In jedem Lösungswort ist ein Buchstabe markiert, den ihr euch merken müsst. Aneinander gereiht ergeben diese Buchstaben ein Lösungswort, das ihr in das unten stehende Formular eintragen müsst.

Das Gewinnspiel läuft bis zum 27.11.2016. Alle Teilnahmebedingungen erfahrt im Text des Formulars.


Frage:


Wie nennt man eine Person, die sich durch großes Interesse an wissenschaftlichen oder fiktionalen Themen auszeichnet, die üblicherweise elektronischer oder phantastischer Natur sind?

LÖSUNGSWORT:

_ _ _ _

(der zweite Buchstabe bringt euch dem Gewinn vielleicht ein kleines Stückchen näher)

Warum ich Jugendbücher lese, obwohl ich nicht zum Zielpublikum gehöre.

Im August 2015 hat Mara auf ihrem Blog Buzzaldrins Bücher einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie darüber berichtet, warum sie so lange keine Jugendbücher gelesen hat und warum sie jetzt wieder damit anfängt.

Seit ich diesen Post gelesen habe, geistert er mir im Kopf herum.

Hier und dort führt das Geständnis Jugendromane Leserin zu sein zu Kopfschütteln. Bücher, die auf Jugendliche zugeschnitten sind, können keinesfalls ernst zunehmende Literatur sein. Welche Themen sind das schon, die Jugendliche mit Begeisterung verschlingen? Liebesgeschichten? Fantasy mit erdachten Wesen fernab jeglicher Realität? Geschichten über Schule, Hobbys und Partys?

Auch das sind Themen des Jugendbuchgenres und ich finde es nicht notwendig sich zu rechtfertigen, solche Inhalte gerne zu lesen, denn Eins wird in der farbenfrohen Welt der Geschichten gerne vergessen: niemand muss sich für das, was er liest, rechtfertigen. Die Gedanken sind frei und die Geschmäcker verschieden.

Vor allem sollte Jugendliteratur weder verurteilt, noch herabgesetzt werden. Zumeist handelt sie von Themen, die zur Entwicklung einer Persönlichkeit beitragen und die den Lebensweg eingehend betrachten. Begleitet uns die Auseinandersetzung damit nicht ein Leben lang?



Wie spannend war die Jugendzeit?

Ich möchte nicht wieder dorthin zurück kehren, denn alles hat seine Zeit. Aber ich möchte Jugendliche ernst nehmen und verstehen. Ich möchte ihnen Respekt entgegen bringen und mich für sie interessieren. Ihnen Zuhören, wenn sie von Themen erzählen, die sie bewegen und die für sie wichtig sind.

In meinem Kommentar zu Maras Text schreibe ich u.a. Folgendes:

"Ich lese sehr gerne Jugendbücher, in denen es um soziale Themen geht. Ich arbeite ja mit schwierigen” oder gern auch “auffällig” genannten Jugendlichen und interessiere mich daher sehr für Themen, die ihnen durch den Kopf gehen bzw. mit denen sie konfrontiert werden.

Das sind häufig sehr unschöne Sachen wie häusliche Gewalt, Drogenkonsum oder sexueller Missbrauch. Das ist zum Teil sehr harter Stoff, den ich auch nicht immer ertragen kann. Schon gar nicht, wenn es an der Arbeit ebenfalls zu viel wird. Themen, die denen in Erwachsenenbüchern in keinster Weise nachstehen. (“Elinor & Park” ist da ja auch so ein Beispiel)."
Zudem mag ich einfach, wenn man Kindern und Jugendlichen mit dem gleichen Respekt zuhört, wie Erwachsenen. Dass man ihnen das Gefühl gibt sie ernst zu nehmen und zuzuhören. Mit “zuhören” hat für mich auch das Lesen von Jugendbüchern zu tun.

Jugendbücher zu lesen bedeutet für mich auch, mich jung zu halten. Damit meine ich nicht einem jugendlichen Wahn hinterherzurennen, sondern mir die Dinge zu bewahren, die man auf dem Weg ins Erwachsenenleben scheinbar oft verliert.

Z.B. das Spiel mit der eigenen Fantasie, der Glaube an Gutes, Hoffnung, Begeisterung und unbändige Freude.

Ich habe einige Bloggerinnen, die auf ihren Blogs Jugendbücher besprechen, das Alter des Zielpublikums aber schon überschritten haben, gefragt, warum sie gerne Jugendbücher lesen.

Das sind ihre Antworten:

Damaris Metzger, Bloggerin auf damarisliest und damarisliestmini:


"Ich lese gerne Jugendbücher ... weil sich mich meist genau dort abholen wo ich stehe. Das klingt für einen Leser jenseits der Zielgruppe zwar etwas suspekt, ist es aber überhaupt nicht. Ich empfinde die Themen als sehr realistisch oder kann mich mit dem Inhalt aufgrund eigener Erfahrungen identifizieren. Jugendbücher haben eine sehr einfache, klare Sicht auf die Dinge. Dazu eine tiefgründige Leichtigkeit, die ich beim Lesen nicht mehr missen möchte."


Jessica Czerner, Bloggerin auf Primeballerina's Books:

"Ich lese gerne Jugendbücher, weil sie meiner Meinung noch oftmals viel lebendiger, unterhaltsamer und authentischer sind als "erwachsene" Bücher. Zumal bieten die Geschichten in Jugendbücher eine so breite Themenvielfalt an, dass ich da so gut wie immer das richtige Buch für die richtige Stimmung und Leselaune finde."




