07.08.17

Sturm über Windhaven - Lisa Tuttle & George R.R. Martin



Windhaven – eine wunderschöne Wasserwelt, doch geplagt von gewaltigen Stürmen. Die Menschen leben verstreut auf vielen kleinen Inseln, und es ist fast unmöglich, Kontakt zueinander aufzunehmen. Dennoch – oder deswegen – ist auf Windhaven ein alter Traum wahr geworden: Menschen können fliegen. Doch die Flügel sind kostbar, und die Gilde der Flieger ist eine streng abgeschottete Elite. Trotzdem will sich Maris von Amberly ihren Traum vom Fliegen nicht nehmen lassen … (Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


"Sturm über Windhaven" ist eine überarbeitete Neuauflage des Romans "Windhaven", den Tuttle 1981 gemeinsam mit G.R.R. Martin schrieb und der 1982 für den Locus Award nominiert wurde.

Schon nach wenigen Seiten fällt auf - diese beiden Autoren verstehen ihr Handwerk. Der Sog packt mich und die ersten Hundert werden fix inhaliert. Dies kann über das gesamte Buch gehalten werden und so habe ich es in kurzer Zeit weggelesen. Schade, denn Protagonistin Maris ist mir schnell ans Herz gewachsen.

Tuttle und Martin gelingt es eine Faszination für die Welt der Flieger aufzubauen, der auch Protagnistin Maris unterliegt. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als eine von ihnen zu sein. Dies gestaltet sich als etwas schwierig, denn das Recht Flügel zu tragen, wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Ein erster Blick hinter die Fassade lässt mich erahnen, dass der Schein trügt und die Flieger nicht durchweg gute Menschen sind, die sich ihren Status redlich verdient haben.

Schaut man genauer hin lässt sich eine gewisse Oberflächlichkeit in den Fliegerfamilien erkennen. Eine Art Kastensystem, das mit Arroganz auf andere herabschaut. Tuttle und Martin bauen dies sehr geschickt auf, sorgen zunächst für Bewunderung und dann dafür, dass ich mein eigenes Hirn einschalte und darüber nachdenke, ob es nicht Systeme gibt, die zwar schon seit ewigen Zeiten bestehen, aber doch längst überholt sind.

Maris möchte sich von bestehenden Regeln und Konventionen nicht abhalten lassen. Sie kämpft für ihren Traum, wird zur Rebellin, zum Vorbild einer ganzen Generation. Doch dann gerät auch sie in einen Gewissenskonflikt.

"Sturm über Windhaven" liest sich sehr leicht, ist spannend aufgebaut und wäre mit Themen wie dem Wunsch, die eigenen Träume zu Verwirklichen, Ehrgeiz und Kritik an bestehenden Systemen, auch auf einen zeitgenössischen Roman übertragbar. In meinem Kopf läutete immer mal wieder die Glocke der Ungerechtigkeit, die auch im Feminismus bekannt ist. Hier aber weniger auf Frauen, als auf gleichgeschlechtliche Gruppen übertragbar, die durch ihre Geburt ihre Position in der Gesellschaft zugewiesen bekommen. Der Weltenbau ist nicht sehr komplex, aber sehr anmutig und daher auch gut für Fantasyeinsteiger geeignet.

Buchinfo:

Penhaligon (Juli 2017)
Klappenbroschur
448 Seiten
15,00 €
ÜBERSETZUNG: Angelika Fuchs

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Rezensionen: ©2017, Nanni Eppner

Kommentare:

  1. Huhu liebe Nanni!

    Von dieser Geschichte habe ich schon viel Gutes gehört! :) Schön, dass es dir so gut gefallen hat! Bei mir ist Sturm über Windhaven definitiv ein Wunschlistenkandidat!

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom

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    1. Liebe Nina,

      schön, dass es auf deiner Wunschliste steht. Ich hoffe, du magst es auch so gern wie ich :)

      Liebe Grüße,
      Nanni

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  2. Hallo Nanni,
    so Neuauflagen stehe ich ja sonst immer ein bisschen skeptisch gegenüber, vor allem wenn man beim Kauf gar nicht gemerkt hat, dass dies der Fall ist und sich dann beim Lesen denkt hmmm, irgendwie liest sich das komisch. Bei diesem Buch merkt man also nicht das es schon etwas älter ist?
    Generell mag ich George R. R. Martins Schreibstil sehr gerne, aber er wird sich über die Jahre sicherlich auch verändert haben :) Die Idee mit dem Fliegen finde ich toll! Wohl ein Kindheitstraum von jedem :D
    Liebe Grüße
    Hannah

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    1. Liebe Hannah,

      ich finde bei diesem Buch merkt man es nicht. Auf der Verlagsseite ist es leider nicht gekennzeichnet, im Buch selbst steht natürlich das Datum der Ersterscheinung.

      Ich habe mich irgendwann gefragt, was es mit Lisa Tuttle auf sich hat und da mir der Schreibstil so gut gefallen hat, habe ich sie gegoogelt und siehe da: "Windhaven" ist nicht neu.

      An der Sprache merkt man es aber überhaupt nicht. Es liest sich wirklich sehr flüssig.

      Liebe Grüße,
      Nanni

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  3. Klingt interessant. Ich habe zwei andere ältere Romane von Martin, gelesen, wovon ich zwar einen toll fand (Fiebertraum), den anderen aber gar nicht mochte (Die Flamme erlischt), daher war ich bislang nicht sehr interessiert an "Windhaven". Vielleicht probier ich es damit nun doch einmal, ich mag ja an sich den Schreibstil von Martin sehr gern.

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    1. Es ist ja auch eine Zusammenarbeit mit Lisa Tuttle. Die Autorin hat auch mitgeschrieben. Da ich ja bis dato noch nichts von Martin gelesen hatte (*hüstel*), kann ich dir allerdings nicht sagen inwieweit seine Schreibe durchklingt.
      Ich habe auf A*** gesehen, dass Lisa Tuttle auch ein Buch übers Schreiben veröffentlicht hat und die Aussagen in den Rezensionen fand ich sehr interessant und decken sich mit meiner Meinung über ihr handwerkliches Geschick.

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