22.11.17

Am Ende der Reise | Edward Docx




Lou fährt seinen unheilbar kranken Vater Larry zu einer Klinik in Zürich – sein Vater möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, was in seiner Heimat England gesetzlich verboten ist. Als nach vielen Kilometern in ihrem 80er- Jahre-VW Lous ältere Halbbrüder nach erstem Widerstand doch noch dazustoßen, deckt die Reise immer mehr innerfamiliäre Befindlichkeiten auf. Sie kämpfen, streiten, lachen, betrinken sich, philosophieren über das Leben und sich selbst – ein Roman, in dem sich jede Leserin und jeder Leser sofort finden wird!
(Text & Cover: © Kein & Aber; Foto: © N. Eppner)

Lou ist derjenige seiner Söhne, zu dem Larry die engste Verbindung hat. Vielleicht, weil Lous Mutter Larrys große Liebe war. Die Frau, durch die er sich erst richtig lebendig und komplett fühlte. Nun ist Larry erkrankt. Der Verlauf der Krankheit wird unweigerlich zum Tod führen. Bis dahin wird Larry seine Würde verlieren, weil er irgendwann nicht mehr in der Lage ist, lebenswichtige Dinge wie essen oder pinkeln alleine auszuführen. Um dem entgegenzuwirken, hat er beschlossen Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. In einer Klinik in Zürich. Lou wird ihn dorthin begleiten.

Der Kontakt zu seinen anderen Söhnen ist eher schwierig. Sie sind lediglich Halbbrüder von Lou. Larry hatte es früher nicht so sehr mit der Treue, hat sich mal in diesem, mal in jenem Bett wiedergefunden, hat sich ganz auf seinen Intellektuellencharme verlassen und ausgenutzt, das die Frauen dem Reihenweise erliegen.

Sein Verhalten hinterlässt Spuren bei all seinen Kindern. Sie rebellieren auf die ein oder andere Weise, versuchen ihn herabzusetzen, zu entwürdigen, ihr eigenes Selbstbewusstsein zu finden und ihren Platz in der Welt. Die Begegnung mit seinem Tod erfordert von allen eine Auseinandersetzung mit ihm und der Beziehung zwischen Vater und Sohne. 

Larry selbst scheint immer gewusst zu haben, was er wollte, wohin seine Reise führen soll. Weiß er heute noch. Er ist charmant, klug und schwierig. Hat einen ganz eigenen Blick auf seine Welt und hohe Erwartungen an seine Umwelt. Dass nicht alles so ist, wie es scheint, erfahren seine Söhne auf der Reise, während sie einen Einblick in das Leben des Vaters bekommen. 

Lohnt es sich im Angesicht des Todes noch zu lügen? Dinge zu beschönigen? Schütze ich damit meine Mitmenschen oder benötigen sie die Wahrheit, um sich auszusöhnen, ihren inneren Frieden zu finden? Hinterbliebene sowie der Sterbende gleichermaßen.

"Am Ende der Reise" ist ein kluges Buch, das uns das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen vor Augen führt. Es ist nicht immer ganz einfach, hier und da muss ein Satz zwei, dreimal gelesen werden, weil die Bedeutung tiefgründiger ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Trotzdem und trotz der Thematik ist es kein schweres Buch. Es ist berührend. Es ist philosophisch. Es ist spannend. Die Handlungen sind spannend konzipiert, aber noch viel mehr fesselt mich die Begegnung mit Leben und Tod. Mit Selbstbestimmung und Freiheit. Mit zwischenmenschlichen Beziehungen.



Buchinfo:

Kein & Aber (2017)
512 Seiten
Hardcover
25,- €
ÜBERSETZUNG: Jenny Merling, Anna-Christin Kramer

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Rezensionen, © 2017 Nanni Eppner

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