Nicole Forrer, Bloggerin auf Favolas Lesestoff und Favolina + Junior:


"Ich lese gerne Jugendbücher, weil ich mit ihnen super in andere Welten abtauchen und so den oft stressigen Alltag hinter mir lassen kann. Jugendbücher haben eine enorme Bandbreite und lassen sich meistens sehr flüssig und flott lesen, so dass ich einfach geniessen kann."




Warum lest ihr Jugendbücher?
Was macht für euch den Reiz an diesem Genre aus?


Warum lest ihr keine Jugendbücher?
Was hält euch davon ab zu Büchern zu greifen, die nicht auf euer Alter zugeschnitten sind?

Mein Mama-Tagebuch



„Kinder sind das Karussell des Lebens, 
denn ohne sie bewegt sich nichts.“
(Florina Herbein im Vorwort des Buchs)


Ich glaube die ersten Jahre als Eltern sind auch die, die am intensivsten gefühlt werden. Die Kleinen machen jede Menge Fortschritte, entwickeln sich schneller, als wir schauen können, halten uns wach, auf Trab und zaubern uns täglich kleine Schmetterlinge ins Herz.

Am liebsten würden wir jede Minute, jedes Lächeln, jedes „erste Mal“ festhalten, doch die Speicherkarte im Kopf ist die einzige mit ausreichend Kapazität und auch dort verblassen die Erinnerungen leider mit der Zeit. Bilder bleiben noch eher haften als Momente und Gefühle.

Der Verlag arsEdition bietet eine Möglichkeit all die schönen Dinge für die Ewigkeit festzuhalten. „Mein Mama Tagebuch. Die ersten drei Baby-Jahre“. Ein Buch zum Eintragen und Erinnern.

Über 400 wunderschön von Christina Kölsch illustrierte Seiten, verläuft ein immer währender Kalender, der in 1 Seite / Tag eingeteilt ist. Auf jeder Seite gibt es drei Spalten, in die man mit entsprechender Jahreszahl versehen, Erinnerungen eintragen kann.

Florina Herbein, die das Konzept und die dazugehörigen Texte erarbeitet hat, bietet Hilfestellung beim Notieren, denn manchmal war der Alltag so alltäglich, dass man vielleicht gar nicht so genau weiß, was man aufschreiben soll. Vor allem, weil uns der Blick für die kleinen Dinge ja leider manchmal verloren geht. 



Fragen wie „Das große und das kleine Glück. Diese schönen Momente möchte ich nie vergessen“ oder „Fortschritte. Das ist neu“ bieten Orientierung, können aber getrost ignoriert werden, wenn an diesem Tag etwas anderes aufgezeichnet werden soll.

Mit kleinen Einträgen einen großen Schatz an Erinnerungen schaffen – funktioniert ganz leicht mit diesem tollen, liebenswert gestalteten Buch.

Das Tagebuch bietet nicht nur Raum für die kleinen Lieblinge, sondern auch für die Belange ihrer Mütter.

Möglichkeiten zum Ankreuzen wie „Tagesform. Heute fühle ich mich … gut wie nie … kinderlieb … wie immer … überfordert“ oder einfache Fragen, in denen die Mutter aussprechen kann, was sie sich wünscht oder wie sie ihre Zeit gestalten würde, wenn das Kind mal außer Haus übernachtet, gehen auf die Bedürfnisse der Mutter ein. Oftmals ist es als Mutter sehr schwer auch mal Kritik zu äußern oder sich zu beschweren, ohne von anderen schief angesehen zu werden. In den paar Minuten am Tag, in denen der entsprechende Abschnitt im Buch ausgefüllt wird, kann ich als Mutter gerade heraus sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Vielleicht nur eine kleine Erleichterung, aber immerhin eine Möglichkeit seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sehr befreiend.

Ich nutze das Buch sehr gerne und habe es nun sogar schon mehrfach gekauft und weiter verschenkt. Oftmals weiß man nicht, was die neugewordenen Eltern gebrauchen können und beim zweiten (dritten, vierten, etc.) Kind sind ja auch schon viele wichtige Sachen vorhanden, so dass dieses nette Buch eine wirklich schöne Geschenkidee ist.


Buchinfo:


arsEdition (April 2016)

Text und Konzept: Florina Herbein

Illustration: Christina Kölsch

400 Seiten

Hardcover

19,99 €



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Worte können helfen - Literatur gegen Mobbing




Mobbing ist ein "lang andauernder Prozess, in dem jemand z.B. schikaniert, belästigt oder beleidigt wird. [...] Der Mobbingbetroffene ist unterlegen. Diese Mobbingattacken oder Schikanen tauchen häufig und wiederholt über einen längeren Zeitraum, von mindestens einem halben Jahr, auf." (Schwickerath (2014).Mobbing erfolgreich bewältigen.In vier Schritten aus der Mobbingfalle. Basel: Beltz Verlag)

In den Jahren 1997 - 2002 durchgeführte Stichproben an Schulen in Deutschland, haben ergeben, dass über 1.000 Schüler Opfer von Mobbing sind. In Schleswig-Holstein waren es 1997 sogar weit über 10.000 (Quelle: LWL Statistik, Psychatrie Marsberg).

Mobbing ist heutzutage so allgegenwärtig, dass kaum jemand noch nicht damit in Kontakt gekommen ist. Wer selbst nicht direkt betroffen ist, kennt vielleicht jemanden, der indirekt betroffen ist.

In meiner Arbeit als Sozial Pädagogin begegne ich dem Thema leider sehr häufig. Kinder werden in der Schule gemobbt, Erwachsene am Arbeitsplatz, aber auch Vereine, Interessengemeinschaften und Nachbarschaftssysteme werden häufig als Nährboden genutzt, um andere zu schikanieren.

Es können starke psychische Erkrankungen und Schmerzen entstehen, die noch über Jahre nachwirken und starken Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen, sowie dessen Gefühlswelt haben.

Was viele nicht wissen: gegen Mobbing kann man erfolgreich etwas tun. 

Niemand muss hinnehmen gemobbt zu werden oder gar dabei zusehen, wie andere gemobbt werden.

Um dem Psychoterror entgegenwirken zu können, ist Aufklärung ein wichtiger Faktor. Wie könnte das besser passieren, als durch Literatur. Hier stelle ich euch 10 Bücher vor, die Identifikationspotential bieten, die Mut machen und die helfen Mobbing publik zu machen, sowie dagegen vorzugehen.

An meiner Seite steht heute Silke Groß, Dipl. Sozialpädagogin/ Dipl. Sozialarbeiterin, Schulsozialarbeiterin und Lerntrainerin für Legasthenie und Dyskalkulie, die langjährige Erfahrung in der Bewältigung von Mobbing hat.


"Das Anti-Mobbing Buch" - Pixi Wissen Band 91

Die Autoren Mechthild Schäfer und Klaus Starch haben sich dem Thema Mobbing angenommen und erklären es so, dass auch jüngere Kinder schon Zugang dazu bekommen. Sie sind das Zielpublikum, bei dem Aufklärung bereits beginnen sollte, auch wenn sie (hoffentlich) nicht direkt betroffen sind.

Kurze, knappe Erklärungen, die von Dorothea Tust so illustriert worden sind, dass auch schon die Kleinsten Mimik und Gefühle der abgebildeten Personen verstehen können und somit die Empathie der Kinder angesprochen wird.

Neben Aufklärung was Mobbing überhaupt ist und welche Möglichkeiten ich als Betroffene habe, gehen die Autoren, die sich Grundschullehrerin Ilka Schröder als fachliche Instanz zur Seite geholt haben, auch darauf ein, dass es wichtig ist Kinder, die gemobbt werden Unterstützung zu bieten und nicht als Mitläufer zuzusehen.

"Das Anti-Mobbing-Buch" aus der Reihe Pixi Wissen ist ein übersichtliches und leicht verständliches Büchlein, das mit einem Quiz abgerundet, spielerisch Zugang zum Thema Mobbing bietet.

CARLSEN - 32 Seiten - ab 6 Jahre - 1,99 €

"Die wilde Rosa und das See-Ungeheuer" - Iris Wewer

Mobbing betreffend kann ich als Elternteil einiges an Prävention leisten. Neben einigen Aspekten der Erziehung, auf die ich hier leider nicht alle eingehen kann, und der Vermittlung von Werten, zählt auch Kindern zu verdeutlichen, dass es kein Grund ist einen anderen Menschen zu fürchten oder schlecht zu behandeln, weil er anders aussieht oder sich anders als ich verhält.

Diesem Thema widmet sich Iris Wewer in ihrem Bilderbuch "Die wilde Rosa und das See-Ungeheuer". Rosa und ihre Freunde Freddi und Karl begegnen einem Tier, das neu in ihrer Unterwasserwelt ist. Sowohl optisch, als auch seine Eigenschaften betreffend, unterscheidet es sich sehr von Rosa, Freddi und Karl. Doch das ist kein Grund das Untier- wie sie es genannt haben - zu vertreiben.

Mit eingängigen Texten und hübschen Zeichnungen bietet Iris Wewer Zugang zum Thema "anders sein". Sie zeigt wie wichtig es ist, jemanden kennenzulernen, bevor man sich ein Urteil bildet, und das man mit einem Angriff definitiv falsch an die Sache rangeht. Liebevoll gestaltetes Diskussionsmaterial für Eltern und Kinder ab 4 Jahren.

OETINGER - 32 Seiten - ab 4 Jahre - 12,99 €

"Eve sieht es anders" / J.J. Johnson

Eve ist gebildet und selbstsicher. Sie ist noch nie zur Schule gegangen, weil sie von ihrer Mutter Zuhause unterrichtet wurde. Nun bereitet sie sich aufs College vor und dazu gehört auch endlich eine Schule zu besuchen. Dort ist sie eine Außenseiterin. Nicht nur durch die Tatsache, dass sie Privatunterricht bekommen hat, sondern auch durch all das, wofür sie einsteht. Sie unterscheidet sich sehr von ihren Mitschülern/Mitschülerinnen und wird zur Zielscheibe ihres Unmuts.

In "Eve sieht es anders" liegt der Fokus auf "anders sein". Prävention durch Konfrontation mit Denkweise, Einstellung und Fähigkeiten, die sich von denen des Durchschnitts unterscheiden, die sich von dem was allgemein als "normal" betitelt wird. Das ist sicher einer der Punkte, auf die Autorin J.J. Johnson aufmerksam machen will.

Sowohl ihre Figuren, als auch die Handlung werden stark in Extreme gezogen und bieten so sehr viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

KNESEBECK - 316 Seiten - ab 14 Jahre - 16,95 € - Übersetzung: Maren Illinger


Woran erkenne ich Mobbing?

S. Groß: Es ist äußerst wichtig Mobben von herkömmlichem Ärgern oder Streiten zu unterscheiden. Der häufig inflationäre Gebrauch des Begriffs Mobbing verharmlost diesen und erschwert das Erkennen und Ernst nehmen von tatsächlichem Mobbing.

Aber vor allem der Umstand, dass Mobbing gänzlich andere Lösungsansätze erfordert als Streitereien, macht das eindeutige Erkennen unheimlich wichtig.

Mobbing kennzeichnet

Die Dauer: Die Übergriffe finden schon seit drei Monaten oder länger statt

Die Häufigkeit: Es kommt zu drei Übergriffen pro Woche oder mehr.

Das Kräfteungleichgewicht: Der oder die Täter sind dem Opfer überlegen. Dies kann durch körperliche Größe oder Überzahl der Täter gegeben sein, aber nicht selten entsteht das Kräfteungleichgewicht durch den sozialen Status oder das Auftreten des Täters.

Eine Lösung der Mobbingsituation ist durch das Opfer nicht möglich. Alle Strategien seitens des Opfers, die Übergriffe zu verhindern, scheitern. Egal ob sie die Täter ignorieren, ausweichen oder sich wehren, das Mobbing wird fortgeführt oder sogar noch verstärkt.




"POW. Pauls oberkrasser Wachdienst" - Michael Fry

Paul ist ziemlich klein und deshalb passt er perfekt in seinen Schulspint. Dort wird er regelmäßig von Schulhonk Roy hineingesteckt. Als die Schulpsychologin das mitbekommt, verdonnert sie ihn und zwei andere Opfer von Roys Attacken, dazu ein Team zu bilden, das Roy im Auge behält und ermahnt, wenn es wieder zu Übergriffen kommt. Ob das gut geht? Ein Team aus Losern gegen einen Brutalo?

Die Idee, die Autor Michael Fry in seinem Buch zusammenfasst ist ein nicht ganz unübliches vorgehen bei Mobbing: mehrere Schüler bilden ein Team, das sich um das Mobbing- oder die Mobbing Opfer kümmert und sozusagen in eine Wächterfunktion tritt. Darunter sind neben neutralen Personen auch der Täter / die Täterin und einige der Mitläufer.

Ganz so ist es in "POW" nicht, aber ähnlich und damit ist dieses Buch, das mit Comicinhalten aufgepeppt auch sehr diejenigen anspricht, die sonst nur wenig mit Büchern anfangen können und nicht so gerne lesen, authentisch angelegt. Mir hat "POW" auch deshalb gut gefallen, weil es zeigt, dass Opfer eine realistische Chance haben aus der Mobbingrolle herauszukommen, weil der Täter / die Täterin oftmals selbst mit einem Problem zu kämpfen hat. Hier bekommt der Täter ein Gesicht, wird nicht einfach als Brutalo abgestempelt und ist nicht mehr die Person, die unantastbar über dem Opfer steht. Gut gelungen, pfiffig, frech und modern umgesetzt.

OETINGER - 240 Seiten - ab 10 Jahre - 6,99 € - Übersetzung: Yvonne Hergane

"Klassenspiel" / Celia Rees

Lauren versteht die Welt einfach nicht mehr. An ihrer alten Schule in Australien hatte sie Freunde und wurde gemocht. Nun wird sie gemobbt. Aus welchen Gründen, ist ihr schleierhaft. Einzig Alex scheint zu ihr zu halten, denn auch die versteht nicht, warum die Klasse sich wieder ein Mobbingopfer gesucht hat, denn erst kurz vorher verunfallte ein Junge, der lange Zeit gemobbt wurde. Wenn es denn wirklich ein Unfall und nicht ein versuchter Suizid war...

Gekonnt inszeniert Celia Rees eine Geschichte, wie sie leider häufig in der Realität zu finden wird. Eine Gruppe sucht sich ein Opfer. Gründe dafür scheint es keine zu geben. Die Absurdität von Mobbing ist so greifbar wie unverständlich.

Nicht selten gerät durch Mobbing so eine starke Lawine ins Rollen, dass Opfer psychische Schmerzen erleiden. Schmerzen, die nicht zwangsläufig sichtbar sind. Im schlimmsten Fall sieht ein Opfer den einzigen Ausweg in Suizid. Was hart klingt und von der Autorin eingängig umgesetzt wurde, ist leider näher an der Realität, als manche es sich vorstellen können.

Mit "Klassenspiel" versucht Celia Rees aufzurütteln. Gefahr von Mobbing und dessen Folgen ist kein Spaß und wird hier mit Nachdruck dargestellt.

CARLSEN - 192 Seiten - ab 12 Jahren - 6,99 € - Übersetzung: Cornelia Krutz-Arnold

"Kein Wort zu niemandem" / Jana Frey

Sammy fühlt sich Zuhause nicht mehr wohl. Seit Mama wieder einen neuen Partner hat und dessen Töchter bei ihnen eingezogen sind, fühlt er sich überflüssig und ungesehen. Außerdem fühlt er sich von seinem besten Freund Leander verraten, denn der ist nun mit Karlotta zusammen, in die Sammy eigentlich verliebt war. Einzig Raphael, der eigentlich ein Fießling ist, scheint ihn zu verstehen.

Also schließt er sich Raphaels Clique an und tyrannisiert andere Schüler. Ein Kick, der ihn zumindest kurzfristig glücklich macht.

Jana Frey nimmt sich dem Profil eines Täters an. Einem, der mit sich selbst zu kämpfen hat, der sich ungeliebt fühlt und nicht weiß, wohin mit seinem Frust. Die Atmosphäre in diesem Roman ist extrem angespannt und spiegelt damit sehr gut Sammys Situation, in die er ungewollt hineingeraten ist und die sich sehr schnell verselbstständigt hat.

Die Stärke dieses Buchs sind die leisen, aber extrem eindringlichen Zwischentöne. Hart schlagen sie ein, schockieren den Leser und zeigen, welches Ausmaß Mobbing annehmen kann.

Ganz deutlich zeigt Autorin Jana Frey wie wichtig es ist Kindern / Jugendlichen zuzuhören und ihre Probleme ernst zu nehmen.

ARENA - 208 Seiten - ab 14 Jahre - 5,99 €


Was kann ich gegen Mobbing tun?


S. Groß: Zunächst ist es mir sehr wichtig ganz klar zu sagen, dass Mobbing beendet werden kann. Ich finde es wird häufig wie ein Schicksalsschlag dargestellt, gegen den man nichts tun kann, außer die Schule, den Arbeitsplatz oder den Wohnort zu wechseln. Dem ist nicht so. Allerdings, wie bereits erwähnt, kann die Lösung nicht durch das Opfer selbst herbeigeführt werden. Daher ist es wichtig, dass sich Betroffene Hilfe bei einer kundigen Person holen.



"Klippen springen" / Claire Zorn 

"Dein Wert wird von deinen Mitschülern abgeschätzt, und wenn er feststeht, kannst du nichts mehr daran ändern."

Die 15-jährige Hannah ist seit langer Zeit schon Opfer von Mobbing Attacken. Dann kommt ihre Schwester bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Schwester, die sehr beliebt war, mit der sie optisch einige Ähnlichkeit aufweist, die sich geschämt hat für Hannah und sich von ihr distanziert hat, statt für sie einzustehen. 

"Klippen springen" stellt nicht so sehr die Mobbing Taten in den Vordergrund, sondern legt den Fokus auf Hannah. Ihre Gefühle, ihren Schmerz und ihre Ängste. Die verursacht wurden durch all diejenigen, die grundlos auf ihr herumhacken. Es ist die Einsamkeit, die sehr an Hannah nagt, manchmal noch mehr, als die Verachtung, mit der die anderen ihr entgegen treten. Mobbing als Mittel zur Ausgrenzung. 

Claire Zorn hat eine berührende Geschichte geschrieben, in der die Emotionen der Protagonisten schier greifbar werden. Leser leiden mit. Sehr spannend konzipiert, indem sie sozusagen das Pferd von hinten aufzäumt, sich stückweise vortastet und mit jedem Schritt tiefer in die Gefühlswelt der Protagonistin eindringt. Ein Buch, das sehr nachdenklich macht, indem es ganz besonders die Absurdität, auf der Mobbing gründet, und die emotionalen Verletzungen der Betroffenen in den Fokus rückt.

THIENEMANN - 256 Seiten - ab 13 Jahre - 14,99 € - Inge Wehrmann

"Hass gefällt mir" / Johanna Nilsson

Gloria ist neu an der Schule. Ihre einzige Freundin ist Jonna, die Außenseiterin. Diejenige, die seit Jahren die doofen Sprüche und Angriffe der anderen erträgt. Eine Position, die Gloria an ihrer alten Schule auch mal inne hatte und die sie nie wieder einnehmen möchte. Um zu gefallen, lässt sie sich auf eine dumme Sache ein und kurz darauf kursiert ein Video von ihr im Internet, dass ihr den Titel Hure einbringt. 

"Hass gefällt mir" wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Sowohl Jonna, als auch Gloria, sowie Robin kommen zu Wort. Dieses Stilmittel nutzt die Autorin nicht nur, um verschiedene Strukturen von Mobbing aufzuzeichnen, sondern auch welchen starken Einfluss Macht auf das Verhalten von Mobbern hat. 

Täter / Täterin erhalten durch Mobbing eine gewisse Kontrolle über andere. Dass ungleiche Machtverhältnisse zu Problemen führen können, ist nicht nur aus zwischenmenschlichen Beziehungen von Kindern und Jugendlichen bekannt, sondern auch aus anderen Strukturen wie Arbeit oder in Vollzugsorganen der Gesetzgebung. 

Das Gefühl von Macht kann sich rasend schnell und unkontrolliert verselbstständigen, was Johanna Nilsson hier in einer Geschichte mit hohem Spannungsgrad ganz deutlich aufzeigt. Wird der Täter dadurch selbst zum Opfer? Ein Roman, der mit der Frage nach gut und böse, Täter und Opfer großes Diskussionspotential bietet und sich gut als Schullektüre eignet.

BELTZ & GELBERG - 169 Seiten - ab 14 Jahren - 12,95 € - Übersetzung: Maike Dörries

"Bis heute" / Shane Koyczan

"Bis heute" ist für mich eins der berührendsten Bücher zum Thema Mobbing. 
Autor Shane Koyczan ist als Kind selbst Opfer von Mobbingattacken gewesen. Der Text von "Bis heute" war zunächst als Sprechgedicht angelegt und wurde auf einem seiner Alben veröffentlicht, später in einem Gedichtband. 2013 dann der Sprung zu YouTube. Untermalt von Trickfilmsequenzen, die verdeutlichen sollen, was Koyczan ausdrücken möchte.

Selten gelingt es einem Künstler seinen Schmerz, sein Leid so gut in Worte zu fassen, wie Shane Koyczan es getan hat. Es bedarf eigentlich keiner Illusionen, um zu verstehen, wie nachhaltig er durch Mobbing verletzt wurde. Ein Riss in seiner Seele, der nie ganz verschwinden wird. 

Mit seinen Worten möchte er helfen. Mut machen. Aufrütteln. Den Blick schulen. Den "Schönen und Geschundenen" eine Stimme geben. 

An seiner Seite 30 internationale Künstler, die seine Worte verbildlichen. Mit Zeichnungen, die so voller Emotionen sind, das ich es nicht schaffe mehrere auf einmal genauer anzuschauen. Schmerz und Leid sprechen aus ihnen. Doch Mitleid ist nicht das, was Mobbing Opfer brauchen. Sondern Hilfe. Hilfe aus ihrer Rolle zu schlüpfen Denn trotz aller Unkenrufe und Ängste, die dagegen sprechen, ist das möglich.

ALADIN - 72 Seiten - ab 12 Jahre - 12,90 € - Übersetzung: Andreas Steinhöfel



Wer kann helfen?


S. Groß: Eltern und in Anti-Mobbingstrategien nicht bewanderte Lehrer sollten nicht alleine das Problem anpacken, indem sie den oder die Täter konfrontieren und mit Strafen drohen. Dieses auf den ersten Blick sinnvolle Vorgehen führt meistens nur dazu, dass die Täter sich hierfür beim Opfer rächen und die Situation sich noch verschlimmert.

Daher sollte man sich an Lehrer, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen oder Beratungsfachkräfte wenden, die Erfahrung in der Anwendung von Anti-Mobbingstrategien haben. Hierbei werden die Täter nicht an den Pranger gestellt, sondern an der Lösung beteiligt. Die Anonymität, in der Mobbing im Verborgenen stattfindet, wird aufgelöst. Die Täter müssen erfahren, dass die erfolgreiche Lösung auch verlässlich und langfristig durch die Fachkraft nachgehalten wird.

Gegen Mobbing kann man sich erfolgreich wehren. Mein Wunsch ist es, dass sich an jeder Schule eine fachkundige Person befindet, die weiß, wie es geht und den Opfern helfen kann.



"Mobbing erfolgreich bewältigen" / Dr. Josef Schwickerath

"Mobbing erfolgreich bewältigen" ist gezielt für Erwachsene geschrieben. Es soll helfen Schikanen und Konflikte - insbesondere am Arbeitsplatz - zu bewältigen.

Mobbing kommt nicht nur unter Kindern / Jugendlichen vor, sondern auch unter Erwachsenen. Schwickerath bietet mit seinem Ratgeber Hilfestellung Mobbing zu erkennen und erfolgreich zu bewältigen.

Mobbingopfer haben sicher häufig das Gefühl dem Psychoterror nie entkommen zu können. Schwickerath zeigt in seinem vier Stufen Programm, das er es sogar möglich hält, präventiv vorzugehen. Um dies zu können, muss man erste Züge bzw. Mobbing an sich, erkennen. Schwickerath liefert hier klare Erklärungen, die sowohl durch Aufbau, als auch die von ihm genutzte Sprache leicht verständlich sind.

Ich glaube, dass "Mobbing erfolgreich bewältigen" nicht nur hilfreich für erwachsene Mobbing Opfer ist, sondern auch Eltern, sowie Fachpersonal helfen könnte, Mobbingstrukturen zu verstehen und nachhaltig dagegen vorzugehen.

BELTZ - 144 Seiten - 19,95 €

Silke Groß Buchtipp für alle Helfer: 

Das Anti-Mobbing-Buch / Mustafa Jannan.

Lehrkräfte, Eltern und auch die betroffenen SchülerInnen selbst können wirkungsvoll gegen Mobbing vorgehen. Mustafa Jannan zeigt in seinem
praxiserprobten »Anti-Mobbing-Buch« mit Elternheft, wie dies gelingen kann. Der Klassiker zum Thema Mobbing erscheint nun in der vierten, vollständig überarbeiteten Auflage.

Aus dem Inhalt:
- Schulische Gewalt, Mobbing, Cyber-Mobbing
- Gewaltprävention und -intervention, Maßnahmen auf Schulebene, Klassenebene, persönlicher Ebene und gegen Cyber-Mobbing
- Methoden, Übungen, Interventionskonzepte
- Arbeitsmaterialien
(Text: BELTZ)

BELTZ - 219 Seiten - 24,95 €


Hier kann ich mir Hilfe holen:


Kinder- und Jugendtelefon. Nummer gegen Kummer
für Kinder und Jugendliche 116 111
für Eltern: 0800 111 0550

Bundeszentrale für politische Bildung
Projekt: Mobbing - bei uns nicht?!

Anti Mobbing Seite für Kinder und Eltern
Mobbing Schluss damit!


Mein herzlicher Dank für die großartige Unterstützung geht an Silke Groß und die Verlage Carlsen, Oetinger, Knesebeck, Arena, Thienemann, Beltz und Aladin.

[Hörbuch] The Choice. Bis zum letzten Tag - Nicholas Sparks



An die große Liebe glaubt Travis Parker nicht. Er hat sich seine Welt bestens eingerichtet: ein guter Job, nette Freunde, ab und an eine kleine Affäre. Doch dann lernt der überzeugte Junggeselle Gabby Holland kennen, die sein Herz im Sturm erobert. Gegen viele Widerstände gelingt es ihm, sie für sich zu gewinnen. Er ahnt nicht, dass seine härteste Prüfung noch bevorsteht.
(© Foto: N. Eppner, Text: Verlagsgruppe Randomhouse)

Ich habe oft das Gefühl, dass Nicholas Sparks ein wenig die Leserwelt spaltet. Es gibt die einen, die ihn verehren und jedem seiner Bücher entgegen fiebern und die anderen, die ihn für einen Schnulzenautor halten, der langweilige Herz-Schmerz-Geschichten schreibt. Zu denen habe auch ich lange gezählt, bis mich die Verfilmung seines Bestsellers eines besseren belehrte.

Seine Romane berühren, sind aber keineswegs kitschig. „The Choice – Bis zum letzten Tag“ hat mich manche Träne gekostet. Dies wäre nicht passiert, wenn es eine lapidare Erzählung wäre. Sparks gibt seinen Protagonisten Travis und Gabby die nötige Tiefe, um Leser wie Hörer mitzureißen. Figuren mit Charakter, die sich ihrem Schicksal entgegenstellen, auch wenn es hart zuschlägt.

Immer wieder überrascht er mit Wendungen, die mir den Atem stocken ließen. Handlungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, sorgten dafür, dass ich nicht selten in eine angespannte Stille verfiel. Ich weiß noch genau, in welch andächtiger Spannung ich das letzte Kapitel hörte. Meine Autofahrt war längst beendet, aber ich konnte den CD Player einfach nicht ausschalten.

Gegenüber Sprecher Alexander Wussow hatte ich ähnliche Vorurteile, ist er mir doch bisher nur als Schauspieler in Serien bekannt, die meine Großeltern geschaut haben. Man sollte sich immer erst ein eigenes Bild schaffen, bevor man urteilt. Das hat mir der Schauspieler mit der samtig weichen und sympathischen Stimme wieder einmal bewiesen.

Ergreifend liest er Sparks Roman „The Choice – bis zum letzten Tag“, der aus einer fiktiven Handlung besteht, aber problemlos aus dem Leben gegriffen sein könnte. Genau das ist es, was ihn so bewegend macht. Gelungen umgesetzt von einem Meister der Gefühle, der seine Leser nicht immer mit einem Happy End verwöhnt, aber tief berühren kann.


Hörbuchinfo:


Random House Audio (Februar 2016)

Gekürzte Lesung

420 Min.

6 CDs

Taschenbuchausgabe erschienen bei: Heyne

Originaltitel: The Choice

Übersetzung: Adelheid Zöfel


Hier bestellen:




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[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Nadine Erdmann



Beschreibe dich bitte kurz selbst (Name, was machst du, in welcher Verbindung stehst du zu Büchern / der Literatur).

Mein Name ist Nadine Erdmann und ich bin Jugendbuchautorin. In meinen "CyberWorld"-Geschichten lasse ich meine Protagonisten nicht nur gegen virtuelle Monster antreten, sondern sie müssen sich auch im echten Leben einigen Herausforderungen stellen, weil manchmal Schicksalsschläge die grausamsten Monster überhaupt sind.


(c) Nadine Erdmann


  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst? 

    Mein absolutes Lieblingsbuch als Kind war "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren. Prinzessin war nie so meins, ich wollte immer Räubertochter werden – und das hat sich bis heute auch nicht geändert. ;o)

    Ich mochte aber auch die "Rätsel um …" und "Geheimnis um …" Bücher von Enid Blyton und später kamen dann "Die drei Fragezeichen" und die "Burg Schreckenstein"-Reihe von Oliver Hassencamp dazu. Ich war ständig in unserer Stadtbücherei und hab die Bücher rucksäckeweise nach Hause geschleppt.

  2. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten?

    Ich habe nicht "das eine Lieblingsbuch", von dem ich denke, dass es unbedingt jeder lesen muss. Wenn ich Bücher empfehle oder verschenke, gehe ich eigentlich immer eher von der zu beschenkenden Person aus und was ihm oder ihr gefallen könnte, denn das muss ja nicht unbedingt das sein, was mir auch am besten gefällt.

    Das Buch, das mich bisher in diesem Jahr aber am meisten beeindruckt hat, ist "S. – Ship of Theseus" vom fiktiven Autor V.M. Straka, das Doug Dorst und J.J. Abrams herausgebracht haben. Es ist definitiv nicht einfach zu lesen und man muss sich darauf einlassen, aber wenn man es tut, ist es ein wirklich einmaliges Leseerlebnis, das mich ziemlich fasziniert hat.

  3. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?

    Das Eintauchen in fremde Welten und andere Leben. Neue Sichtweisen kennenzulernen, fantastische Abenteuer zu bestehen, mich vor Geistern zu gruseln, mit Charakteren mitzufiebern, mitzulachen, mitzuleiden … Lesen ist einfach wahnsinnig abwechslungsreich, intensiv und spannend und es fällt mir immer schwer, mir vorzustellen, dass nicht jeder das von morgens bis abends tun möchte. Außer man schreibt selbst Geschichten. Schreiben ist eine fanstatische Alternative, all das Obengenannte zu erleben – nur mit dem zusätzlichen Bonus, dass man dabei selbst Regie führen kann. ;o)

  4. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?

    Mir ist Authentizität sehr wichtig. Das, was ich lese, muss für mich glaubhaft und "ehrlich" sein. Dabei darf es gerne ein bisschen schräg oder "anders" sein, aber nicht gekünstelt, sondern es muss einfach "echt" sein, mich neugierig machen und mich auf irgendeine Weise ansprechen und berühren. Und ich muss die Figuren mögen. Wenn die Charaktere mich nicht mitnehmen, hat die Geschichte meistens leider verloren.

  5. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?

    Einzelne Wörter, die ich in Rezensionen nicht mag, gibt es eigentlich nicht. Jeder, der schreibt (egal was), hat seinen eigenen Stil und dafür soll er die Worte benutzen, die er will. Was ich dagegen nicht mag, sind Aussagen wie: "Das kann der Autor besser". So was finde ich ziemlich anmaßend. Schwierig finde ich auch, wenn sich (erwachsene) Leser*innen in Rezensionen drüber beschweren, dass es in einem Jugendbuch um Jugendliche und ihre Probleme geht. Oder dass in einer Serie am Ende des ersten Teils nicht alle Fragen beantwortet, sondern – im Gegenteil – noch neue aufgeworfen werden. Natürlich hat jeder ein Recht auf seine eigene Meinung, aber einem Buch vorzuwerfen, dass es Genre oder Zielgruppen typische Merkmale aufweist oder Stilmittel einsetzt, finde ich daneben.

  6. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?

    Ich bin eine totale "Figurenleserin". Wenn mich die Figuren einer Geschichte nicht packen, hat die Geschichte leider verloren, egal, wie packend der Plot vielleicht auch sein mag. Dabei mag ich Figuren, die mir gleich auf den ersten Seiten ans Herz wachsen, genauso sehr wie Figuren mit Ecken und Kanten, mit denen ich mich zusammenraufen muss. Aber wenn Charaktere mir völlig egal bleiben, sind mir leider meistens auch ihre Geschichten ziemlich schnell egal und ich breche Bücher ab. Gleiches gilt, wenn Figuren mich total nerven oder wütend machen. Deren Geschichten haben meistens leider auch keine Chance bei mir und da würde ich mir ab und an ein bisschen mehr Geduld wünschen.

  7. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

    Ich persönlich finde das, was in der Szene gerade "in" ist, immer etwas schwierig, denn meistens wird man dann innerhalb kürzester Zeit von diesen "Trendthemen" dermaßen überschüttet, dass mir daran ganz schnell die Lust vergeht.

    Eine der positivsten Entwicklungen der letzten Jahre ist für mich aber nach wie vor der eReader. Ich mag Bücher zwar sehr gerne auch "oldschool" auf Papier, aber da ich viele Bücher im Original auf Englisch lese, war es früher oft ziemlich mühsam, an diese heranzukommen. Meist hieß es im Buchhandel: "Haben wir leider nicht." Dann mussten sie kompliziert über irgendwelche Großhändler im Ausland bestellt werden und man hat ewig darauf warten müssen. Heute geht das alles viel entspannter. Die Bücher landen mit einem Klick auf meinem Reader und ich kann loslesen. :o)

Vielen Dank, liebe Nadine, für deine spannenden Antworten.


Bücher der Autorin:


 




Letzter Bus nach Coffeeville - J. Paul Henderson



Drei in jeder Hinsicht ziemlich älteste Freunde reisen in einem klapprigen Tourbus der Beatles quer durch die USA bis nach Mississippi. Mit an Bord: Alzheimer, die grausame Krankheit des Vergessens. Nach und nach steigen noch andere Passagiere mit kunterbunten Lebensläufen zu, die verrückt genug sind, um es mit so einem heimtückischen Mitreisenden aufzunehmen. Ein Buch, bei dem man ebenso oft Tränen weint wie Tränen lacht und das man dabeihaben will, wenn’s im eigenen Leben mal nichts mehr zu lachen gibt.
(Bild: N.Eppner, Text: Diogenes)

Früher habe ich immer geglaubt, dass Alzheimer oder Demenz Themen für alte Menschen sind. Dass sie mich nicht interessieren müssen, weil ich nichts damit zu tun habe. Heute sehe ich das anders. Auch wenn in meiner Familie glücklicherweise niemand von einer der Krankheiten betroffen ist, habe ich einen anderen Blick auf ihre Existenz (sehr interessant: Ich und meine Alzheimer WG).

Alzheimer ist keine Krankheit, die sich einfach so mit Medikamenten behandeln lässt. Sie umfasst viele Facetten an Therapiemaßnahmen und betrifft in großem Umfang auch Angehörige. Es ist, als ob Alzheimer Patienten rückwärts leben. Als ob sie sich wieder zu dem entwickeln, was sie zu Beginn ihres Lebens waren. Sie verlieren ihre Fähigkeiten sich selbst zu versorgen, verlieren den Bezug zur Gegenwart und erinnern sich vermehrt nur noch an die Menschen, mit denen sie in ihrer Kindheit / Jugend zu tun hatten. Sehr schwer für Angehörige, die all dies bewusst miterleben, aber natürlich in besonderem Maße für Betroffene selbst. Immer wieder steht die Frage der Menschenwürde im Raum und wie stark Alzheimer diese für sich beansprucht.
Genau diese Frage macht J. Paul Henderson zum Mittelpunkt seines Romans. Den Verlauf der Krankheit hat er in der eigenen Familie erlebt. Seine Mutter ist an Alzheimer erkrankt und verstorben. Für ihn Grund genug sich näher mit dem Thema auseinander zu setzen.

Herausgekommen ist ein Roman von ganz besonderem Charakter. Ein Roman, der glücklich macht und mich ausgesprochen gut unterhalten hat. Eine gelungene Kombination aus dem Ernst, der mit Krankheit verbunden ist, und Hendersons eigenem, großartigem Humor.

„Letzter Bus nach Coffeeville“ lebt von seinen Protagonisten, die jeder für sich so interessant sind, dass sie eigene kleine Romane verdient hätten. Ihre Geschichten werden ins große Ganze des Buchs eingebunden. Eine Art des Erzählens, die ich sehr gerne mag. Gemeinsam werden sie zu einem unschlagbaren Trio, das nicht nur dem Alter, sondern auch vielen Konventionen und Vorurteilen trotzt.

Obwohl die an Alzheimer erkrankte Nancy eine der Hauptfiguren ist, ist „Letzter Bus nach Coffeevillee“ kein Buch, das den Fokus auf die Krankheit an sich legt, sondern eher auf die damit verbundenen Hindernisse und Schicksalsläufe, sowie auf die bereits angesprochene Frage der Würde und den Wunsch nach selbstbestimmtem Sterben. Vor allem ist es aber ein Roman über eine Freundschaft, die stark und unerschütterlich ist. Nachdenklich stimmend und herzerwärmend.

Buchinfo:


Diogenes (März 2016)

528 Seiten

Hardcover

24,00 €

Übersetzung: Jenny Merling


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Weitere Rezensionen „Letzter Bus nach Coffeeville":




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